Ein Beispiel für Achern? An einigen Stellen in Kehl gehören Messsäulen bereits zum Straßenbild. | Foto: Stadt Kehl

Verkehrskontrollen

Verkehrssünder haben der Stadt Achern 2019 rund 444.000 Euro eingebracht

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Die Lust der Autofahrer am Tempo beschert der Stadt Achern jährlich Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Im vergangenen Jahr summierten sich die Einnahmen aus den insgesamt rund 13.600 Ordnungswidrigkeiten auf knapp 444.000 Euro. Oberbürgermeister Muttach wehrt sich gegen den Vorwurf der „Abzocke“.

444.000 Euro – so viel Geld haben die Raser der Stadt Achern im vergangenen Jahr an Einnahmen beschert. Weil die „Kunden“ nicht zahlten oder rechtlich gegen die Sanktionierung vorgingen, seien bis dato freilich nur knapp 360.000 Euro auf den Konten der Stadt eingegangen, sagt Hans Heizmann, innerhalb des  Fachgebiets „Sicherheit und Ordnung“ zuständig für die Bereiche Bußgeld und Verkehr.

60 Messtage pro Jahr

Wie der Blick in die Statistik zeigt, gehen 6.728 Fälle auf eigene Tempomessungen zurück, weitere 2.199 Ordnungswidrigkeiten wurden der Stadt über die Polizei gemeldet. Zusammen mit den Messungen der Polizei kommt Achern auf rund 60 Messtage pro Jahr. Das ist auch der Wert, den der Gemeinderat für richtig erachtet.

Strenges Limit kostete viele Führerscheine

Für eine Besonderheit sorgte im vergangenen Jahr ein strenges Tempolimit auf dem Autobahnzubringer (Landesstraße 87).Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Fautenbacher Straße galt eine Umleitung, die auf freier Strecke in den Zubringer mündete.

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Um die auf diese Weise entstandene Gefahrenstelle zu entschärfen, hatte die Stadt das zulässige Höchsttempo auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert. Das nahmen zahlreiche Autofahrer nicht mit dem nötigen Ernst zur Kenntnis – was nicht nur zum vorübergehenden Verlust von rund zwei Dutzend Führerscheinen führte, sondern der Stadt auch erhöhte Einnahmen bescherte.

Gehwegparker im Visier

Doch nicht nur der fließende Verkehr wird auf die Einhaltung der jeweils gelten Bestimmungen kontrolliert: Das Auge der Acherner Gesetzeshüter ruht auch auf dem ruhenden Verkehr. Auf Hans Heizmanns Schreibtisch landeten im vergangenen Jahr mehr als 4.000 Fälle von Parkverstößen.

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Gehwegparkern galt und gilt eine verstärkte Aufmerksamkeit, ebenso geraten Falschparker auf dem Wohnmobilparkplatz am Freibad sowie Badegäste am Achernsee in den Fokus der Stadtpolizisten. Die jeweiligen Knöllchen brachten der Stadt im vergangenen Jahr Einnahmen von rund 60.000 Euro – mit steigender Tendenz, weil der Gesetzgeber die Bußgelder für derartige Verkehrsverstöße deutlich nach oben korrigiert hat.

Im Interesse der schwächeren Verkehrsteilnehmer nimmt die Stadt Achern Gehwegparker besonders ins Visier. | Foto: Michael Moos

Kontrollen im Interesse der schwächeren Verkehrsteilnehmer

Dass manche Fahrer da uneinsichtig sind, das weiß auch Hans Heizmann. „Das gilt vor allem für Gehwegparker“, erklärt er und weist darauf hin, dass man hier kein Pardon kennt: „Wir wollen durchsetzen, dass die Gehwege für die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Rollstuhlfahrer oder Rad fahrende Kinder frei bleiben.“

„Keine Abzocke“

Den Verdacht, dass die Stadt Achern mit ihren Kontrollen Verkehrssünder „abzockt“, verweisen Oberbürgermeister Klaus Muttach und Hans Heizmann ins Reich der Fabel. Zum einen werde ausschließlich an Unfallschwerpunkten sowie vor Schulen und Kindergärten kontrolliert, zum anderen sei es einfach falsch, wenn behauptet werde, Kontrollen würden vor allem wegen der zu erwartenden Einnahmen angesetzt: „Uns geht es ausschließlich um die Sicherheit.“ Der nach Abzug der entstehenden Kosten – vor allem für das Personal – verbleibende Rest der Einnahmen liege bei jährlich rund 25.000 Euro und sei deshalb nicht geeignet zur Finanzierung des städtischen Haushalts.

Vorerst keine Blitzersäulen geplant

Bleibt die Frage nach der Installation fester Blitzer: Dafür in Betracht kämen nach dem Lärmgutachten die Ortsdurchfahrten von Fautenbach, Mösbach und Önsbach. Würde man hier jeweils zwei Säulen aufstellen, ginge es um insgesamt sechs Messstellen.

Für jede „leere“ Säule müsste die Stadt 30.000 Euro investieren, dazu kommt ein Messgerät für rund 50.000 Euro. Dieses wird zwischen den verschiedenen Standort „durchgewechselt“, so dass der Autofahrer nicht weiß, welche Säule gerade „scharf gestellt“ ist. Grundsätzlich sieht Oberbürgermeister Klaus Muttach die mögliche Anschaffung von Blitzersäulen eher zurückhaltend: „Ich habe Zweifel, ob damit eine Temporeduzierung in der gesamten Ortsdurchfahrt möglich ist.“