Koch Möbel Achern
Ein grpßzügiger Arkadengang prägt das Möbelhaus Koch in der Hauptstraße. Nach dem Verkauf endet hier Ende März 2019 eine mehr als 175-jährige Tradition. | Foto: privat

Möbel-Koch in Achern

Aus für Möbelhaus mit 175-jähriger Tradition

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Es ist keine gute Nachricht für die „Möbelstadt“ Achern: Das Unternehmen Möbel-Koch schließt zum 1. April 2019 seine Pforten. In der Hauptstraße endet damit eine mehr als 175-jährige Tradition. Das Gebäude hat die Familie Koch an einen Acherner Investor verkauft, die notarielle Beurkundung ist bereits erfolgt. Als Grund für die Schließung nennen Elke und Andreas Koch die „allgemeine wirtschaftliche Lage“.

Das Traditionsunternehmen, dessen Geschichte im Jahr 1842 begann, ist vor allem für seine hochwertige Möbelkollektion bekannt. Das jedoch ist genau das Problem: „Qualität ist offenbar nicht mehr gefragt“, mussten Elke und Andreas Koch feststellen. Tatsächlich wird in der Möbelbranche mit harten Bandagen gekämpft. Von den Inhabern geführte kleinere Geschäfte, noch dazu in den Innenstädten, kämpfen mit den vielerorts auf der grünen Wiese entstandenen Häusern. Schweren Herzens entschloss sich das Ehepaar Koch,  die Immobilie zu veräußern. Der Räumungsverkauf beginnt am 22. November.

Investor plant Vermietung des Gebäudes

Völlig offen ist unterdessen die Zukunft der Immobilie selbst. An der Hauptstraße ist das Gebäude geprägt von einem großzügigen Arkadengang, in dem Fußgänger, geschützt vom Verkehr auf der viel befahrenen Verkehrsader, bummeln können. Mehr als 900 Quadratmeter Einzelhandels- und Ausstellungsfläche stehen in zwei Gebäuden zur Verfügung. Der Investor will das Gebäude nach Informationen des „Acher- und Bühler Boten“ zunächst auf dem freien Markt zur Vermietung anbieten. „Es soll stehen bleiben“, sagte er auf Anfrage. Als Alternative will er allerdings auch einen Abriss mit anschließendem Neubau nicht ausschließen.


Möbel-Koch:

Die Geschichte von Möbel Koch begann im Jahre 1842, als der Sattlermeister Josef Vogt das Stammhaus an der Hauptstraße gründete. 1863 verkaufte die Witwe Vogt das Anwesen an Max Schlick, die Firma wurde 1905 um einen Möbelverkauf erweitert. Clara, die jüngste Tochter des Firmeninhabers, heiratete den aus Gamshurst stammenden Sattlermeister Josef Koch. Dieser begab sich vor dem Ersten Weltkrieg als Sattlergeselle auf Wanderschaft, arbeitete in einer Firma in Essen und lernte hier die Fertigung von Pferde-Geschirren, während er in Coburg den Karosseriebau kennenlernte. Pferde und Automobile wurden dann zu seiner großen Leidenschaft. Doch der Krieg machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Koch Möbel Achern
In reiner Handarbeit wurden einst die Möbel der Firma Koch gefertigt. Im Bild das
Personal mit Josef Koch (Fünfter von links).
| Foto: Archiv Roland Spether

Da er mit Pferden vertraut war, wurde Josef Koch zu den Ulanen eingezogen, musste den Russland- und Frankreich-Feldzug mitmachen und wurde zweimal schwer verwundet. 1922 absolvierte er die Meisterprüfung als Sattler und Tapezierer. Max Schlick und Josef Koch fertigten Zaumzeug in der Sattlerwerkstatt. Das Pferd prägte das Bild in der Stadt. Da waren Riemen, Trensen und Zügel gefragt, hinzu kam, dass Achern eine sportliche Hochburg für Ross und Reiter war und Pferderennen auf der Rennwiese stattfanden. Doch die Motorisierung hielt ihren Einzug, und es waren andere Produkte als Zaumzeug gefragt. So beteiligte sich das Unternehmen an der Fahrzeugfertigung: Die Brüder Hatz lieferten die Fahrgestelle, darauf baute Anton Baumhauer die Karosserien, während Josef Koch für die Polsterung zuständig war.

Möbel-Koch bei Bombenangriff getroffen

Wie manches Anwesen in der Innenstadt, so wurde beim Bombenangriff am 7. Januar 1945 auch das Haus Koch schwer getroffen, doch es ging weiter. 1952 wurde die Werkstatt abgerissen und die Möbelausstellung neu gebaut. Nach dem Tod von Josef und Clara Koch übernahmen Max und Helga Koch das Geschäft, 1997 wurde dieses an die nächste Generation mit Andreas und Elke Koch weitergegeben. Vorderhaus und Erdgeschoss wurden 1999 für noch mehr Ausstellungsfläche umgebaut. Im Oktober 2015 stieg Sohn Jonas Koch nach einer Schreinerlehre und dem Studium an der Fachschule des Möbelhandels mit dem Abschluss Staatlich geprüfter Einrichtungsfachberater in den Betrieb ein.

Von Roland Spether