Fahrzeug der Zukunft: Zahlreiche Journalisten waren bei den Probefahrten dabei. Hier steigt ein Kameramann am Busbahnhof in Kehl aus dem autonomen Taxi. | Foto: ABB

Autonomes Fahren

Von Geisterhand über die Kehler Europabrücke

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Früher Science-Fiction, heute Realität: Autonome Fahrzeuge, die ohne Fahrer auskommen, sind auf dem Vormarsch. Auch auf der Strecke zwischen Straßburg und Kehl wird jetzt zum ersten Mal ein selbstfahrendes Auto im Verkehr getestet. Bis einschließlich diesen Mittwoch fährt das Roboter-Taxi noch zwischen dem Kehler Busbahnhof und dem französischen Teil des Gartens der zwei Ufer hin und her.

Steuerung per Smartphone

Wie von Geisterhand gesteuert bewegt sich das Lenkrad des weißen Fahrzeugs nach links und nach rechts. Der Fahrersitz: leer. Auf dem Beifahrersitz sitzt Anne-Charlotte Nicoud vom französischen Institut Vedecom und hält ein Smartphone in der Hand. Auf einer Landkarte auf dem Bildschirm sieht sie, wie sich das Auto langsam auf der B 28 in Richtung Frankreich bewegt.

360-Kamera sammelt Informationen aus Umfeld

Anhand von GPS-Daten kann der elektrobetriebene Wagen, den das Institut Vedecom entwickelte, die 2,4 Kilometer lange Strecke zwischen Straßburg und Kehl komplett ohne Fahrer zurücklegen. Die Daten wurden vorher bei mehreren Testläufen gesammelt und in der Auto-Software gespeichert. Sensoren, welche die Geschwindigkeit und den Abstand messen, helfen dem Fahrzeug zusätzlich, sich im Straßenverkehr zu bewegen. Außerdem füttert eine auf dem Dach befestigte 360-Grad-Kamera das Roboter-Taxi mit Informationen aus seinem unmittelbaren Umfeld.

Gas- und Bremspedale zur Sicherheit

Ganz ohne den Menschen kommt der Prototyp von Vedecom aber doch noch nicht aus: Aus versicherungstechnischen Gründen muss bei den Probefahrten immer eine erfahrene Person dabei sein, die eingreifen kann, wenn etwas schief läuft. Zu diesem Zweck verfügt das Roboter-Taxi über Gas- und Bremspedale im Fußraum auf der Beifahrerseite, welche im Notfall betätigt werden können. Außerdem wird es von zwei Fahrzeugen eskortiert, beide fahren mit Warnblinker, eines vor und eines hinter dem autonomen Fahrzeug.

Zusätzliche Kameras an schwierigen Stellen installiert

An schwierigen Stellen mit schlechten Sichtverhältnissen, wie etwa am östlichsten Turn auf der B 28, hat Vedecom zusätzliche Kameras installiert, die jede Bewegung im Umkreis von 200 Metern aufzeichnen. Das komplette Bildmaterial wird im Live-Stream von einem Mitarbeiter des Instituts gesichtet, der auf dem Straßburger Messegelände sitzt und dem Auto je nach Verkehrslage grünes Licht für die Weiterfahrt gibt.

Kongress für intelligente Transportsysteme in Straßburg

Vorgestellt wird das Roboter-Taxi innerhalb des ITS European Congress für intelligente Transportsysteme, der bis diesen Donnerstag in Straßburg abgehalten wird. Vedecom hat es bereits in anderen Städten wie Bordeaux und Versailles getestet – dort durfte es allerdings nicht auf öffentlichen Straßen fahren, sondern nur in eigens dafür vorgesehenen Zonen.

Regierungspräsidium fordert zulassungsrechtliche Erlaubnis

Für die grenzübergreifende Fahrt benötigte das Institut Vedecom mehrere Genehmigungen von französischer und deutscher Seite. Damit das Auto die rund 1000 Meter auf deutscher Seite zurücklegen durfte, war neben einem TÜV-Gutachten auch eine zulassungsrechtliche Erlaubnis vom Regierungspräsidium Freiburg erforderlich. Diese wurde für den beschränkten Zeitraum des ITS-Kongresses ausgestellt und galt ausschließlich auf der für die Probefahrt vorbestimmten Strecke. Auch der Bereich Verkehrswesen der Stadtverwaltung Kehl wurde angehört.

Straßburger OB testet Roboter-Taxi

Mitfahren dürfen im Roboter-Taxi nur Politiker, Journalisten und Besucher des ITS-Kongresses in Straßburg: Zu den Fahrgästen zählte Straßburgs Oberbürgermeister Roland Ries.