Vor 25 Jahren wurde Klaus Muttach zum Bürgermeister von Seelbach gewählt. Rechts Amtsvorgänger Walter Dilger. | Foto: Werner Bader

Klaus Muttach in Achern

„Bürgermeister mit Leib und Seele“

Anzeige

Eigentlich wollte Klaus Muttach nicht Bürgermeister werden. Die Möglichkeit einer Abwahl nach acht Jahren und die damit verbundene Gefahr für die eigenen Finanzen erschien ihm einst als „zu gefährlich“. Eigentlich. Denn es kam bekanntlich anders. Der einstige Bürgermeister von Seelbach und heutige Oberbürgermeister von Achern blickt auf eine nunmehr 25-jährige Tätigkeit als Rathauschef zurück.

Sieg als jüngster Kandidat

Am 6. Dezember 1993 erhielt Klaus Muttach in Seelbach die Amtskette des Bürgermeisters von Amtsvorgänger Walter Dilger. Der damals 30-Jährige eroberte den Chefsessel im Rathaus als jüngster Kandidat gegen neun Mitbewerber, darunter der Chef der örtlichen CDU und der Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten.

Mit Bürgerentscheid krachend gescheitert

Im Alter von 26 Jahren war der Winzersohn und Absolvent der Kehler Hochschule für öffentliche Verwaltung, in den Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Ringsheim gewählt worden und schaffte es aus dem Stand in das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters. Kommunalpolitisch „Blut geleckt“ hatte Muttach, der bereits mit 17 Jahren eine Ortsgruppe der Jungen Union gegründet hatte, als Initiator eines Bürgerentscheids gegen den Bau einer Sporthalle in Ringsheim – ein Ansinnen übrigens, mit dem Muttach und seine Getreuen damals krachend scheiterten. Niederlagen standen danach aber eher nicht auf der Agenda von Klaus Muttach.

„Schuld“ war die Gattin

Wenn er „eigentlich“ nicht Bürgermeister werden wollte – wie kam es dann zur Kandidatur in Seelbach? „Schuld“ war Gattin Roswitha: Diese hatte ihr Veto eingelegt, als Muttach 1991 für den Landtag kandidieren wollte. „Dann beschloss ich, statt dessen Bürgermeister in Seelbach zu werden.“ Die Zustimmung dafür habe er seiner Frau „abgerungen“. Wie Jahre später auch in Achern, bereitete sich Muttach mit einem ausgeklügelten Konzept (Slogan: „5 000 Seelbacher wissen mehr als ein Bürgermeister“) generalstabsmäßig auf die Wahl vor: Er machte sich mit aktuellen Themen vertraut und schüttelte bei zahlreichen Hausbesuchen viele Hände.

14 Jahre in Seelbach gestaltet

14 Jahre tat Muttach in Seelbach das, was er am liebsten macht – „gestalten“. Als seine größten Erfolge nennt er die Einführung des Bauernmarktes, der Seelbacher Freilichtspiele und des Sonnwendlaufs. Dazu zählen aber auch die Auszeichnung als Modellgemeinde für bürgerschaftliches Engagement, der Kauf des „Bahnhöfles“ für kulturelle Zwecke, die Ansiedlung eines Campingplatzes und eines Einkaufsmarkts, der Bau eines Pflegeheims, die Erweiterung des Schulhauses, die Sanierung des Rathauses und die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt.

Familie war nicht scharf auf erneuten Ortswechsel

Kühl durchdacht war die Entscheidung, 2007 in Achern für das frei gewordene Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren – und das, „obwohl die Familie absolut nicht scharf auf einen Ortswechsel war“. Muttach: „Mit Mitte 40 wurde mir klar, dass ich nicht fünf Amtsperioden in Seelbach bleiben wollte. Das ist für mich nicht gut, und das ist auch für den Ort nicht gut.“ Zusammen mit Ehefrau und Töchtern schaute sich Muttach ein halbes Dutzend in Betracht kommende Städte in einer Größenordnung von 20 000 bis 30 000 Einwohner an – darunter war auch Achern, das er von seiner Zeit als Bundeswehrsoldat kannte. Ein Jahr vor der Wahl entschied sich Muttach dann für die Hornisgrindestadt, bestellte die Lokalzeitung, machte sich mit den kommunalpolitischen Themen vertraut – und bereitete sich wie 1993 in Seelbach generalstabsmäßig auf den Wahlkampf vor.

„Man muss auch mal Härte zeigen“

Bei der Wahl 2007 schlug er dann fünf Mitbewerber aus dem Rennen; die Bestätigung acht Jahre später war für den versierten Wahlkämpfer kein Problem. „Ich bin Bürgermeister mit Leib und Seele, aber auch aus Fleisch und Blut“, sagt Muttach. „Obwohl man seine Arbeit jeden Tag öffentlich bewerten lassen muss – ich finde diesen Beruf einfach klasse!“ Er freut sich, dass er in Seelbach wie in Achern „stets fair bewertet wurde“, weiß aber auch um die Schattenseiten des Amts: „Wenn man überzeugend etwas durchsetzen möchte, muss man auch mal Härte zeigen – das macht keinen Spaß“. Ganz offen spricht er dabei eine Rolle bei der Verweigerung der Wiederwahl von Klaus Brodbeck als Landrat des Ortenaukreises oder bei seiner eigenen Wahl zum Nachfolger von Dieter Klotz als Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion an: „Das war schmerzhaft für die Betroffenen, und das hat mir keine Freude gemacht.“

Viel erreicht

Viel hat Muttach in den 25 Jahren erreicht – in Seelbach ebenso wie in Achern. Beide Stationen begreift er „wie ein Sechser im Lotto“. Und stellt klar: „Einen dritten brauchen wir nicht und wollen wir nicht.“ Darin ist sich der heute 55-Jährige mit seiner Familie einig. Deshalb werde er politisch kein anderes Amt mehr annehmen. Und was ist, wenn 2023 die dritte Amtsperiode ansteht? „Ich will nicht heute über Sachen entscheiden, die erst in fünf Jahren anstehen. Aber ich werde 2023 nicht Rosen züchten oder Kochkurse machen.“