Artenschutz: Mauereidechse
Eidechsen spielen in der Stadt häufig eine Rolle, wenn das Thema Artenschutz standardmäßig bei jedem Bebauungsplan abgearbeitet wird. | Foto: Sina Schuldt

Aktionstag am 3. März

Artenschutz in Achern: Eidechsen sollen oftmals umziehen

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Aus wärmeren Gebieten kommen neue Tierarten wie der Bienenfresser in die Region, im Schwarzwald ist der Wolf zurück – ist das Artensterben etwa gar nicht so schlimm wie gedacht? „Einzelne Arten wandern zwar bei uns ein; in der Bilanz sieht es aber kritisch aus, vor allem für solche, die auf feucht-kalte Gebiete angewiesen sind“, sagt Stephan Engel, Umweltschutzbeauftragter der Stadt Achern. Am Tag des Artenschutzes, der immer am 3. März stattfindet, wird an den nötigen Schutz bedrohter Tiere und Pflanzen erinnert. Um diesen kümmert man sich nicht nur in ausgewiesenen Naturschutzgebieten, sondern auch in der Stadt.

Der Standard ist, dass das Thema Artenschutz bei jedem Bebauungsplan abgearbeitet wird, wie Carlo Frohnapfel erklärt, Leiter des Fachgebiets Stadt- und Umweltplanung. Ein Gutachter macht für die vorgesehene Baufläche eine Potenzialanalyse über mögliche Artenvorkommen, daran kann sich eine sogenannte Spezielle Artenschutzrechtliche Prüfung (SAP) anschließen. Dabei wird die Fläche dann von Frühjahr bis Herbst beobachtet, um betroffene Arten zu entdecken, die vielleicht nur in einer bestimmten Zeit dort auftauchen. Eventuell muss dann für die dort heimischen Arten ein Ersatzhabitat geschaffen werden. Fast immer sind dabei Eidechsen ein Thema, für die zum Beispiel Steinhaufen oder Totholz ein neues Quartier darstellen können. Ein Zaun verhindert, dass die „umgesiedelten“ Eidechsen wieder zurückwandern.

Artenschutz: Ameisenbläuling
Der Wiesenknopf wird teilweise auf Biotopflächen eingebracht, damit der Ameisenbläuling, der von der Pflanze lebt, dorthin mit „umzieht“. | Foto: Regierungspräsidium Kalrsruhe

„Arten werden angelockt, indem man die passenden räumlichen Voraussetzungen für sie schafft“, erklärt Carlo Frohnapfel. Um Artenvielfalt zu erreichen, sei auch eine Vielfalt in der Struktur der Landschaft nötig. So wird beispielsweise auf einer Acherner Fläche, zu der ein Maisacker und ein angrenzender Wald gehören, ein Trauf angelegt, damit die Bäume nach und nach auf die Wiesenfläche „herunterwachsen“, außerdem werden dort – ebenfalls der Vielfalt wegen – Sträucher gepflanzt. Feuchtwiesen hätten in ihrem Wert, um sie als Biotope zu schützen, in den vergangenen etwa 20 Jahren abgenommen, sagt Stephan Engel. Dem gilt es entgegenzuwirken.

Schmetterling zieht mit der Pflanze um

So suchen FFH-Betreuer (Flora-Fauna-Habitat) des Regierungspräsidiums passende Flächen aus und sprechen in Zusammenarbeit mit der Stadt mit den Bewirtschaftern, die das Grün dort stehen lassen sollen. Teilweise werden Pflanzen von anderen Flächen entnommen und dort eingesetzt. So wird zum Beispiel der sogenannte Wiesenknopf auf einer Ausgleichfläche eingebracht, damit der Ameisenbläuling, ein Schmetterling, der von dieser Pflanze lebt, dorthin mit „umzieht“. Bei Aktionen wie diesen braucht es allerdings einen langen Atem: Nachdem etwa auf einer gesetzlich geschützten Feuchtwiese im Gamshurster Industriegebiet fast 200 Stück vom sogenannten Teufelsabbiss gesetzt worden waren, dauerte es teilweise mehrere Jahre, bis diese blühten, berichtet Stephan Engel.

Artenschutz: Brachvogel
Nicht direkt bedroht, aber selten ist der Brachvogel ebenso wie andere Bodenbrüter. | Foto: Regierungspräsidium Freiburg

Der lilafarbene Teufelsabbiss ist zwar nicht direkt bedroht, kommt aber selten vor, ebenso wie das Pfeifengras. Bei den Tieren sind unter anderem der Brachvogel und die Feldlerche im Rückgang – generell seien Bodenbrüter eher gefährdet als Baumbrüter, sagt der Umweltschutzbeauftragte. Die Mühe lohnt sich: Auf einer Biotopfläche an der Gemarkungsgrenze zu Unzhurst wanderte die sogenannte Sumpfquendel ein – die Pflanze wurde dort zum ersten Mal überhaupt auf Acherner Gemarkung entdeckt. Ein kritisches Gebiet sei dagegen zum Beispiel der Bereich um den Achernsee, wo es wenige und eher kleine Biotope gibt. Diese sollen durch Wassergräben und pestizidfreie landwirtschaftliche Flächen miteinander verbunden werden, damit die Arten wandern können.

Insektenfreundliche Gärten helfen

Aber nicht nur gesetzlich geschützte Flächen können dem Artenschutz dienen, sondern jede Privatperson kann helfen: „Wer einen Garten hat, könnte weniger mähen und insektenfreundliche Blühwiesen anlegen“, sagt Carlo Frohnapfel. Günstig seien Pflanzen, die vielen Tierarten nützen, dazu zählen Schlehen und Weißdorn. „Das ist für den Einzelnen nicht viel Aufwand, hat aber in der Summe eine gewaltige Wirkung.“

Tag des Artenschutzes
Der weltweite Tag des Artenschutzes geht auf den 3. März 1973 zurück, an dem das Artenschutzübereinkommen von Washington („CITES“) unterzeichnet wurde. Dabei ging es vor allem um Wilderei in Afrika, die Jagd nach Elfenbein und damit den Rückgang von afrikanischen Elefanten. Das teilt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit. An diesem Aktionstag wird auf den Schutzbedarf bedrohter Tiere und Pflanzen hingewiesen. In Deutschland wurde unter anderem 2015 die „Naturschutz-Offensive 2020“ vorgestellt, aus der hervorgeht wo der Einsatz für die biologische Vielfalt am dringlichsten ist.