Hans-Jürgen Decker Bürgermeisterwahl
Auf den Stufen vor dem Rathaus in Ottenhöfen stand Hans-Jürgen Decker schon so manches Mal – in der Verwaltung ist er seit insgesamt 28 Jahren tätig. | Foto: Stefanie Prinz

Vor der Wahl im Gespräch

Ottenhöfens Bürgermeister: „Ich bin an jedem Tag gern zur Arbeit gegangen“

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Eine erste Amtszeit im Chefsessel des Rathauses von Ottenhöfen hat Hans-Jürgen Decker hinter sich, nun bewirbt er sich für eine zweite – und dabei ist er der einzige Kandidat. Am Sonntag, 21. Juli, haben die Ottenhöfener von 8 bis 18 Uhr Zeit, ihren Bürgermeister für die nächsten acht Jahre zu wählen. Etwa gegen 19 Uhr wird mit dem Ergebnis gerechnet, das dann in der Schwarzwaldhalle bekanntgegeben wird. Im Interview spricht Decker über bisherige Erfolge und seine Pläne.

Von insgesamt 28 Jahren in der Verwaltung waren Sie nun acht Jahre Bürgermeister – was war in dieser Zeit der für Sie größte Erfolg?

Hans-Jürgen Decker: Da gab es einiges, ganz aktuell der erste Bauabschnitt des Geh- und Radwegs. Dieses Projekt hatte mein Vorgänger schon angepackt, aber es ist immer entweder an der Finanzierung oder an den Grundstückseigentümern gescheitert. Dass wir das nun geschafft haben, ist sehr erfreulich, vor allem sind wir sehr dankbar für die Kostenübernahme durch das Land – sonst hätte es auch jetzt nicht geklappt. Ebenfalls sehr positiv war, dass wir es geschafft haben, alle unsere Feuerwehrfahrzeuge zu verjüngen, aber auch, dass wir den Landwirtschaftlichen Erlebnispfad umsetzen und 2015 einweihen konnten. Wichtig war auch der Umbau unseres Dorfplatzes, des Kurgartens, um den Ort zu öffnen: Früher fuhr man durch das Dorf, links und rechts die Häuser, beim Kurgarten die Bäume, und dann war man schon wieder aus dem Ort draußen, ohne, dass man wirklich etwas davon gesehen hatte. Ich bin einer der glücklichen Menschen, die keinen Tag hatten, an denen man nicht gern zur Arbeit geht. Deshalb habe ich mich aus Überzeugung für eine zweite Amtszeit beworben.

Als Sie 2011 Ihre Bewerbung abgegeben haben, war der Schwerpunkt darin Ihre „Agenda 2020 – Netzwerk für die Zukunft“. Nun haben wir das Jahr 2019 – wie bewerten Sie das Ergebnis dieser Bemühungen bis heute?

Decker: Sehr positiv hat sich der Zusammenhalt verändert, das Wir-Gefühl. Das war mir damals schon wichtig und ist es auch heute noch. Zum Beispiel wurde gemeinschaftlich das Vereinsheim in Furschenbach saniert: Wir konnten als Gemeinde Impulse geben, und die Vereine sind auf den Zug aufgesprungen und haben sich eingebracht. Genauso machen wir es im Moment mit der alten Schule in Ottenhöfen. So muss es in einem kleinen Ort auch sein. Wir als Gemeinde unterstützen gern, aber können nicht alles allein richten. Vor Kurzem gab es wieder den Rathausbesuch unserer Drittklässler. Dabei frage ich die Kinder immer, wer die Gemeinde überhaupt ist. Dann sagen sie „der Bürgermeister“, „der Bauhof“, „der Gemeinderat“ oder „das Schwimmbad“, und irgendwann sagt jemand „auch wir“. Ich finde wichtig, dass auch Kinder verinnerlichen: Gemeinde sind wir alle. Jeder hat die Gelegenheit, sich einzubringen, und nur so kann eine lebendige Dorfgemeinschaft geschehen. Da sind wir in den vergangenen acht Jahren wirklich noch einmal ein ganzes Stück weitergekommen.

Das immerwährende Thema Verkehrslärm ist bei der Kandidatenvorstellung Anfang Juli angesprochen worden. Das Bundesamt für Straßenverkehrswesen prüft, ob es sich in Ottenhöfen um Maut-Ausweichverkehr handelt. Liegt das Ergebnis inzwischen vor?

