Internet barrierefrei
Ein digitales Hilfsmittel ist die Braillezeile, mit deren Hilfe Blinde am Computer lesen können. | Foto: Franziska Kraufmann

Achern und Umland

Barrierefreie Websites: Hürden im Netz sollen kleiner werden

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Barrierefreiheit für Innenstädte, Gebäude, Einrichtungen wird häufig diskutiert – die digitale Welt hinkt hier teilweise hinterher: Auch im Internet können Menschen mit Behinderung, bestimmten Einschränkungen oder ältere Menschen auf Barrieren stoßen. Damit der Zugang zu den Internetauftritten von öffentlichen Stellen möglichst leicht wird, gibt es eine EU-Richtlinie (siehe Hintergrund). Nicht überall in der Region ist diese schon umgesetzt, einige Gemeinde arbeiten noch daran.

„Die Stadt Achern setzt mit einem innovativen Navigationskonzept neue Maßstäbe in Sachen Benutzerführung auf kommunalen Websites“, sagt beispielsweise Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach. Fünf Hauptnavigationspunkte sollen helfen, den Überblick bei den rund 200 „Unter-Seiten“ der städtischen Website zu behalten. Auf jeder dieser Seiten ist wiederum eine Suchfunktion platziert. Die Website wird im sogenannten „Responsive Web-Design“ dargestellt, was bedeutet, dass sich ihre Größe und Auflösung an das jeweils genutzte Endgerät (PC, Smartphone, Tablet) anpassen.

Großteil ist schon barrierefrei

Seit der städtische Internetauftritt – und der der Stadtteile – mit einem „Relaunch“ 2015 zuletzt neu aufgesetzt wurde, sei er so aufgebaut, dass auch sehbeeinträchtigte und blinde Menschen ihn lesen können. Betroffene können spezielle Hilfsmittel nutzen, die die Informationen auf dem Bildschirm zum Beispiel in Blindenschrift und in vergrößerte Zeichen „übersetzten“; außerdem können entsprechende Programme die Homepage vorlesen.

Wichtig sind Schriftgröße und Kontrast

Auch die Homepage der Stadt Renchen ist seit ihrem jüngsten Relaunch vor sechs Jahren barrierefrei. So lasse sich hier die Schriftgröße an die persönlichen Bedürfnisse anpassen, während ein hoher Kontrast dafür sorgen soll, dass Texte gut lesbar sind. „Durch die leichte Bedienbarkeit wollen wir unseren Internetauftritt gleichzeitig attraktiv und einfach gestalten“, erklärt Michael Misch von der städtischen EDV. „Entsprechend versuchen wir, kleine Schaltflächen zu vermeiden.“ Dadurch sei die Homepage auch für die mobile Nutzung gut zugänglich.

Auch „leichte Sprache“ ist ein Thema

Seit dem vergangenen Jahr ist auch Kappelrodecks Internetpräsenz barrierefrei. Beispielsweise können auch hier Blinde und Sehbehinderte die Seiten mit Hilfsmitteln in „synthetische Sprache“, Blindenschrift und vergrößerte Zeichen umsetzen lassen. Zudem lässt sich die Schrift vergrößern (Tastenkürzel strg und +), entsprechende Kontraste sollen das Lesen auch farbfehlsichtigen oder älteren Menschen erleichtern. „Darüber hinaus erwägen wir, auch das Thema ,leichte Sprache’ in der Verwaltung anzugehen, was die Homepage inkludieren würde“, so Bürgermeister Stefan Hattenbach.

Internet barrierefrei
Ältere Menschen und Personen mit Behinderungen und Einschränkungen sollen von der EU-Richtlinie profitieren. | Foto: Patrick Pleul

In der Umsetzungsphase befindet man sich derweil bei der Stadt Rheinau. Abgeschlossen seien die Arbeiten nach der europäischen Norm noch nicht, die wichtigsten Stellschrauben aber gerichtet, heißt es aus dem Rheinauer Rathaus. So ist die Homepage auch für sogenannte Screenreader und für Tastaturen (also auch ohne Maus) bedienbar und kann von verschiedenen Endgeräten aus aufgerufen werden. Zudem werden externe Links und Downloads als solche ausgewiesen, mit sogenannten Sprungmarken können Inhalte übersprungen werden, darüber hinaus sind Schriftgrößen veränderbar und Kontraste hoch.

Weg zu Formularen soll einfach sein

„Teil-barrierefrei“ ist auch der Internetauftritt der Gemeinde Sasbachwalden, die beim jüngsten Relaunch 2015 ebenfalls Wert auf eine gut lesbare Schriftgröße, deutliche Kontraste und eine leicht verständliche Sprache gelegt hat. Auch hier sind die Navigationsleisten immer sichtbar und die Nutzung mit verschiedenen Endgeräten möglich. Schrittweise sollen weitere Bausteine umgesetzt werden; wünschenswert sei etwa, dass anstelle eines Fotos für Blinde der Bildinhalt wiedergegeben wird.

Umsetzung bis September 2020

Das hat auch die Gemeinde Lauf vor, die ihre Homepage in diesem Jahr überarbeiten will. „Wir wollen in den nächsten Monaten damit starten“, sagt Bürgermeister Oliver Rastetter. Auch hier sieht man vor allem eine vereinfachte Bedienoberfläche und entsprechende Schriftgrößen als wichtige Baustellen an. „Man soll einfach zu den einzelnen Seiten und zu Formularen finden.“

EU-Richtlinie:
Das Europäische Parlament gibt eine Richtlinie über die Barrierefreiheit von Internetangeboten öffentlicher Stellen vor – also vor allem von Bund, Ländern und Gemeinden. Deren Websites, die nach dem 23. September 2018 veröffentlicht werden, müssen spätestens ein Jahr später den Anforderungen der Richtlinie genügen, bereits bestehende Seiten bis zum 23. September 2020, teilt die Bundesfachstelle Barrierefreiheit mit. Mobile Anwendungen haben noch ein Jahr länger bis 2021 Zeit. Nutzer sind hier Seh- und Hörbehinderte, Menschen mit motorischen oder kognitiven Einschränkungen, mit wenig Erfahrung in der Nutzung von Internetseiten oder mit geringen Deutschkenntnissen.
Barrierefreiheit bedeutet, dass digitale Angebote für diese Personen „ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar“ sein müssen, heißt es im Gesetzestext. Die Inhalte müssen wahrnehmbar sein (zum Beispiel Text als Alternative zu Bildern, Untertitel), sie müssen bedienbar sein (Navigationshilfen, mit der Tastatur nutzbar), außerdem verständlich und robust (mit jedem Endgerät und verschiedenen Browsern nutzbar). Die Richtlinie trat am 23. September 2018 in Kraft. In Deutschland galt zuvor bereits die „Barrierefreie Informationstechnikverordnung des Bundes“ (BITV) für Dienststellen und Einrichtungen der Landesverwaltung; nun sind auch Kommunen in der Pflicht.