Der Leitstand im Wasserwerk „Rotherst“: Von hier aus erfolgt die Steuerung der Acherner Wasserversorgung. Zur Versorgung der Verbraucher in Achern im Achertal und in Sasbachwalden werden hier pro Jahr 1,6 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gefördert. | Foto: Roland Spether

Acherner Trinkwasserversorgung

Blick hinter die Kulissen: Das Wasserwerk hat niemals Pause

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Wir alle haben uns schon lange daran gewöhnt: Wenn nicht wie gerade aktuell Berichte über Bakterien im Umlauf sind, macht sich kaum jemand Gedanken über das Trinkwasser. Man dreht den Wasserhahn auf – und jederzeit kommt das wichtigste Lebensmittel in bester Qualität ins Haus. Doch wie funktioniert eigentlich die Wasserversorgung in Achern? Wir haben bei den Stadtwerken nachgefragt.

200 Kilometer langes Leitungsnetz

„Rund 120 Liter Wasser verbraucht jeder Acherner Einwohner pro Tag“, weiß Ralf Volz als Technischer Leiter des städtischen Eigenbetriebs. Ausgangspunkt für das immerhin 200 Kilometer lange Leitungsnetz ist seit Mitte der 1970er Jahre das Wasserwerk „Rotherst“ westlich des Stadtteils Fautenbach. Hier sorgen vier Tiefbrunnen für die Förderung des Trinkwassers aus rund 40 Metern Tiefe. Hier zapfen die Stadtwerke einen der größten zusammenhängenden unterirdischen Grundwasserspeicher an. „Hier steht Wasser in nahezu unbegrenzter Menge und in sehr guter Qualität zur Verfügung“, nennt Volz die Vorteile dieser Lösung.

Impuls kam aus der Illenau

Vor dem Bau des Wasserwerke in der Ebene wurde Achern aus Quellen versorgt, die auf Gemarkung Kappelrodeck liegen. Der Blick in die Geschichte der Acherner Wasserversorgung führt – wie so oft in Achern – zur Illenau: Die einstigen Heil- und Pflegeanstalt und der aus dem Jahr 1892 stammende, mittlerweile stillgelegte „Hochbehälter Illenau“ schufen die Grundlage für die Belieferung der Stadt mit frischem Wasser.

So sieht der Systemplan für die Acherner Wasserversorgung aus | Foto: BNN-Infografik/Fotos: Roland Spether

Zwei Euro für 1.000 Liter

Mit „Rotherst“-Wasser beliefern die Stadtwerke heute für konkurrenzlose zwei Euro pro Kubikmeter alle Einwohner der Großen Kreisstadt, außerdem wird es bei Bedarf in die Versorgungsnetze von Kappelrodeck, Ottenhöfen und Sasbachwalden gespeist. Die durchschnittliche Fördermenge liegt bei rund 1,6 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Maximal 7 200 Kubikmeter Wasser können hier pro Tag gefördert werden – diese Grenze setzt in diesem Fall die vor zehn Jahren in Betrieb genommene Enthärtungsanlage, die das vergleichsweise kalkhaltige Grundwasser von ursprünglich 22 Grad deutscher Härte (dH) auf „mittlere“ Werte von zehn bis zwölf Grad dH verringert.

Netz von Hochbehältern

Damit das Wasser überall mit dem richtigen Druck von mindestens 2,1 bar in den Häusern zur Verfügung steht, arbeitet im Leitungsnetz ein fein austariertes System von Speichern, Pumpen und Steuerungsanlagen. Nur für die Haushalte in der Ebene (Kernstadt, Wagshurst, Önsbach, Gamshurst, Großweier und Sasbach) reicht der von den Pumpen im „Rotherst“ erzeugte Druck aus. Ein Netz von Hochbehältern versorgt die höher gelegenen Wohngebiete. So muss das Wasser aus dem in 138 Metern Meereshöhe gelegenen „Rotherst“ teilweise mehr als 100 Höhenmeter hinaufgepumpt werden. Es gibt sechs Hochbehälter:
Waldsee (3 000 Kubikmeter) als zentrale Verteilerstation in 188,5 Metern Höhe.

  • Hohbühl (600 Kubikmeter) zur Belieferung der höher gelegenen Gebiete von Achern und Fautenbach.
  • Sandweg (1 500 Kubikmeter, 233,0 Meter) zur Versorgung der Hochzone sowie für den Anschluss von Sasbachwalden.
  • Bienenbuckel (400 Kubikmeter, 213,65 Meter) für Oberachern (wird derzeit erneuert, weshalb Oberachern über den Hochbehälter Sandweg versorgt wird).
  • Mösbach Niederzone (240 Kubikmeter) für die Versorgung der tiefer liegenden Teile von Mösbach und der Hochzone von Önsbach.
  • Mösbach Hochzone (400 Kubikmeter) für die Belieferung der höher gelegenen Teile Mösbachs.
  • Der historische Hochbehälter Illenau ist stillgelegt. Er dient noch als Betriebsgebäude und beliefert den Oberacherner Waldsee mit frischem Quellwasser.

Für den Notfall ist gesorgt

Für die nötige Versorgungssicherheit bei Störfällen ist ebenfalls gesorgt. „Es steht immer genug Wasser zur Verfügung, um die Verbraucher mindestens einen Tag lang zu versorgen“, sagt Volz. Außerdem gibt es Reservepumpwerke in Gamshurst, Wagshurst, Önsbach und Sasbachried. „Und sollte ein Stromausfall die Pumpen lahmlegen, springt eine mit Dieselkraftstoff betriebene Notstromversorgung ein.“