19 Menschen leben aktuell in der städtischen Obdachlosenunterkunft in Oberachern. Sie werden seit 1. September von Mitarbeitern des Caritasverbands Acher-Renchtal betreut. | Foto: privat

Arbeit direkt an der Basis

Caritas übernimmt soziale Betreuung der Obdachlosen in Achern

Anzeige

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“. Das bundesweite Jahresthema der Caritas wird in Achern ganz konkret umgesetzt: Der Caritasverband Achern-Renchtal hat die soziale Betreuung der in der Obdachlosenunterkunft in Oberachern untergebrachten Menschen in eigene Regie übernommen. Die ersten Erfahrungen aller Beteiligten sind positiv. Von den 34 Plätzen in dem vor wenigen Jahren in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde baulich verbesserten Gebäude sind derzeit 19 belegt.

Außergewöhnlicher Schritt

Bis zum 1. September setzte die Stadtverwaltung bei der sozialen Betreuung der Menschen in der Obdachlosenunterkunft hauptamtliches Personal ein. Sabrina Lusch und Hubert Schumacher teilten sich – neben ihren anderen Aufgaben – eine halbe Stelle und bekamen dabei Unterstützung durch einen kleinen Kreis ehrenamtlicher Helfer. „Dass die Stadt Achern im November 2012 damit begonnen hat, Sozialarbeiter in die städtische Notunterkunft zu entsenden, war ein großer und außergewöhnlicher Schritt“, konstatiert Michaela Gabriel (Oberachern), die sich in dem Helferkreis engagiert. Keine Kommune in der Region leiste sich wie Achern eine halbe Stelle, um sich der sozialen Belange von Wohnungslosen anzunehmen. In Bühl beispielsweise gebe es solcherlei Hilfe bis heute nicht.

Niemand mehr verstorben

Michaela Gabriel zufolge habe sich der Schritt für die Stadt gelohnt: „In Achern ist seit 2012 kein Wohnungsloser mehr in der Notunterkunft verstorben. Das war früher immer wieder unbemerkt passiert“.

Lobbyarbeit für die Armen der Gesellschaft

In dem Wechsel der Zuständigkeit sieht Michaela Gabriel viele Chancen: „Der Ansprechpartner kommt jetzt von keinem Amt und keiner Behörde mehr.“ Er könne daher schneller das Vertrauen der Wohnungslosen gewinnen. „Der Caritasverband beginnt damit eine aufsuchende Arbeit direkt an der Basis“, so die ehrenamtliche Helferin. Er könne seine Erkenntnisse über Not- und Problemlagen innerhalb der katholischen Kirche und bei seiner Lobbyarbeit für die Armen der Gesellschaft einfließen lassen.

Schnell Kontakte geknüpft

Zuständig für die soziale Betreuung der Wohnsitzlosen ist Carmelo Scalisi, der innerhalb des Caritasverbands neben seiner Aufgabe als Fachbereichsleiter die allgemeine Sozialberatung führt und nun auch die Wohnungslosenhilfe übernahm. Die Personalkosten für Carmelo Scalisi und einen weiteren, neuen Mitarbeiter übernimmt die Stadt Achern. Im Rathaus ist man zufrieden: „Carmelo Scalisi ist es schnell gelungen, Kontakte zu den Obdachlosen in der Oberen Bergstraße zu knüpfen und die gute und erfolgreiche Betreuung der Menschen in der Obdachlosenunterkunft in bewährter Weise fortzusetzen“, hieß es auf Anfrage.

Vorteilhafte Lösung

Die Zusammenarbeit mit dem Caritasverband erfolgt, wie Carmelo Scalisi und die Stadtverwaltung berichten, letztlich auch vor dem Hintergrund des „Arche“-Projekts der katholischen Kirchengemeinde in Achern. Wie berichtet, hat diese in der Kernstadt ein Wohnhaus angemietet, um Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine Wohnung zu bieten. Auch hier übernimmt der Caritasverband die Betreuung. Die Stadt spricht deshalb von einer vorteilhaften Lösung, Carmelo Scalisi will auf diese Weise Synergien nutzen.

Konflikte nicht ausgeschlossen

Dass seine Aufgabe nicht ganz einfach ist, weiß auch Scalisi: „Konflikte sind nicht ausgeschlossen, außerdem kann der ständige Wechsel in der Belegung zu Problemen führen.“ Dies gelte vor allem dann, wenn einzelne Zimmer mehrfach belegt werden müssten.

Gewisser Vertrauensvorschuss

Seine bisherigen Erfahrungen jedenfalls sind positiv: Als Sozialarbeiter genieße er „einen gewissen Vertrauensvorschuss“. Immerhin haben einzelne Bewohner der Unterkunft schon bisher zu den „Kunden“ des Caritasverbands gehört. Im Übrigen will Scalisi vor Ort als Ansprechpartner regelmäßig Präsenz zeigen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht

Kümmern will sich Carmelo Scalisi auch um die Werbung weiterer ehrenamtlicher Helfer. Das wünscht sich auch Michaela Gabriel: „Die Übernahme durch den Caritasverband birgt die Chance, dass über den Verband mehr Ehrenamtliche gesucht und gefunden werden.“ Ihrer Meinung nach sollte jeder Wohnungslose, der es möchte, einen Ansprechpartner finden: „Zum Reden, zum Einkaufen, für Arztbesuche oder kleine materielle oder organisatorische Hilfen.“