Nähmaschinen Hog
Zwischenlager: Die große Nachfrage nach Nähmaschinen-Reparaturen ist der Grund, warum viele Maschinen statt in der überfüllten Werkstatt nun im Laden gelagert werden müssen, zeigen Peter Hog und Mitarbeiterin Angelika Scholer. | Foto: Stefanie Prinz

Selbstgenähte Stoffmasken

Corona-Krise macht Nähen zum Trend: Geschäft mit Nähmaschinenreparaturen brummt

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Existenzängste, Umsatzeinbrüche und Kurzarbeit bringt die Corona-Krise in beinahe ausnahmslos allen Branchen mit sich – das Gegenteil ist bei Nähmaschinen Hog in Achern der Fall: Hier ist die Zahl der Kunden jüngst geradezu explodiert. Weil immer mehr Menschen selbst Schutzmasken aus Stoff nähen, sei sein Unternehmen zum „systemrelevanten Corona-Gewinner“ geworden, sagt Peter Hog.

Nähmaschinen, Kurzwaren und Wolle werden hier angeboten, dazu kommt eine eigene Reparatur-Werkstatt. Gerade in Letzterer stapeln sich die Aufträge derzeit. In „normalen“ Zeiten werden im Durchschnitt 80 Reparaturen pro Woche abgearbeitet – während der Corona-Krise waren es auch schon einmal 200 in einer Woche. „Kürzlich haben wir an einem einzigen Tag 25 Nähmaschinen in den Laden bekommen, die nach dem vielen Nähen zur Inspektion müssen“, sagt Hog. „Einige Kunden haben aber auch neue Nähmaschinen fürs Maskennähen gekauft“.

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Große Anfrage nach Reparaturen

Angefangen habe der Aufschwung, als alle Läden geschlossen wurden; im Laden sei man in Kurzarbeit gegangen, in der Werkstatt habe man sich gerade darauf vorbereitet, die Geschäfte – eben wie überall sonst – ausklingen zu lassen, berichtet Hog. Zwei, drei Tage nach der Schließung sei es dann losgegangen und die Anfragen für Nähmaschinen-Reparaturen von Tag zu Tag mehr geworden.

Kunden müssen sich etwas gedulden

Als der Laden wieder öffnen durfte, seien die Zahlen dann noch einmal in die Höhe geschossen. Zu den Kunden gehört neben Firmen und Privatpersonen in diesen Zeiten unter anderem auch die Masken-Nähgruppe im Acherner Krankenhaus, für die man anfangs einen besonders schnellen „Sonderservice“ eingerichtet hatte. Ansonsten ist im Moment eher Geduld gefragt: „Die Kunden hoffen darauf, dass sie ihre Maschine am nächsten Tag wiederbekommen, jetzt dauert das aber eher zwei bis drei Wochen“, sagt Hog. Das sieht auch, wer das Geschäft betritt, denn dort türmen sich die Maschinen, für die es in der Werkstatt schon keinen Platz mehr gibt.

Nähmaschine
Inspektion: Nach häufigem Nähen müssen die Nähmaschinen auch einmal gewartet
werden – das häuft sich, weil viele Menschen selbst Stoffmasken herstellen.
| Foto: Mario Gentzel

„Außerdem kommen die Leute und kaufen Gummiband für die Masken“, sagt Peter Hog, denn online sei das kaum mehr möglich. „Wir sind wohl eines der wenigen Geschäfte in Baden-Württemberg, die das machen können. Gummiband ist das neue Klopapier“, meint er schmunzelnd.

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Auch, um Nähmaschinennadeln zu beschaffen, seien größere Anstrengungen nötig gewesen – die Großhändler seien beim Material im Rückstand. Sogar Baumwollstoff sei inzwischen mitunter schwer zu bekommen, besonders in Schwarz oder Weiß. Nach einem Lämpchen für ein bestimmtes Nähmaschinenmodell fragt an diesem Morgen zum Beispiel eine Kundin, und erfährt, dass das gesuchte Stück nicht mehr hergestellt wird.

„Näh-Trend“ wird wohl noch andauern

Beinahe im Minutentakt geht es hier voran, zwei Kunden sind jeweils im Geschäft, davor wartet der nächste, und hinaus geht es durch den Hintereingang. „Viel Arbeit ist gut, zu viel ist aber stressig“, sagt Peter Hog, der den 1951 gegründeten Betrieb in dritter Generation führt. Zwei Personen sind hier in der Werkstatt tätig, fünf im Laden. Hog vermutet, dass der Ansturm langsam abflachen, der „Näh-Trend“ aber dennoch andauern wird: „Mit ein oder zwei Masken kommt man ja nicht weit, und ich denke, dass die Maskenpflicht noch länger anhalten wird“.

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