Einsatz der Bundespolizei auf dem Bahnhof Achern: Auf einem Güterzug hatten sich Flüchtlinge versteckt. | Foto: Roland Spether

Zug in Achern angehalten

„Blinde Passagiere“ auf „rollender Landstraße“

50 Minuten lang ging nichts mehr auf der Rheintalbahn: Grund war ein Polizeieinsatz in Achern. Im Bahnhof hatte die Bundespolizei am späten Freitagnachmittag einen Güterzug gestoppt und vier Flüchtlinge verhaftet.

„Blinde Passagiere“

Gegen 16.25 Uhr veranlassten die Ermittler die Sperrung aller vier Gleise der Rheintalbahn bei Achern. Es gab einen Hinweis, dass Flüchtlinge als „blinde Passagiere“ an Bord des Güterzugs sein könnten. Wie Ramona Fidan als Sprecherin der Bundespolizei auf Anfrage bestätigte, hatte ein Zeugen zwei Personen auf dem fahrenden Zug gesehen und die Polizei verständigt.

Vier Festnahmen

Zunächst konnten zwei, später zwei weitere Personen festgenommen werden. Sie stammen offenbar aus Afrika. Ein Flüchtling wurde vorsorglich ins Acherner Krankenhaus gebracht, die anderen wurden am Abend in der Offenburger Dienststelle der Bundespolizei erkennungsdienstlich behandelt.

Hunde und Hubschrauber im Einsatz

Über die Sperrung der Rheintalbahnlinie hatte die Polizei die Bahnpassagiere per Twitter informiert. Nach rund 50 Minuten wurde zunächst ein Gleis der Rheintalbahn für den Fernverkehr wieder freigegeben, ICEs und TGVs konnten den Bahnhof Achern im Schritttempo passieren. Im Regionalverkehr gab es deutliche Verspätungen; die Strecke war erst gegen 18.40 Uhr wieder frei.

Aufgeschlitzte Plane

Auf dem Bahnhofsgelände waren Beamte mit Suchhunden im Einsatz, über den Bahnanlage kreiste überdies ein Hubschrauber. Dessen Besatzung hatte aus der Luft eine aufgeschlitzte Lastwagenplane entdeckt. Zwei der Flüchtlinge hatten sich in einem Container versteckt, dessen Plombe aufgebrochen war. Die Plane war derart beschädigt, dass der Zug zunächst nicht weiterfahren konnte.

Unterwegs nach Holland

Dass Flüchtlinge als „blinde Passagiere“ reisen, ist relativ neu für die Bundespolizei in der Ortenau. Es handelt sich um die sogenannte „rollende Landstraße“: LKW-Auflieger werden auf Güterwaggons von Italien Richtung Norden transportiert. Der in Achern gestoppte Zug war unterwegs nach Venlo in Holland.

Dritter Fall

Vor wenigen Tagen erst gab es zwei ähnliche Fälle in Offenburg. Ende März war der dortige Güterbahnhof – wie berichtet – Endstation für zwei Flüchtlinge, die auf einem Güterzug stundenlang der Kälte getrotzt haben. Die beiden hatten einen Einsatz von insgesamt mehr als 50 Kräften der Bundespolizei, der Feuerwehr Offenburg sowie des Rettungsdienstes ausgelöst. Sie waren nach Erkenntnissen der Polizei offenbar in Italien über eine aufgeschlitzte Dach-Plane in einen Sattelauflieger eingestiegen, der auf dem Zug ins belgische Zeebrügge transportiert wurde. Auch diese Flüchtlinge hatten auf dem Weg von Weil am Rhein in Richtung Norden ihre Köpfe oben aus dem Auflieger gestreckt. Eine Woche zuvor waren drei Flüchtlinge – zwei Männer und eine Frau – in Offenburg von einem Lokführer entdeckt und aus einem Sattelauflieger befreit worden.