Mit einem Bagger räumen die Schützen des Grimmelshausen-Bogenclubs den von der Stadt Renchen zur Verfügung gestellten Übungsplatz. Die Anlage weicht einer Rettungswache. | Foto: GBC Renchen

GBC Renchen verliert Platz

Bogenschützen räumen das Feld

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Der GBC Grimmelshausen Bogenclub Renchen musste am vergangenen Wochenende seinen Bogenplatz räumen – fast genau zum 34. Jahrestag des Vereins. Der Grund: Das Gelände im Gewerbegebiet „Reezmatt-Alte Weg“ wurde von der Stadt verkauft und wird nun mit einer Rettungswache bebaut. In der Konsequenz besteht die Gefahr, dass die Grimmelshausen-Bogenschützen der Stadt Renchen den Rücken kehren könnten.

„Der Platz gehörte der Stadt und wir durften ihn als Verein nutzen“, erklärt Bruno Metzinger, stellvertretender Vorsitzender des GBC. Weil er aber im Gewerbegebiet liegt, war die Nutzung des Vereins nur übergangsweise, erklärt Renchens Bürgermeister Bernd Siefermann. Nun steht fest, dass ein privater Rettungsdienst und Krankentransportunternehmen an der Stelle des Bogenplatzes baut. Somit muss der Verein weichen und steht jetzt erst einmal ohne Übungsplatz da. „Das Problem ist, dass der GBC einigen Platz braucht, da konnte nicht gleich etwas gefunden werden“, meint Siefermann.

Keine Einigung mit Schützen

Die Grimmelshausenschützen haben neben ihrem Schützenhaus einen Bogenplatz. „Vor vielen Jahren war der Bogenclub schon einmal auf diesem Platz, aber dann haben sich die Vereine auseinander dividiert“, berichtet Siefermann. Diese Fläche gehört ebenfalls der Stadt, die sie den Schützen zur Verfügung stellt.
Seit 30 Jahren gebe es dort keinen Betrieb mehr, weiß Metzinger zu berichten. Schon im Juli vergangenen Sommers gab es Gespräche mit den beiden Vereinen und der Stadt. Nach den Sommerferien sollte es eine weitere Sitzung geben. Doch laut Metzinger scheinen die Grimmelshausenschützen seitdem zu blockieren. „Der Bürgermeister bestand darauf, dass wir den Platz am Schützenhaus nutzen können.“ Der Bürgermeister wiederum betont, dass die Grimmelshausenschützen unter bestimmten Voraussetzungen ihren Bogenplatz zur Verfügung stellen wollten, die beiden Vereine sich jedoch (noch) nicht einigen konnten.

Stadt will beide Vereine an einem Ort

„Es tut mir leid, dass sich zwei Vereine nicht einig werden“, bedauert Siefermann die Situation. Die Stadt habe vermitteln und helfen wollen. „Unser Ziel ist, dass beide nebeneinander zusammenarbeiten.“ Der Verwaltung sei klar gewesen, dass die Vereine am gleichen Platz aufeinander Rücksicht hätten nehmen müssen und sich mit Trainings- und Turnierzeiten hätten absprechen müssen. „Das hielten wir für machbar“, sagt Siefermann. Die Schützen waren aus Rücksicht auf den Verhandlungsprozess nicht zu einer Aussage bereit.

Keine Alternative in Renchen

„Wir haben uns darauf verlassen, dass es am Schützenhaus funktioniert und deswegen nichts anderes gesucht“, so Metzinger. Eine andere Alternative von Seiten der Stadt scheine es nicht zu geben: „Wir hängen in der Luft.“ Es sei letztlich klar gewesen, dass der Bogenplatz im Frühjahr geräumt werden müsse. Im Dezember erfuhr der Verein dann, dass dies schon in der vierten Kalenderwoche geschehen müsse, mit zwei Wochen Kulanzzeit. So standen am Samstagmorgen 20 Helfer bereit, um die Hütte abzubauen, das Fundament zu entfernen und die Schießlinie abzutragen. Die Maschinen und alle Gerätschaften, Zielscheibenständer und mehr mussten an einen anderen Platz gebracht und winterfest eingelagert werden.
„Wir wären gern hiergeblieben“, meint Metzinger. Auch Siefermann würde es sehr bedauern, wenn der Grimmelshausen Bogenclub die Stadt verließe: „Der GBC ist ein wichtiger Verein mit wertvoller pädagogischer Jugendarbeit.“

Rettungswache löst Bogenschützen ab

Krankentransporter statt Pfeil und Bogen: Wie berichtet, entsteht auf dem städtischen Grundstück, das der Grimmelshausen-Bogenclub bislang als Übungsgelände nutzen konnte, eine Rettungswache des privaten Unternehmens „Medie-Ambulanz“. Voraussichtlich im Mai rollen die Bagger an. Nach Angaben von Bürgermeister Bernd Siefermann soll das Gebäude bis Ende des Jahres fertig sein, sodass das Unternehmen Anfang 2020 seinen neuen Standort eröffnen kann. Mindestens 20 neue Arbeitsplätze entstehen somit im Renchener Gewerbegebiet „Reezmatt-Alte Weg“, Tendenz steigend.

Bessere Notfallversorgung

Für die Grimmelshausenstadt ist die Neuansiedlung zugleich eine Verbesserung der Notfallversorgung. Der private Dienst wird auch bei Notfällen über die Rettungsleitstelle disponiert. Das Unternehmen hat ein First-Responder-Mobil, also ein Fahrzeug mit einer Reanimationshilfe, um in akuten Notfällen Hilfsfristen zu überbrücken.

Rettungswagen haben geringere Anfahrtszeit

„Die nächsten Rettungswägen sind in Oberkirch und in Achern stationiert. Wird der Notruf 112 gewählt, entscheidet die Rettungsleitstelle, welches freie Fahrzeug nach Renchen fährt. Innerhalb von neun Minuten sollte der Rettungswagen dann in Renchen sein“, erklärt Siefermann. Er geht davon aus, dass sich die Anfahrtszeit gegebenenfalls deutlich verringert, wenn die Medie-Ambulanz vor Ort ist. Der Renchener Bürgermeister freue sich, dass durch den Bau der Rettungswache der Unternehmensstandort Renchen noch attraktiver werde.

Renchen hat gute Anbindung

Wie Medie-Ambulanz-Geschäftsführer Yven Dinger auf bnn.de-Anfrage erklärt, habe er sich aus Platzgründen für Renchen entschieden. „Wir sind in den vergangenen zwölf Jahren ständig gewachsen. In Sasbach ist der Platz nicht mehr ausreichend.“ Ein weiterer Grund ist die Anbindung. Das Unternehmen bringt im Auftrag eines Automobilclubs Patienten aus Frankreich zurück. Ebenso seien das Renchtal sowie Kehl von Renchen schneller erreichbar.

Zwölf Fahrzeuge vor Ort

Zwei weitere Standorte hat die Medie-Ambulanz in Freiburg und Kuppenheim. Renchen wird Hauptsitz des Unternehmens sein mit der Verwaltung sowie einem Schulungs- und Ausbildungszentrum für Rettungssanitäter. Das neue Gebäude ist zunächst für zwölf Fahrzeuge ausgelegt mit der Option auf Erweiterung. Zur Investitionssumme macht Dinger keine Angaben.