Bis zu 600 000 Menschen besuchen den Nationalpark jährlich. Wie viele es im Winter sind, das wollten auch Nina Schütz (links) und Madeleine Maier am Seibelseckle wissen. Gegen die Kälte hatten sie sich gewappnet. | Foto: Hannes Kuhnert

Zählung im Nationalpark

80 Freiwillige auf den Spuren der Besucherströme

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Es sollte ein Sonntag mit „Winternutzung“ sein, an dem Besucher im Schutzgebiet des Nationalparks Schwarzwald gezählt werden. Der 20. Januar  war ein solcher mit wahrlicher Übernutzung. Starker Verkehr und Autoschlangen vor Loipen und Liften an der Schwarzwaldhochstraße, tumultartige Zustände auf den Parkplätzen. Spaziergänger, Wanderer, Schneeschuhläufer, Skifahrer und Rodler in einem bunten Durcheinander „nutzten“ den ersten richtigen Wintersportsonntag weidlich.

Der Andrang war gewaltig

Dieser Andrang konnte vorab nicht eingeplant werden, werde letztlich die tatsächlichen Besucherzahlen auch nicht verfälschen, versichert Dominik Rüede, zuständig für das Besuchermonitoring im Nationalpark. Der gesamte Park sei schließlich mehr als die Schwarzwaldhochstraße. Die Nationalparkverwaltung hatte sich mit der Universität Heidelberg auf ein „Pilotjahr“ zwischen Sommer 2018 und Sommer 2019 eingelassen, um Besucher und Besucherströme im Nationalpark zu zählen und zu deuten. Bereits im Oktober 2018 hatte eine Zählung stattgefunden, jetzt galt es, die Besucherzahlen im Winter zu ermitteln.

80 Helfer im Einsatz

Beauftragt wurde damit der Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald, der 80 Helferinnen und Helfer für die rund 35 Zählpunkte stellte, am Sonntag gingen die Zähler zwischen 10 und 16 Uhr im Gelände ans Werk, ausgerüstet mit Erhebungsbogen für jede Stunde, mit einem Erläuterungsblatt und – wenn erwünscht – mit Wärmepads sowie Schneeschuhen. Sie hatten sich vorab im ehemaligen Hotel „Adler“ in Seebach zu einer etwa einstündigen Einweisung getroffen.

Komplizierte Aufgabe: Dominik Rüede leitete die Besucherzählung am Sonntag im Nationalpark. | Foto: Kuhnert

„Ich hatte geglaubt, es reicht, einfach Striche zu machen“, sagt Volker Ihle, Professor an der Dualen Universität aus Karlsruhe, am Zählpunkt Lotharpfad. Dem war nicht so. An der Wegkreuzung galt es, die Besucher in sechs unterschiedlichen Varianten zu zählen. Wenden sie sich nach rechts oder nach links, kommen oder gehen sie, Einzeln oder in Gruppen und so weiter.

An Kreuzungen wird es kompliziert

Das war noch überschaubar. Andere Zählpunkte mit Kreuzungen hatten bis zu 20 Varianten und mehr zu überblicken. Allein am Seibelseckle waren drei verschiedenen Punkte an Wegen zu besetzen. An einem kauerten sich, warm eingemummelt, Madeleine Maier und Nina Schütz, zwei Studentinnen aus Freiburg, mit dem Erhebungsbogen am Wegesrand, klapperten mit den Zähnen, verloren aber ihre gute Laune nicht.
Dominik Rüede geht nach den bisherigen Erhebungen davon aus, dass im Jahr 450 000 bis 600 000 Menschen den Nationalpark besuchen. Die neuen Zahlen sollen Hinweise über die Verteilung der Gäste im Nationalpark geben und helfen, künftig besser abzuschätzen, wie viele Besucherinnen und Besucher pro Jahr den Nationalpark aufsuchen.

Welche Wege werden genutzt?

Dazu liefern bereits seit geraumer Zeit 15 fest installierte Zählschranken innerhalb des Parks Zahlen über den täglichen Besuch. Die bei der aktuellen Zählung erhobenen Daten werden später mit denen der Zählschranken abgeglichen und ins Verhältnis gesetzt. Dies soll auch Standards für künftige Erhebungen liefern. „Außerdem möchten wir gerne herausfinden, auf welchen Wegen die Gäste das Schutzgebiet in dieser Jahreszeit erkunden – und ob sie eher zu Fuß oder auf Skiern unterwegs sind“, so Rüede. Dabei wurden die Abfahrtsskifahrer an den Hängen und Liften, die nicht zum Nationalpark gehören, nicht mitgezählt.

Hannes Kuhnert