Der Vorposten der Stadtverwaltung in der Illenau war das von Dietmar Stiefel geführte Technische Rathaus. | Foto: Michael Moos

Bürgermeister Dietmar Stiefel

Beliebt und kompetent

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Dass er mal Bürgermeister der Hornisgrindestadt werden sollte, hat sich Dietmar Stiefel nicht träumen lassen, als er vor 39 Jahren seinen Dienst im Acherner Rathaus antrat. „Die Umstände, Fügung und das nötige Quäntchen Glück“ sind für ihn die Zutaten für seine erfolgreiche Laufbahn. Auch wenn er mit Bescheidenheit – wie so oft – Größe zeigt: Ganz ohne sein Können und seine reiche Erfahrung wäre er nicht dort, wo er nun ist. Als Erster Beigeordneter mit der Amtsbezeichnung „Bürgermeister“ besetzt Stiefel eine wichtige Schaltstelle innerhalb der Acherner Stadtverwaltung.

40 Jahre im öffentlichen Dienst

Am 1. August arbeitet er genau 40 Jahre im öffentlichen Dienst – für Dietmar Stiefel ist das Dienstjubiläum jedoch kein besonderer Tag. „Da kann ich nichts dafür. Und überhaupt sind es eigentlich erst 35 Jahre, weil hier auch Zeiten wie der Dienst bei der Bundeswehr hinzugerechnet werden.“ Bei der Rückschau auf die lange Zeit seines beruflichen Lebens blitzt er dann auf, der spezielle Stiefel’sche Humor: „Es gehört Glück dazu, aber man muss auch zur richtigen Zeit die richtigen Stellenausschreibungen gelesen haben.“

Spaß an der Aufgabe gefunden

Dabei hatte Stiefel zunächst gar nicht in die öffentliche Verwaltung im Fokus. Er wollte Elektrotechnik studieren. Als dafür der Notendurchschnitt im Abitur nicht reichte, folgte er dem Ratschlag einer Mitarbeiterin im Önsbacher Rathaus, es doch mal bei der Stadtverwaltung zu probieren. Danach war die Elektrotechnik passé – der junge Verwaltungsfachmann hatte Spaß an seiner Aufgabe gefunden. Nach dem Studium in der damaligen Fachhochschule Kehl und einigen Jahren in der Bühler Stadtverwaltung kehrte er als Leiter des Baurechtsamts zurück ins Acherner Rathaus.

Keine trockene Angelegenheit

Als Kollege erfreute er sich großer Beliebtheit, als Fachmann war er gefragt. Für Dietmar Stiefel ist das Baurecht keineswegs eine trockene Angelegenheit: „Das ist hoch interessant, und man hat viele Kundenkontakte – mit Antragstellern, Nachbarn, Architekten und Behörden“. Stiefel hatte sich so gut in die Materie eingearbeitet, dass er in den Jahren 2003 und 2004 vom Regierungspräsidium zur Mitarbeit an der damals anstehenden Änderung der Landesbauordnung eingeladen wurde.

Mehr Verantwortung

Mehr Verantwortung bekam Stiefel mit der von Oberbürgermeister Klaus Muttach im Jahr 2008 angestoßenen Neustrukturierung der Acherner Stadtverwaltung: Er wurde vom Amtsleiter zum Leiter des Fachbereichs „Planen und Bauen“. Einmal mehr unterstreicht Stiefel dabei die von seinem Team gewährte Unterstützung: Vor allem von Hans Fuchs als ehemaligem Bauamtsleiter und Helmut Ell als Leiter der Hochbauabteilung habe er viel gelernt: „Davon profitiere ich heute noch.“

Auch kommunalpolitisch erfahren

Noch im gleichen Jahr ermunterte Muttach Dietmar Stiefel, sich für die frei werdende Position des Ersten Beigeordneten zu bewerben. Er bat um Bedenkzeit. „Am Ende habe ich ‚ja’ gesagt, obwohl und weil ich wusste, was auf mich zukommt.“ Stiefel konnte neben einem profunden Fachwissen auch über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz aus der Kommunalpolitik verweisen: Seine Tätigkeit brachte es mit sich, dass er in den meisten Sitzungen des Gemeinderats präsent war. Tatsächlich setzte er sich bei der Wahl im Januar 2009 in der letzten Runde gegen zwei Mitbewerber durch und wurde Bürgermeister.

