Open Air Gottesdienst Sasbachwalden Pfingsten
Unter freiem Himmel und mit Abstand: So wurde zum Beispiel Pfingsten in Sasbachwalden zelebriert. Wie Gottesdienste in den kommenden Monaten aussehen könnten, ist offen. | Foto: Roland Spether

Auswirkungen der Corona-Krise

Kirchengemeinden rund um Achern: Zurück zur Normalität geht es nur Schritt für Schritt

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Von der Online-Andacht bis zum Freiluft-Gebet hat es in jüngster Zeit viele kreative Ideen gegeben, wie die Kirchengemeinden in der Region ihre Gottesdienste gefeiert haben – unter corona-bedingten Einschränkungen und mit viel Verzicht: So fallen an diesem Donnerstag auch die üblichen Fronleichnamsprozessionen aus. Die große Frage ist nun, wie es, für alle sicher, weitergehen kann, zumal unter den Kirchgängern tendenziell viele Menschen sind, die schon aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe zählen.

In der Region sind die Menschen zurückhaltend – anders als in Frankfurt, Bremerhaven und Vorpommern wo sich mehrere Hundert Menschen bei Gottesdiensten infizierten. „Gerade nach diesen Vorkommnissen müssen wir in den Kirchen als Vorbilder vorangehen und besonders vorsichtig sein“, sagt Martin Grab, Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinbischofsheim. Dort habe er in den ersten paar Gottesdiensten seit der Lockerung „vernünftige Gemeindemitglieder“ erlebt.

Der Zulauf sei unterdessen erfreulich: Die Kirche, die mit Platz für 800 Menschen eines der größten evangelischen Häuser der Region ist, wirke sonst eher leer; nun habe dieser Umstand den Vorteil, dass 70 bis 80 Gottesdienstbesucher mit Abstand möglich seien, wovon andere evangelische Gemeinden weit entfernt seien, so Grab. Sieben Wochen hielt er mit seinem Sohn als Kirchendiener zu zweit Gottesdienste: „Ohne Gemeinde ist das eine besondere Situation, die wir wohl nie vergessen werden“.

Es kommen aber nicht mehr als 20 Menschen.

Katrin Bessler-Koch, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Achern 

Vor eher leeren Reihen wird auch in der Evangelischen Kirchengemeinde in Achern gefeiert: Unter den aktuellen Bedingungen könne man 40 bis etwa 55 Menschen unterbringen, sagt Pfarrerin Katrin Bessler-Koch. „Es kommen aber nicht mehr als 20.“

Als die Gottesdienste erlaubt wurden, habe man zunächst Sorge gehabt, Menschen an der Kirchentür abweisen zu müssen, und deshalb um Anmeldung gebeten. Nötig war das bisher aber bei Weitem nicht. „Wir müssen jetzt alle Gottesdienste durchdenken, uns fragen, wie wir sie lösen können, und auch neue Ideen entwickeln“, so Katrin Bessler-Koch.

Mit dem Gemeindegesang fehlt in der Corona-Krise ein essenzieller Bestandteil

Schwierigkeiten mit geringem Platz hat man auch in der Evangelischen Kirche in Kappelrodeck, deshalb sei man froh über ökumenische Feiern, wie Pfarrer Andreas Moll sagt. „Belastend“ sei auch, dass mit dem nicht erlaubten Gemeindegesang ein essenzieller Bestandteil fehle.

Damit der Kontakt zu den Menschen, die lieber noch zu Hause bleiben, nicht abreiße, verschicke man geistliche Impulse per Brief oder E-Mail. „Dabei habe ich den Eindruck, dass so ein intensiverer Austausch stattfindet mit mehr Rückmeldungen zu Bibeltexten und eigenen Ideen als das sonst der Fall war“, sagt Moll.

Live-Übertragung noch bis Mitte Juli

Der im Internet gestreamte Gottesdienst der Katholischen Seelsorgeeinheit in Achern, der auch weit über die Region hinaus ein großes Medienecho erlebte, wird noch bis zum Patroziniumsfest in Fautenbach am 12. Juli beibehalten. Danach soll wieder nach der normalen Gottesdienstordnung gefeiert werden – zumindest, was die Zahl der Termine angeht, sagt Pfarrer Joachim Giesler.

Hintergrund sei, dass man wieder ermöglichen wolle, in Gottesdiensten namentlich verstorbenen Familienmitgliedern zu gedenken. Fraglich sei in der Corona-Situation auch, wie eine „gottesdienstliche Atmosphäre“ entstehen könne, wenn man nicht eng beieinander in den Bänken sitzen dürfe. Obwohl in den Gottesdiensten im Moment vieles anders oder „seltsam“ wirke, seien viele Besucher froh, dass sie überhaupt wieder stattfinden, so Giesler.

Die einzelnen Gemeinden müssen Schritt für Schritt ausloten, welche Erweiterungen der Angebote möglich sind.

Georg Schmitt, Dekan des Dekanats Acher-Renchtal

Nicht nur bei den ausgefallenen Erstkommunionfeiern, bei Taufen oder Hochzeiten, sondern auch bei Angeboten wie Ferienlagern im Sommer müsse über Ausweichtermine beziehungsweise Alternativen nachgedacht werden. „Die einzelnen Gemeinden müssen Schritt für Schritt ausloten, welche Erweiterungen der Angebote möglich sind“, sagt Georg Schmitt, Dekan des Dekanats Acher-Renchtal. „Was in den kommenden Monaten möglich sein könnte, ist schwer zu sagen, weil es keine neuen Vorgaben gibt“.

Fronleichnam wird in den katholischen Kirchengemeinden der Erzdiözese Freiburg in diesem Jahr ohne die üblichen Prozessionen gefeiert. Vielerorts gibt es aber Gottesdienste und stellvertretend einen Blumenteppich. Teilweise können dafür Blumen und Blütenblätter mitgebracht und an den Teppich gelegt oder vorab in den Gemeinden abgegeben werden, um so ein Gemeinschaftswerk zu schaffen. „Stationenwege“ mit geistlichen Impulsen erinnern in einigen Gemeinden an den Prozessionsweg.