Niedrige grüne Zäune im hinteren Bereich des Glashüttenareals sollen dafür sorgen, dass die hier lebenden Mauereidechsen auf dem Gelände bleiben. Man richtet ihnen Ersatzquartiere ein, bevor in diesem Bereich der Boden saniert wird. | Foto: Michaela Gabriel

Glashüttenareal in Achern

Artenschutzmaßnahmen für Eidechsen und Fledermäuse

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Von Michaela Gabriel
Zweimal umziehen müssen die streng geschützten Mauereidechsen, die auf dem Gelände der ehemaligen Acherner Glashütte in der Nähe des einstigen Betriebsgleises gelebt haben. Aktuell wurde ihr Lebensraum dort mit langen Reptilienzäunen eingegrenzt, denn auch in ihrer Nähe muss die Karl-Gruppe den Boden sanieren. Gemeinsam mit der Stadt Achern setze man außerdem für Vögel und Fledermäuse Artenschutzmaßnahmen um, heißt es in einer Pressemitteilung, die die Karl-Gruppe jetzt auf Anfrage übermittelte.

„Notunterkunft“ als Besonderheit

Endgültig ansiedeln sollen sich die Mauereidechsen der Glashütte später an dem geplanten Lärmschutzwall mit aufgesetzter Lärmschutzwand, die das neue Stadtquartier von den Gleisen der SWEG trennen wird. Das erklärt Projektleiter Stefan Gigl von der Karl-Gruppe auf Anfrage. Es sei eine Besonderheit in Achern, dass man zunächst ein Zwischenhabitat – eine Art Notunterkunft – für die Reptilien schaffe. Durch die aktuell aufgestellten grünen Kunststofffolien wird ihr ursprünglicher Raum auf dem Gelände begrenzt. Man wolle damit auch erreichen, dass die Tiere bleiben. Denn in ihrer Nähe stünden auf Teilflächen Bodensanierungsarbeiten an.

Genehmigung vom Landratsamt

Noch staubt und lärmt es in einiger Entfernung zu den Gebieten nahe der neuen Bundesstraße 3, wo die Mauereidechsen ihr Revier haben. Von einem für Artenschutz-Maßnahmen qualifizierten Büro werde man den Tieren Ersatzquartiere einrichten lassen, bevor die schweren Bagger näher rücken. In der vergangenen Woche sei dazu die Genehmigung vom Landratsamt des Ortenaukreises erteilt worden.

Künstliche Nisthöhlen

Auf den künftigen Baufeldern, wo später definitiv kein Lebensraum mehr für die bedrohten Tiere sein wird, werde man noch Folien auslegen, teilt die Karl-Gruppe mit. Sie sollen bewirken, dass die Eidechsen sich zu den bereitgestellten Ersatz-Lebensräumen bewegen. Wahrscheinlich bereits wegbewegt haben sich andere Arten, die ein Gutachten auf dem Glashütten-Gelände nachgewiesen hat. Dabei handelte es sich um Bachstelzen und Kohlmeisen, Amseln und Kolkraben. Sie haben durch die Abrissarbeiten ihre angestammten Brutreviere verloren. „Für diese Arten werden in den kommenden Tagen an benachbarten Gebäuden und Bäumen künstliche Nisthöhlen aufgehängt“, kündigt die Karl-Gruppe an.

Fledermausbretter an öffentlichen Gebäuden

Bereits vollzogen ist die Einrichtung von Ausweichquartieren für Fledermäuse, die in Nischen und Spalten der Glashütten-Gebäude ihre Quartiere hatten, heißt es weiter. In Zusammenarbeit mit der Stadt Achern habe man Standorte für 20 sogenannte Fledermausbretter an öffentlichen Gebäuden festgelegt. Sie sollen möglichst von Zwergfledermäusen, Rauhaut- und Weißrandfledermäusen sowie der Kleinen Bartfledermaus angenommen werden. Sollen die Fledermäuse Bewohner der Kernstadt bleiben wollen, finden sie ihre Ersatzwohnungen an Außenwänden des Feuerwehrgebäudes, an der Achertalschule und der Gemeinschaftsschule. Ob es ihnen, umgeben von Kinderlärm oder dem Aufheulen von Sirenen, gefallen wird, muss sich noch herausstellen. Größere Einflugöffnungen zu den spaltenartig gebauten flachen Kästen aus unbehandeltem Lärchenholz sollen auch größeren Arten wie Abendseglern und Breitflügelfledermäusen eine Einladung sein, in der Stadt zu bleiben.