Oberbürgermeister-Posten war nie ein Thema

In dieser Phase und auch sonst war der Wechsel auf den Posten eines Oberbürgermeisters nie Thema für Dietmar Stiefel: „Das hätte ich mir nicht zugetraut. Denn da gehört noch mehr Bereitschaft dazu, die eigenen Interessen und die der Familie zurückzustellen.“ Außerdem räumt er freimütig „Schwächen“ ein: „Die Finanzen sind mir von allen Verwaltungsbereichen am fremdesten.“

Eigene Handschrift eingebracht

Bereut hat er den Wechsel auf den Posten des Bürgermeisters nicht, auch wenn – oder gerade weil – zusätzliche Aufgaben im Bereich der Repräsentation auf ihn zukamen. Und natürlich, weil er so Möglichkeiten nutzen kann, seine eigene Handschrift einzubringen. So blickt Dietmar Stiefel nicht ohne Stolz darauf, dass er zusammen mit seinem Team den ersten „Brückenkopf“ in der Illenau gebildet hat: Sein „Technisches Rathaus“ bildete die Initialzündung für den späteren Umzug der kompletten Verwaltung in die Illenau. Dass es bisweilen auch Rückschläge gibt, liegt in der Natur der Sache: „Das Stolzer-Parkhaus war so einer. Ich hatte gedacht, dass das Projekt funktioniert. Ich habe mich getäuscht.“

Amtszeit endet 2026

Die Amtszeit von Dietmar Stiefel endet im Jahr 2026. „Die würde ich gern noch vollmachen.“ Spannende Aufgaben warten mit dem Abschluss der Illenau-Sanierung, der baulichen Entwicklung der Illenau-Wiesen“ und der Bebauung des Glashütten-Areals. „Da will ich dabei sein, wenn meine Gesundheit mitmacht.“ Und natürlich auch bei der Umsetzung des Masterplans.

Zur Person
Dietmar Stiefel ist ein waschechter Önsbacher. Im März 1959 als Sohn eines im Dienst der Post stehenden „Kraftomnibusfahrers“ in Offenburg geboren, ging er in Önsbach in die Grundschule. 1978 machte er sein Abitur im Acherner Gymnasium – Stiefels Klassenlehrer in der Oberstufe war übrigens der vieljährige ABL-Stadtrat Jürgen Franck, sein Mitschüler der spätere Kollege im Rathaus, Hans-Peter Vollet. Seine Bundeswehrzeit absolvierte Dietmar Stiefel als Schreibfunker bei einer Fernmeldeeinheit in Bruchsal. Im September 1979 begann er eine Ausbildung bei der Acherner Stadtverwaltung – sein erster Chef war Bauamtsleiter Hans Fuchs. Nach zwei Jahren, davon sechs Monate in der Landkreisverwaltung in Offenburg, absolvierte Stiefel ein zweijähriges Studium an der damaligen Fachhochschule Kehl. Als frisch gebackener Diplom-Verwaltungswirt schrieb er 70 Bewerbungen, bis er am 1. Dezember 1983 bei der Stadt Bühl eine Stelle als Sachbearbeiter im Baurechtsamt antrat. Am 1. Oktober wechselte er in der Nachfolge von Werner Zimmermann als Leiter des Baurechtsamts zur Stadtverwaltung nach Achern, die damals noch von Oberbürgermeister Winfried Rosenfelder geführt wurde. Im Januar 2009 wurde er für den ausscheidenden Arno Haiss zum Ersten Beigeordneten der Stadt Achern gewählt und 2017 im Amt bestätigt. mm