IN VILLEN-GEGENDEN – hier Hamburg-Blankenese – kennen sich die Spezialisten der Acherner Firma Securiton mit ihren Personenschutzkonzepten aus. Enorm wachsen sie auch mit ihren Unternehmenskunden. | Foto: dpa

Firma mit Ambitionen

Bei Securiton in Achern gilt: Sicherheit zuerst

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Gerd Kupferer nennt seine Kunden „Vermögensinhaber“. Wenn er mit seinen Kollegen über sie spricht, benutzen sie nur Buchstaben- und Zahlencodes – keine Klarnamen. Die Klienten sind reich, sehr reich. Es sind Multimillionäre und Milliardäre, die in Villenvierteln wie München-Bogenhausen, Köln-Hahnwald oder Hamburg-Blankenese wohnen und Ferienhäuser auf Mallorca oder sonst wo im Süden haben. Der Badener Kupferer kennt die Immobilien. Er ist Chef des Geschäftsbereichs Premium Private der Acherner Securiton GmbH, die in Deutschland 16 Niederlassungen hat.

Bei Premium Private gehe es um Personenschutzkonzepte. „Sachwerte rücken wir in die zweite Reihe“, sagt Kupferer. Die ist sozusagen inkludiert. Mit Hightech werden der Zaun an der Grundstücksgrenze gesichert, die Gebäudeaußenhaut und der Rückzugsbereich in den Villen. So wie Kupferer selbstverständlich keine Namen von Kunden nennt, geht er auch nicht auf die technischen Details ein. Nur so viel: Wer meint, der Klient müsste am Zauntor einen Zahlencode eingeben oder sein Auge an einen Sensor halten, damit er zu seiner Villa weiter fahren kann, der irrt. „Es wäre ein Sicherheitsrisiko, wenn er anhalten müsste.“ Es sind technische Finessen, die Kupferer kennt und bei seinen über 50 Kunden einsetzt.

Securiton schützt auch Millionäre und Milliardäre

Premium Private wachse vor allem in Süddeutschland. Die potenzielle Kundschaft sei sensibler und schätze Sicherheit aus einer Hand: von der Konzeption über die Realisierung mit Produkten – teils aus eigener Fertigung – bis hin zur Wartung.

Umsatz bei 52 Millionen Euro

Auf strammem Wachstumskurs ist die Securiton GmbH insgesamt, wie Geschäftsführer Horst Geiser sagt. „Wir wollen bis 2024 100 Millionen Euro Umsatz schreiben.“ Zuletzt waren es 52 Millionen Euro. Der Auftragsbestand sei hoch, weshalb das Unternehmen auch personell kräftig zulegen will. Securiton wurde 1978 von Artur Schmidt gegründet. In der Acherner Deutschland-Zentrale arbeiten rund 100 Mitarbeiter. Die Securiton GmbH ist ein Unternehmen der Schweizerischen Securitas-Gruppe mit weltweit 16 000 Mitarbeitern und 25 Unternehmen.

Fachwelt kennt Securiton

Die Fachwelt – beispielsweise Ingenieure und Architekten – kenne Securiton, sagt Geiser. Teil der Strategie sei es, dass Securiton auch bei deren Auftraggebern bekannter wird. 90 Prozent des Umsatzes erziele man im Geschäftsbereich Industrie/Behörden. Hinzu kämen die Segmente Videoanalyse und Premium Private. Securiton biete ein breites Portfolio von Beratung und Analyse über Montage bis hin zur Wartung und Instandhaltung, sagt Vertriebschef Frank Betsch. „Wir sind schnell und flexibel, bieten individuelle Lösungen.“ Kunden sind beispielsweise BASF, Daimler, Heel, EnBW, Lufthansa, Miele, Michelin, der Flughafen Frankfurt und etliche Krankenhäuser.

SORGEN FÜR SICHERHEIT (von links): Horst Geiser, Frank Betsch undGerd Kupferer. | Foto: pr

Das Wachstumspotenzial begründen die Sicherheits-Dienstleister auch mit der zunehmenden Sensibilität, die Unternehmen und Privatpersonen entwickelt hätten. Krankenhäuser oder Energiekonzerne beschäftigten sich beispielsweise viel intensiver mit Sicherheitsthemen. Vor fünf Jahren reichte ihnen laut Betsch beispielsweise noch ein Zaun um die Umspannstation. Jetzt sind dort Sensoren befestigt.

Vom Brandschutz bis zur Videoüberwachung

Die Produkte betreffen Brandschutz, Videosicherheit, Sicherheitsmanagement, Zaundetektion, mobiler Objektschutz, Einbruchschutz, Zutrittskontrolle, Fluchttürsteuerung und Premium Private.
Im Verbund mit den Schwesterunternehmen fertige man etliche Produkte, beispielsweise Brandmeldetechniken. Die haben jedoch mit den Produkten, die man aus dem Baumarkt kennt, so gut wie nichts gemein: Sie müssen im Stahlwerk genauso zuverlässig sein wie in einer Chip-Fabrik mit ihren Reinraumerfordernissen. Und der Premium Private-Kundschaft ist wichtig, dass man von der Sicherheitstechnik möglichst gar nichts sieht.

Drohnen als Gefahr

Die Securiton-Manager nennen ein Beispiel von vielen, von denen sie Wachstumschancen ableiten: Drohnen. Industrieunternehmen sehen die von ihnen ausgehende potenzielle Gefahr ebenso wie Flughafenbetreiber oder die Direktoren von Gefängnissen – die wollen schließlich verhindern, dass per Drohne Waffen oder Drogen hineingeflogen werden.

Drohnen werden punktgenau geortet

„Wir können Drohnen punktgenau orten und verfolgen“, sagt Geiser. Kupferer ergänzt: „Wir detektieren aber auch die Drohnenführer.“ Eine entsprechende Vorführung im vergangenen Jahr auf dem Flugplatz Lahr habe für Furore in der Fachwelt gesorgt.

Vor allem bei Mittelstand und Behörden sieht Securiton sehr gute Chancen. Oft sichere ein Unternehmer zuerst seine Fabrik mit Securiton und danach zusätzlich sein Privathaus – oder umgekehrt. Die Sicherheits-Spezialisten stünden auch im engen Austausch mit den Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt.

Beim Nato-Gipfel 2009 für die Polizei tätig

Wie hoch das Vertrauen ins Acherner Unternehmen sei, macht das Management auch an einem wichtigen Auftrag in der Unternehmensgeschichte fest: dem Nato-Gipfel 2009 in Baden-Baden und Kehl/Straßburg. „Wir haben für die Polizei das Videoequipment bereitgehalten und die Einsatz-Leitzentrale in Freiburg eingerichtet“, sagt Geiser. Letztlich ging es auch um die Sicherheit der Regierungschefs von 29 Nato-Mitgliedsstaaten – darunter der damalige US-Präsident Barack Obama.