Ein Auto aus Acherner Produktion: Die Brüder Hatz lieferten die Fahrgestelle, darauf baute Anton Baumhauer die Karosserien, während Josef Koch für die Polsterung zuständig war. | Foto: Archiv Koch

175 Jahre Möbel-Koch

Pioniere der Auto-Produktion in Achern

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Von Roland Spether

„Koch Cabriolet 1932, Achtzylinder-Motor, selbsttragende Karosserie, echte Lederbezüge“. So hätte eine Werbung für ein sportliches Fahrzeug des Acherner Automobil-Herstellers Koch-Baumhauer-Hatz klingen können, wäre das Erfolgsmodell so richtig ins Rollen gekommen – und damit auch ein Geschäftszweig des mittlerweile 175 Jahre alten Traditionsunternehmens Möbel Koch. Denn neben den Pferden gehörte die zweite große Leidenschaft von Josef Koch dem Automobil, und mit Anton Baumhauer in der Rosenstraße fand er einen Partner, der Fahrzeuge in Sonderanfertigung baute. Die Brüder Hatz lieferten die Fahrgestelle, darauf baute Anton Baumhauer die Karosserien, während Josef Koch dafür sorgte, dass das Ganze schön gepolstert war.

„Fußboden mit  Linoleum belegt“

Das Polstern der Autos war reine Handarbeit, die handgeschnürten Sitzpolster wurden mit Zylinder-Kegelfedern versehen, während die Verwendung von echtem Leder für die Bezüge Ehrensache war. Ob Fahrzeuge für die Feuerwehr oder Busunternehmen, für Brauereien oder Luxuskarossen für Betuchte aus Baden-Baden gebaut wurden – in Achern gab es in den 20er und 30er Jahren eine kleine Autoindustrie. „Dach mit Federleinwand bespannt, Ecken mit Rosshaarpolster versehen, an den Türen Windfänge angebracht und Fußboden mit 3,3 Millimeter dicken Linoleum belegt“, so der Auszug aus einer Rechnung, die Josef Koch am 31. Dezember 1932 der Stadt Achern für einen Sanitätswagen inklusive der Sattler- und Polsterarbeiten stellte. Das Geschäft florierte.

Älteste Rechnung stammt von 1849

Die älteste Rechnung des Unternehmens reicht allerdings noch viel weiter in die vor-motorisierte Zeit zurück, wurde vom Stadtarchiv entdeckt und stammt aus dem Jahr 1849. Die Rechnung lautete auf zwei Gulden und 18 Kreuzer und betraf Arbeiten an der „Feuerspritz“, der Joseph Vogt zwei neue „Pumpenstifel“ verpasste und zwei neue „Schlaufen in Schnalen eingestochen“ hat. Besagte „Feuerspritz“ wurde von Pferden zu Einsätzen kutschiert und mit solchen „PS“ auf vier Beinen ging es noch lange voran, so manches „Ross“ bekam sein Zaumzeug im Hause Koch angepasst.

Stammhaus 1842 gegründet

Die Geschichte von Möbel Koch begann im Jahre 1842, als der Sattlermeister Josef Vogt das Stammhaus an der Hauptstraße gründete. 1863 verkaufte die Witwe Vogt das Anwesen an Max Schlick, die Firma wurde 1905 um einen Möbelverkauf erweitert. Clara, die jüngste Tochter des Firmeninhabers, heiratete den aus Gamshurst stammenden Sattlermeister Josef Koch. Dieser begab sich vor dem Ersten Weltkrieg als Sattlergeselle auf Wanderschaft, arbeitete in einer Firma in Essen und lernte hier die Fertigung von Pferde-Geschirren, während er in Coburg den Karosserie-Bau kennen lernte. Pferde und Automobile wurden dann zu seiner großen Leidenschaft.

Sattler einst sehr gefragt

Doch der Krieg machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Da er mit Pferden vertraut war, wurde Josef Koch zu den Ulanen eingezogen, musste den Russland- und Frankreich-Feldzug mitmachen und wurde zweimal schwer verwundet. Im Jahre 1922 absolvierte er die Meisterprüfung als Sattler und Tapezierer. Von Max Schlick und Josef Koch wurden Zaumzeug in der Sattlerwerkstatt gefertigt, denn das Pferd prägte das Bild in der Stad. Da waren Riemen, Trensen und Zügel gefragt, hinzu kam, dass Achern eine sportliche Hochburg für Ross und Reiter war und Pferderennen auf der Rennwiese stattfanden. Doch die Motorisierung hielt ihren Einzug, und es waren andere Produkte als Zaumzeug gefragt.
Wie manches Anwesen in der Innenstadt, so wurde beim Bombenangriff am 7. Januar 1945 auch das Haus Koch schwer getroffen, doch es ging weiter. 1952 wurde die Werkstatt abgerissen und die Möbelausstellung neu gebaut.

Weg in die Zukunft gesichert

Nach dem Tod von Josef und Clara Koch übernahmen Max und Helga Koch das Geschäft, 1997 wurde dieses an die nächste Generation mit Andreas und Elke Koch weiter gegeben. Vorderhaus und Erdgeschoss wurden 1999 für noch mehr Ausstellungsfläche umgebaut. Im Oktober 2015 stieg Sohn Jonas Koch nach einer Schreinerlehre und dem Studium an der Fachschule des Möbelhandels mit dem Abschluss Staatlich geprüfter Einrichtungsfachberater in den Betrieb ein, so dass der Weg des Familienunternehmens in die Zukunft gesichert ist.