Der Bauboom ist ungebrochen. Auch in der Berliner Straße in Achern entstehen neue Wohnungen. | Foto: Roland Spether

Wohnungen nach wie vor gefragt

Corona lässt den Immobilienmarkt in Achern kalt

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Ist der Acherner Immobilienmarkt immun gegen das Coronavirus? Fragt man die Experten, könnte dieser Eindruck durchaus entstehen. Klar ist: Den allgemein beklagten Mangel an Wohnungen gibt es nach wie vor, und auch die Baupreise sind keineswegs im Sinkflug. Also wird sich nach Einschätzung der vom ABB in einer nicht repräsentativen Umfrage gehörten Investoren und Marktbeobachter in absehbarer Zeit trotz der Krise an den Preisen wenig ändern.

 

Die kannten seit Jahren nur eine Richtung – nach oben. Sagt Christian Bruder, Immobilienmakler der Sparkasse Offenburg/Ortenau. Er muss es wissen, arbeitet er doch seit mehr als drei Jahrzehnten in diesem Bereich. Nach einer kurzen Pause zu Beginn der Corona-Krise hat er wieder alle Hände voll zu tun. Er spricht von einer „Riesen-Nachfrage“ nach Immobilien: „Die Leute wollen kaufen. Alles, was es gibt.“ Allerdings ist das Angebot überschaubar: Neubauwohnungen für Kapitalanleger sind derzeit rar. Allerdings gehe die Mehrzahl der verkauften Einheiten an Eigennutzer.

Günstige Kredite locken

Die Beobachtungen Bruders bestätigen auch Insa Bechtel und Frank Ganteführer von Dhonau Immobilien GmbH. Nach einer „Schockstarre“ zu Beginn der Krise stehe fest: „Aus unserer Sicht ändert Corona nichts daran, dass die vielen Kaufinteressenten nach wie vor gerne eine Immobilie erwerben würden.“ Dabei seien „teilweise nie dagewesene supergünstige Kreditangebote“ hilfreich. Natürlich haben sich auch Bechtel und Ganteführer im Umgang mit den Kunden umstellen müssen: Beratungen und Besprechungen erfolgen digital, es gibt 360-Grad-Videoproduktionen sowie Besichtigungen per Video.

Digitalisierung Vorschub geleistet

Das gilt auch für das Immobilienbüro der Volksbank in Achern: „Corona hat auch im Immobiliengeschäft die Digitalisierung noch weiter vorangetrieben“, heißt es. Grundsätzlich verlaufe der Verkauf von Häusern und Wohnungen nach wie vor auf „hohem Niveau“.

„Haben keine Glaskugel“

Einen fundierten Ausblick in die Zukunft des Immobilienmarkts will niemand abgeben: „Wir haben leider keine Glaskugel“, heißt es bei Dhonau. „Außer Frage steht jedoch für uns, dass Immobilien heute und auch in Zukunft eine perfekte Möglichkeit darstellen, sein Geld gut anzulegen und dadurch eine gute finanzielle Sicherheit zu haben“, so Insa Bechtel und Frank Ganteführer. Bei der Volksbank ist von einer „Seitwärtsbewegung“ der Immobilienpreise die Rede: „Eine Steigerung der Preise, wie wir sie in der Vergangenheit beobachtet haben, sehen wir momentan nicht.“

Angst vor der Inflation?

Eine Glaskugel hat auch Udo Holler nicht: Mit seiner Sasbacher Solidbau-Baugesellschaft baut und vermarktet er hauptsächlich Eigentumswohnungen, die sich auch nach seinen Beobachtungen nach wie vor einer großen Nachfrage erfreuen. Eine Rolle spielt nach seiner Ansicht ein verstärkter Trend zum „Betongold“. Er meint mit Blick auf die vom Staat mobilisierten milliardenschweren Corona-Hilfsprogrammen: „Die Leute haben wohl Angst vor der Inflation.“

„Gewisse Verunsicherung“

„Ich glaube nicht, dass die Preise fallen“, sagt auch Thomas Mertz. Der Acherner Unternehmer („Intensivbau“) ist bekanntlich einer der größten Investoren im Raum Achern und wird voraussichtlich am 1. Juli auf dem ehemaligen Süwag-Gelände den ersten Spatenstich für den Bau von 159 Wohnungen setzen. Sie kommen innerhalb von voraussichtlich zwei Jahren auf den Markt, stehen allerdings nicht zum Verkauf, sondern werden vermietet. Mertz sieht im Gegensatz zu anderen Marktbeobachtern derzeit „eine gewisse Verunsicherung“ bei potenziellen Immobilien-Käufern. Er geht aber nicht davon aus, dass das Auswirkungen auf die Immobilienpreise hat: „Bei den Handwerkern sind die Auftragbücher voll.“ Auf diesem Sektor gibt es andere Schwierigkeiten, weiß Mertz: „Die Frage der pünktlichen Lieferung von Baustahl aus Norditalien ist derzeit auf den Baustellen ein großes Thema.“

„Vorübergehende Delle“

„Scharf kalkuliert“ hat auch die Stuckert Wohnbau AG: Deshalb glaubt auch Prokurist Aribert Frece nicht an sinkende Immobilienpreise. Das südbadische Unternehmen wird in den nächsten Tagen an die Realisierung eines umfangreichen Wohnbauprojekts auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte in Achern gehen – planmäßig, wie Frece sagt. Die Nachfrage nach Wohnungen sei nach wie vor positiv: Corona sorge allenfalls für „eine vorübergehende Delle.“