Konzentrierte Debatte: Der Krankenhausausschuss des Kreistags bringt eine große Klinikreform auf den Weg. | Foto: fl

Konsens im Ortenaukreis

An der großen Klinikreform fehlt nur noch der Feinschliff

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Die Reform des Ortenau Klinikums ist im Grunde beschlossene Sache. Der Krankenhausausschuss des Kreistags hat an diesem Dienstag zwar noch nicht formell abgestimmt, doch die große politische Linie ist klar: Die Reduzierung auf vier Akutkrankenhäuser in Achern, Offenburg, Lahr und Wolfach findet eine breite Mehrheit, ebenso die geplanten Neubauten an den Standorten Offenburg und Achern. Spannend wird allenfalls die Frage, wie die von Landrat Frank Scherer versprochene „echte Chance“ für die Häuser in Ettenheim, Oberkirch und Kehl letztlich aussehen wird.  Sie sollen bekanntlich nach der Klinikreform, deren Umsetzung mindestens bis 2030 dauern wird, nicht mehr als Akutkrankenhäuser betrieben werden.

„Echte Chance“ für kleine Häuser

Die breite Mehrheit für die von Scherer und Klinik-Geschäftsführer Christian Keller vorgestellte „große“ Reform hatte sich bereits in der vergangenen Woche bei einer Podiumsdiskussion zum Thema in Großweier klar abgezeichnet (der ABB berichtete ausführlich). Und so wendet sich die politische Debatte bereits weg von der Frage nach dem „ob“ der Neuordnung zum „wie“. Dabei geht es vor allem um zwei zentrale Themen: Die Aufteilungen der Fachabteilungen im so genannten „Haus der Maximalversorgung“ zwischen Offenburg und Lahr – und das Schicksal der Geburtshilfe in der nördlichen Ortenau. Deren Zusammenlegung zu einer Hauptabteilung hat der Ausschuss an diesem Dienstag einstimmig und ohne vertiefende Debatte beschlossen.

Geburtshilfe für Achern oder Oberkirch?

Allerdings bleibt die politisch heikelste Frage dabei vorerst ausgespart: Die, ob die neue Geburtshilfe mit eigenem Chefarzt künftig in Achern oder in Oberkirch angesiedelt sein soll. Ein erstes, wenn auch höflich verpacktes, Wortgefecht lieferten sich dazu die Oberbürgermeister der beiden Städte, Klaus Muttach und Matthias Braun (beide CDU) schon einmal. Viel herausgekommen ist vorerst nicht.

Entscheidung im Juli

Der Kreistag soll im Juli, wenn auch die Agenda 2030 formell beschlossen wird, die Weichen stellen. „Wir haben“, so Christian Keller in einem Pressegespräch am frühen Dienstagabend, „bereits eine klare Position, die wir aber heute noch nicht verraten, weil wir erst die Vorlage fertigstellen müssen“.

Uneinigkeit nur in Details

Gut zwei Stunden hatte der Ausschuss zuvor im Großen Sitzungssaal des Landratsamts über die Zukunft der Kliniken und das mutmaßlich größte Reformvorhaben in der Geschichte des Kreises debattiert. Wobei debattiert eigentlich nicht das richtige Wort ist: Es wurden Positionen ausgetauscht, die sich in Details unterschieden – dabei hatte vor allem der CDU-Sprecher im Krankenhausausschuss, der Ettenheimer Bürgermeister Bruno Metz, eine schwierige Aufgabe, steht „sein“ Krankenhaus doch auf der Streichliste die, wie sich jetzt abzeichnet, vielleicht doch nicht so erhebliche Härten für die drei betroffenen Standorte bedeutet wie ursprünglich angenommen. Eine Folgenutzung soll schließlich auf jeden Fall gefunden werden, wenn auch mutmaßlich nicht als klassisches Akutkrankenhaus.

Es sind „dicke Bretter zu bohren“

Landrat Frank Scherer spricht in diesem Zusammenhang von einer „Verzahnung“ verschiedener Bereiche, die allerdings erfordere, viele Akteure an einen Tisch zu holen: „Da sind dicke Bretter zu bohren“. Für die Grünen präsentierte Jürgen Mohrbacher einen Vorschlag, wie dies aussehen könnte. Er verwies auf ein Modell der Robert-Bosch-Stiftung, die die Umwandlung kleinerer Häuser in „kommunale sozialmedizinische Gesundheitszentren“ begleitet. In Oberkirch könne man ein entsprechendes Pilotprojekt anstoßen.
Dass die sich jetzt abzeichnende Einigkeit erst der Anfang eines langen Weges sein wird, machte der Lahrer Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller (SPD) deutlich: „Nach dem Beschluss in den nächsten Wochen beginnt ein Marathon zu der Frage, wie genau die Lösung aussehen soll“. Dabei werde es „Abschmelzungsprozesse“ geben, denen man sich „nur schwer entziehen kann“.

Abschließender Entwurf in Arbeit

In der kommenden Sitzung des Krankenhausausschusses wird die Verwaltung ihren abschließenden Beschlussvorschlag präsentieren, kündigte Landrat Frank Scherer an. Dieser werde sich, wie er am Abend sagte, eng an das von ihm und Klinik-Geschäftsführer Keller ins Gespräch gebrachte Lösungsmodell anlehnen.