Anschlussunterbringung
Werden freie Plätze in Gemeinschaftsunterkünften – wie etwa in Achern beim Alten Bahnhof – in Anschlussunterbringungen umgewandelt? Eine Möglichkeit, über die laut der Stadt Achern nachgedacht werden müsse. | Foto: Gabriel (Archiv)

Region Achern bereitet sich vor

Anschlussunterbringung wird zur Herausforderung

Es sind nur weitere Zahlen auf dem Papier, bedeuten für die meisten Gemeinden in der Region Achern, Achertal, Rheinau und Renchen aber einige Mühen: Das Landratsamt des Ortenaukreises ordnet den Kommunen Flüchtlinge zu, die dort in der sogenannten Anschlussunterbringung unterkommen sollen, zusätzlich zu denen, die dort bereits leben. Die BNN geben einen Überblick darüber, wie die Gemeinden darauf vorbereitet sind.

Private Mietverträge bereits unterschrieben

Die Stadt Achern verfügt über 68 Plätze in der Anschlussunterbringung, davon sind derzeit 57 belegt. „Bei den Objekten handelt es sich um Wohnhäuser mit kleineren und größeren Wohnungen“, erklärt Helga Sauer von der Pressestelle der Stadt. In Oberachern seien vor allem einzelne Personen untergebracht, in Großweier, Mösbach, Önsbach und Fautenbach vorwiegend Familien. Eine Prognose über künftige Flüchtlingszahlen sei „nur eine unsichere Momentaufnahme“, heißt es weiter. Ein Teil werde auf dem privaten Wohnungsmarkt eine Unterkunft finden: „Entsprechende Mietverträge sind teilweise bereits abgeschlossen.“ Zudem müsse darüber nachdedacht werden, freie Kapazitäten in den Gemeinschaftsunterkünften (GU) in Anschlussunterbringungen umzuwandeln – von 345 GU-Plätzen seien 265 belegt.

Ein weiteres Objekt steht leer

Auch der Stadt Rheinau werden für 2017 mehr Flüchtlinge zugeteilt: Zu den aktuell 52 Personen kommen 35 weitere dazu, berichtet Hauptamtsleiter Thomas Bantel. Bisher leben die Flüchtlinge in privat angemieteten und eigenen Wohnungen der Stadt sowie in Wohnungen von Familienpaten. Für die Neuankömmlinge gebe es noch ein leerstehendes Objekt und weitere Plätze in den bisher bereits genutzten Wohnungen.

Den Platz haben wir größtenteils

In Renchen sind derzeit 47 Personen in der Anschlussunterbringung und Wohnsitzauflage untergebracht, und zwar dezentral in verschiedenen Gebäuden der Gemeinde. Für das kommende Jahr seien zusätzlich 59 angekündigt, sagt Barbara Kimmig aus dem Renchener Hauptamt. „Wir bekommen sie unter, den Platz haben wir größtenteils schon.“

Wir sind am Sondieren

In der Gemeinde Lauf leben momentan 45 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung, „als Spitzenwert hatten wir dieses Jahr 51“, sagt Bürgermeister Oliver Rastetter. Im nächsten Jahr kommen noch 26 weitere dazu. Eigens für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen und auch von Obdachlosen gründete die Gemeinde einen Eigenbetrieb, kaufte ein Gebäude und mietete mehrere an. „Der Gemeinderat muss entscheiden, ob wir mehr anmieten oder Aufrufe an die Bürger starten“, sagt Rastetter. „Wir sind am Sondieren, aber frohen Mutes, dass wir alle unterbringen.“ Schwieriger sei ein anderes Problem: Wer eine Anerkennung erhalte und innerhalb von zwei Jahren keine Wohnung finde, gelte als obdachlos und falle aus der Statistik, sodass die Gemeinde mehr Flüchtlinge aufnehmen müsse. „Das gibt der Wohnungsmarkt einfach nicht her“, erklärt der Bürgermeister. „2017 wird eine wahnsinnige Herausforderung.“

