Traumberuf und liebstes Hobby zugleich: Robert Gempler hat als Busfahrer viel erlebt. Mehr als 500-mal war er in Paris.

Robert Gempler aus Achern

Busfahrer aus Leidenschaft

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Bus fahren ist für Robert Gempler Traumberuf und liebstes Hobby zugleich. Deshalb fährt er mit immerhin 75 Jahren noch Reisebus und ist jetzt seit 50 Jahren für die Waldulmer Firma Eurotours Pfeifer unterwegs.

In 50 Jahren 87 Weltumrundungen

Mehr als 3,5 Millionen Kilometer Straße hat der Ulmer unter die Räder genommen, der mit seiner Frau Doris vor dreieinhalb Jahren nach Achern umgezogen ist. Das kommt mehr als 87 Welt-Umrundungen gleich. Seine Ausfahrten für Senioren sind weit über Achern hinaus bekannt und beliebt. Hier fährt seine Frau Doris mit und auch sonst so oft es geht. „Ich bin lang genug allein zu Hause gesessen“, sagt sie und rät: „Heiraten Sie nie einen Busfahrer. Sein Wohnzimmer ist der Bus.“

Als Schulbusfahrer angefangen

Der gelernte Schlosser hatte Vater und Bruder zum Vorbild, die Lastwagen fuhren. Bei der Baufirma Max Früh in Achern machte er seine ersten Erfahrungen mit großen Fahrzeugen. Als 24-Jähriger hatte er den Busführerschein und der Weg war frei für seine Traumstelle. Er fing als Schulbusfahrer bei Hugo Pfeifer in Waldulm an, als das Unternehmen erst drei Fahrer und fünf Busse hatte. Der Firmensitz war damals noch am Oberberg.

Immer zuverlässig

„Ich war drei Jahre alt, als Herr Gempler bei meinen Eltern anfing“, erinnert sich Firmenchef Thomas Pfeifer: „Er war immer sehr zuverlässig und einsatzfreudig und ist es bis heute.“ Immer wenn Not am Mann sei, könne er ihn anrufen. Zweimal pro Woche mindestens sei er im elften Jahr in Rente noch für Eurotours unterwegs, sagt der Jubilar.

Am Hochtannbergpass aufgesessen

Ob nach Baden-Baden, an den Bodensee oder in die Bretagne, nach Belgien, Holland oder Spanien – Robert Gempler fuhr in seiner Laufbahn zehn Reisebusse fast völlig unfallfrei und pflegte sie auch selbst. „Am Hochtannbergpass mussten die Männer vom Gesangverein Nußbach mal Betonplatten unterlegen, weil wir aufgesessen sind“, erzählt er. Damals hätte man die Busse noch nicht heben und senken können.

Passagiere in Klinik gefahren

Als es auf der alten Brenner-Passstraße einen schweren Unfall mit einem Lastwagen und einem Bus gegeben hatte und er ohne Passagiere dahinter im Stau stand, bekam er eine wichtige Rolle: „Wir mussten wenden und die verletzten Businsassen ins nächste Krankenhaus fahren.“

Mehr als 500 Mal in Paris gewesen

Seine längsten Fahrten führten Robert Gempler nach Nord-Norwegen: 9000 Kilometer in drei Wochen zusammen mit einem Kollegen. Am häufigsten war er in Paris: „Sicher mehr als 500-mal“, hat er überschlagen. Mehr als einmal sei er auf dem Weg zur Kirche Sacre Cour festgesteckt und man habe Autos zur Seite getragen, um ihm die Weiterfahrt zu ermöglichen.

Südtirol als Favorit

Sein liebstes Ziel sei Südtirol gewesen – Landschaft, Menschen und Kultur seien dort so liebenswert. Apropos Kultur: Für die Firma Hirsch in Karlsruhe chauffierte er Kunstund Kulturinteressierte. Wichtig dabei: keine Musik und keine Witze unterwegs.

Fahrt ins Blaue für Senioren

„Schon seit 25 Jahren mache ich einmal im Monat eine Fahrt ins Blaue für ältere Leute“, erzählt der Busfahrer aus Leidenschaft. Bis zu 80 Personen wollen mit, wie erst vor wenigen Tagen wieder, als die Tagesfahrt ins Elsass führte. „Dort habe ich wie vor 50 Jah
ren das Gasthaus Zollstock in La Hoube angefahren – man kann heute noch so gut dort essen wie damals“, berichtet er.

Lasse es ausklingen

Denkt er denn gar nicht ans Aufhören? „Ich habe den Führerschein noch bis November 2020. Dann lass ich es ausklingen“, kündigt Robert Gempler an. Aber er fügt an: Mit einem NeunSitzer könnte es trotzdem weitergehen: „So lange es meine Gesundheit erlaubt.“

Michaela Gabriel