Das „Neue Dorfzentrum Önsbach“ ist am nördlichen Ortseingang geplant. Der Bürgerverein hofft auf die Zustimmung der kommunalen Gremien zu dem ambitionierten Projekt.
Das „Neue Dorfzentrum Önsbach“ ist am nördlichen Ortseingang geplant. Der Bürgerverein hofft auf die Zustimmung der kommunalen Gremien zu dem ambitionierten Projekt. | Foto: Roland Spether

Viele Fragen noch offen

Bürgerverein plant „Dorf der Zukunft“ in Achern-Önsbach – Supermarktketten sind interessiert

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Es ist ein ehrgeiziges Projekt: Das von den Bürgern im Acherner Stadtteil Önsbach geplante Dorfzentrum soll die Lebensqualität im Ort erhalten und weiter entwickeln. Und doch gibt es noch zahlreiche ungelöste Fragen.

„Das Dorf der Zukunft ist nur mit einem lebendigen Zentrum überlebensfähig“, sagte Roland Hildebrand kürzlich im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats. Hildebrand ist Verwaltungsrat des 2015 gegründeten Bürgervereins, der das Projekt mit seinem Tochterunternehmen „Dorfzentrum Önsbach Projektträger GmbH“ verantwortet.

Gegenstand eines bereits abgeschlossenen Architektenwettbewerbs ist die Bebauung mehrerer Grundstücke am nördlichen Ortseingang von Önsbach.

Penny und Netto zeigen Interesse am Standort Achern-Önsbach

Im „Neuen Dorfzentrum Önsbach“ sollen die Ortsverwaltung ebenso untergebracht werden wie die Postfiliale und der Bankautomat, ein kleines Dienstleistungsunternehmen und ein „Begegnungscafé“ mit Bäckerei. Als weitere zentrale Bestandteile sind eine Tagespflegeeinrichtung mit bis zu 16 Plätzen sowie Wohnungen für Senioren und Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Planung.

Ergänzend ist ein Einkaufsmarkt geplant, der als Ersatz für die mittlerweile geschlossene Verkaufsstelle der Raiffeisen-Warengenossenschaft mit einer Nutzfläche von 800 Quadratmetern die Nahversorgung des Orts sicherstellen soll.

Hildebrand berichtete, dass die Supermarktketten Penny und Netto Interesse am Standort Önsbach haben. Er machte deutlich, dass andere Konzepte, beispielsweise auf ehrenamtlicher Basis, aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht mehr in Betracht kommen. Auch die ehemals angestrebte „Pflege-WG“ könne nicht verwirklicht werden.

Preisträger „Quartier 2020“

Anerkennung verschaffte sich das ambitionierte Bürgerprojekt durch die erfolgreiche Teilnahme an überörtlichen Wettbewerben. Als Preisträger des Programms „Quartier 2020“ erhielt der Bürgerverein erhielt ein Preisgeld von 55.000 Euro. Aus dem Förderprogramm „Quartierimpulse“ erhielt der Bürgerverein Önsbach weitere Fördermittel von 69.000 Euro.

Wir nehmen die Einwände ernst und setzen uns für Kompromisse ein.

Roland Hildebrand, Verwaltungsrat des Bürgervereins

Diese ermöglichten dem Bürgerverein die Auslobung eines Architektenwettbewerbs für das Projekt. Das Ergebnis, so Hildebrand, liege mittlerweile in Form von fünf Arbeiten vor – allerdings sei es als Folge der Corona-Pandemie gegenwärtig nicht möglich, die Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Mit Blick auf die von Nachbarn geäußerte Kritik versprach Hildebrand Rücksichtnahme: „Wir nehmen die Einwände ernst und setzen uns für Kompromisse ein.“ Das gelte auch für den Lärmschutz.

CDU lobt „Erfolgsgeschichte“

„Wir können nicht anders, als diesem Projekt unseren Segen zu geben“, unterstrich Karl Früh die Zustimmung der CDU-Fraktion zum Önsbacher Dorfzentrum.

Während Früh von einer „Erfolgsgeschichte“ sprach und das Vorhaben ebenso wie die Fraktionsvertreter von ABL und Grünen grundsätzlich begrüßte, gab es von den Freien Wählern nicht nur Zustimmung. „Das Projekt hat sich von einem sozialen zu einem eher merkantilen Projekt gewandelt“, bedauerte Gebhard Glaser und stellte fest: „Wir habe noch nicht darüber gesprochen, ob wir das überhaupt wollen.“

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Die Verlegung der Ortsverwaltung sei ebensowenig wie deren Finanzierung noch nicht Gegenstand der Beratungen im Gemeinderat gewesen, auch nicht der Verbrauchermarkt. Glaser: „Wir wissen viel zu wenig, obwohl der Prozess bereits ziemlich weit fortgeschritten ist.“

Gemeinderat entscheidet

Oberbürgermeister Klaus Muttach verglich in seiner Antwort die Arbeit des Bürgervereins mit der eines „normalen“ Investors: In beiden Fällen entscheide der Gemeinderat anhand des Konzepts über das jeweilige Projekt.

Im aktuellen Doppelhaushalt sei auch kein Geld für den Umzug der Ortsverwaltung vorgesehen. Klar sei aber auch, dass man in Achern „dezentrale Strukturen“ erhalten wolle.