Erstmals Anschlussunterbringung in Sasbachwalden

Davor steht auch Sasbachwalden: Bisher wurden der Gemeinde keine Flüchtlinge zugewiesen – mit der Schließung der Erstaufnahmestelle BEA ändert sich das: Entsprechend der Quotenregelung für Anschlussunterbringung und Wohnsitzzuweisung wurden der Gemeinde für 2017 insgesamt 45 Flüchtlinge zugewiesen, die ersten acht kommen im Januar an. Weil Sasbachwalden bisher keine eigenen Wohnungen zur Verfügung stehen, sucht die Gemeinde mit der Hilfe der Bürger nach privaten Unterkünften zur Miete.

Wir sind guter Dinge

Auf der Suche ist man auch in Ottenhöfen: „Aufgrund der Tatsache, dass wir – sobald es uns möglich war, Wohnraum anzumieten – Flüchtlinge auch über der Quote aufgenommen haben, wurde uns vom Landratsamt mitgeteilt, dass wird bis Ende 2017 noch zehn weitere Personen aufnehmen müssen“, berichtet Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. Bisher leben 54 Flüchtlinge in Ottenhöfen in der Anschlussunterbringung in angemieteten Wohnungen. „Wir versuchen, auch die Neuen in gemieteten Wohnungen unterzubringen“, sagt Thomas Bühler, der in der Gemeinde für die Unterbringung zuständig ist. „Wir sind guter Dinge, dass wir das hinbekommen, denn bisher hatten wir Glück damit.“

Gemeinderat Sasbach informiert noch

„Da sind wir gerade selbst dran“, sagt Daniel Retsch, Hauptamtsleiter der Gemeinde Sasbach, wo im nächsten Jahr 77 Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. Die ersten 13 kommen im Januar an. Intern sei die Frage der Unterbringung geklärt, Retsch verweist auf die Gemeinderatssitzung am 19. Dezember, in der genauer informiert werden soll. „Bei uns kommt die Problematik dazu, dass im November die Plätze in St. Pirmin weggefallen sind“, erklärt er. Von einem Monat auf den anderen habe die Gemeinde so 53 Plätze verloren.

In eigenen und gemieteten Wohnungen – wie etwa in Seebach – kommen die Flüchtlinge in Anschlussunterbringung unter.
In eigenen und gemieteten Wohnungen – wie etwa in Seebach – kommen die Flüchtlinge in Anschlussunterbringung ein. | Foto: Walter (Archiv)

Zwei Familien sind derzeit in Wohnungen der Gemeinde Seebach untergebracht, „das sind 14 Personen und ein hier geborenes Kind“, berichtet Bürgermeister Reinhard Schmälzle. Wie viele genau 2017 dazukommen, sei nicht klar, man rechne mit etwa 16, aber das könne sich auch ändern. Bleibe es bei dieser Zahl, gehe man davon aus, sie unterbringen zu können. „Das kommt auch darauf an, ob Familien kommen, oder Einzelpersonen, die zusammenleben“, sagt Decker: Nicht jede Unterkunft sei für jede Bewohnerstruktur geeignet.

Möglichst zentrale Unterkünfte in Kappelrodeck

Dezentrale Unterbringung möglichst zentral im Ort ist auch das Ziel in Kappelrodeck: „Insgesamt verfügen wir über knapp 20 Immobilien, die zum Teil im Eigentum der Gemeinde stehen oder von dieser gekauft oder saniert wurden“, teilt Bürgermeister Stefan Hattenbach mit. Dort leben derzeit 50 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung. Für die weiteren 55, die 2017 dazu kommen – zehn davon bereits im Januar – versucht die Gemeinde, weitere Immobilien zu erwerben. „Dabei bauen wird auf unsere Bürger, die auch für weiteren Wohnraum die Gemeinde Mieter werden lassen“, sagt Hattenbach.