ABB Achern | Foto: red/esp

Acherner Amtskette aus NS-Zeit

„Das Amt hängt nicht an der Kette“

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Immer wieder sorgen Amtsketten von Bürgermeistern und Oberbürgermeistern für Aufsehen – entweder weil sie besonders spektakulär sind oder auch weil manche eine NS-Vergangenheit aufweisen. Auch hinter den Ketten in der nördlichen Ortenau steckt so manche interessante Geschichte.

Jüngstes Exemplar in Sasbach

Das jüngste Exemplar im Umkreis gibt es in Sasbach, wie der Obersasbacher Ortsvorsteher Rudi Retsch erzählt. Er sagt: „Wir hatten bis zur 1250-Jahr-Feier überhaupt keine Amtskette.“ Zumindest sei aus der Zeit davor nichts bekannt – in den Archiven habe er auch keine Hinweise gefunden. Zum Anlass der Feier gestaltete ein Künstler eine Kette und übergab sie an den damaligen Sasbacher Bürgermeister Ewald Panther. Das Jubiläum war allerdings auch das einzige Mal, dass sie sich ein Sasbacher Bürgermeister umhängte.

Ewald Panther mit der Amtskette im Jahr 2000. Archivfoto: sp

Aus Anlass der 1250-Jahr-Feier wurde die Amtskette in Sasbach hergestellt. Foto: red

Amtsketten fristen häufig ein Nischendasein

Ohnehin scheinen die meisten Amtsketten eher ein Nischendasein zu fristen. „Ich brauche es nicht unbedingt“, antwortet Seebachs Bürgermeister Reinhard Schmälzle auf die Frage, ob er die Kette trage. Auch sein Vorgänger Gerhard Bär habe sie nie getragen und ohnehin sei sie „optisch angegriffen“. Nicht ganz so selten das Tageslicht erblickt das 118 Gramm schwere Kappelrodecker Exemplar. Zwei bis drei Mal habe er sie in den vergangenen neun Jahren getragen, erinnert sich Stadtoberhaupt Stefan Hattenbach – zum Beispiel beim offiziellen Neujahrs- und Bürgerempfang. Eine Regel gebe es aber nicht. Hattenbachs Vorgänger Klaus-Peter Mungenast erinnert sich: „Ich habe sie selten getragen, beim Gemeindejubiläum 1999 etwa mit einem historischen Kostüm oder bei der Trauung eines Gemeinderates.“ Bei Vorvorgänger Erich Hausmann kam sie wohl bei Trauungen zum Einsatz.

 

Die Kappelrodecker Amtskette. Foto: red

Rheinau und Sasbachwalden ohne Amtsketten

Keine Amtskette besitzt die Stadt Rheinau, erklärt Hauptamtsleiter Thomas Bantel. Wahrscheinlich verschollen ist die Renchener Kette. Bürgermeister-Stellvertreter Heinz Schäfer erzählt: „Es gab wohl eine.“ Sie sei aber nicht mehr auffindbar. Zur Jubiläumsfeier 2015 sei nochmals überlegt worden, eine anzuschaffen, aber: „Das Amt hängt nicht an der Kette.“
Verschwunden ist auch die Kette aus Sasbachwalden. Im Jahr 2015 sei im Gemeinderat debattiert worden, ob eine neue angeschafft werden soll, berichtet Bürgermeisterin Sonja Schuchter. Ein langjähriger Feriengast habe sogar angeboten, sich an den Kosten zu beteiligen, trotzdem entschied sich der Rat am Ende dagegen.

Archiv gibt Auskunft über Geschichte der Amtsketten

Ebenso verschollen ist das Laufer Schmuckstück. Bürgermeister Oliver Rastetter meint allerdings, es habe bis in die 60er Jahre eine existiert, die nicht mehr auffindbar ist. Zudem findet sich im Archiv der Gemeinde Lauf im Stadtgeschichtlichen Institut in Bühl noch eine Akte vom 6. Oktober 1925, die auch die Geschichte der Amtsketten in vielen anderen Gemeinden erklärt. Aus ihr geht hervor, dass alle badischen Gemeinden vom Innenministerium aufgefordert wurden, eine Amtskette „in der nunmehr vorgeschriebenen Form auf eigene Kosten zu beschaffen“. Zu sehen sei „auf der Vorderseite das badische Staatswappen, von einem Greifen gehalten“, auf der Rückseite trage sie „den Gemeindenamen oder das Gemeindewappen“.

Medaillon gegen Hakenkreuz-Anhänger getauscht

Die Ausführung mit Namen sollte 14,90 Mark kosten, mit Wappen 19,70 Mark. Marco Müller vom Stadtgeschichtlichen Institut bestätigt: „Das betraf ganz Baden.“ Ausnahmen habe es nur für Städte gegeben, die schon zuvor eine regelkonforme Amtskette hatten. Dem Erlass der badischen Staatsregierung folgend, beschaffte Oberachern eine Amtskette sowie auch Achern unter Bürgermeister Wilhelm Schechter, erklärt Stadtpressesprecherin Helga Sauer. Vermutlich Bürgermeister Richard Kraemer habe dann beim Acherner Exemplar das Medaillon gegen einen Hakenkreuz-Anhänger getauscht. Die beiden aus 800er Silber gefertigten Ketten lagern nun im Sammlungsbereich Orden und Ehrenzeichen im Stadtarchiv. Zumindest für das Acherner NS-Modell dürfte dies dem Giftschrank der Geschichte gleichkommen.

 

Aus Silber besteht die Amtskette der ehemals selbstständigen Gemeinde Oberachern. Foto: red