Decker: Wir rechnen im Herbst damit. Über die L87 fahren im Schnitt 8 000 Fahrzeuge und 750 Lastwagen täglich durch den Ort. Davon betrifft geschätzt ein Drittel die hiesigen Betriebe. Bei allen anderen stellt sich die Frage: Sind es reine Zulieferer oder nutzen sie die kürzeste Verbindung von Ost nach West? Das Thema wird also noch spannend.

Ein weiteres Verkehrsthema: Der erste Abschnitt des Achertalradwegs ist eröffnet worden, es gab viel Lob und die Zusage des Landes zur weiteren Unterstützung. Der größte Teil des Projekts steht aber erst noch bevor. Was werden jetzt die nächsten Schritte sein?

Decker: Für uns war dieser erste Abschnitt als „Blaupause“ wichtig, auch für die Behörden, sodass wir jetzt die weiteren Abschnitte angehen können; der nächste ist der Verbindungsweg zwischen Kappelrodeck und Furschenbach. Die Ausschreibung ist erfolgt, dieser Teil wird im Spätjahr angegangen.

Hans-Jürgen Decker Bürgermeisterwahl
Für das Bürgermeisteramt verpflichtet wurde Hans-Jürgen Decker im Oktober 2011 – hier mit dem damaligen Gemeinderat Otto Schnurr. | Foto: Hilmar Walter

Ein anderer Bereich der Infrastruktur: In der Nachbargemeinde Seebach soll der Breitband-Netzbetrieb im Herbst starten. Sie haben bei der Kandidatenvorstellung angekündigt, in Ottenhöfen möglichst viele Menschen mit schnellem Internet versorgen zu wollen. Wie geht es damit weiter?

Decker: Seebach ist an das Netz Mittelbaden angeschlossen, wir sind mit dem Kreis und 45 weiteren Kommunen bei der Breitband Ortenau GmbH, die für uns alles mit dem Land abwickelt. Bei allen Tiefbaumaßnahmen bauen wir die Leerrohrinfrastruktur mit ein, zum Beispiel auch im neuen Radwegabschnitt. Wir planen eine größere Straßensanierung über drei Kilometer im Bereich Wolfersbach, diese wiederum ist die Verbindung in Richtung des Lautenbacher Netzes. Mit der Verbindung nach Kappelrodeck, die 2012 hergestellt wurde, sind wir somit in der Netzinfrastruktur an alle drei Nachbarkommunen angebunden. Für uns ist auch innerorts das Ziel, den Glasfaserausbau voranzutreiben – aber es muss natürlich irgendwie finanzierbar sein.

Stichwort Gewerbe: Immer wieder sind in der Vergangenheit Betriebe aus dem Achertal abgezogen. Wo wäre weiteres Gewerbe möglich, wo könnten Betriebe sich erweitern?

Decker: Rein topografisch befinden sich die Flächen, die tatsächlich für Gewerbe geeignet wären, im Talgrund – dort sind aber auch die Acher, die L87 und die Eisenbahnlinie. Insofern ist der tatsächlich vorhandene Platz sehr gering, deshalb sind wir froh, dass wir außerdem mit sieben anderen Kommunen mit dem Interkommunalen Gewerbegebiet in Achern befasst sind. Wenn eine Firma abwandert, weil sie nicht den Platz hat, um sich zu vergrößern, muss unser Ziel sein, diesen Standort „wiederzubeleben“. Zusätzliche Gewerbegebiete auszuweisen, wird sehr schwierig sein, vor allem, weil sich dann gleich eine Konkurrenz zur Wohnbebauung ergibt, für die es auch recht wenige Möglichkeiten gibt, weil es ja dieselben möglichen Flächen betrifft.

Dem neuen Windatlas zufolge gibt es in Baden-Württemberg mehr windkrafttaugliche Flächen als bisher angenommen. Könnten in Zukunft auch in Ottenhöfen Windräder zum Landschaftsbild gehören?

Decker: Das muss man sehen. 83 Prozent unserer Flächen haben einen Schutzgebietscharakter; pro Windrad muss mindestens ein dreiviertel Hektar Fläche abgeholzt werden. Die Frage ist, wie sich das eine mit dem anderen verbinden lässt. Wir haben uns auch schon mit dem ersten Windatlas intensiv befasst: Von unserer Talstruktur her haben wir nicht wirklich Gebiete, in denen es Sinn hat, Windräder aufzustellen.

Der Tourismus spielt wie in vielen Schwarzwaldgemeinden auch in Ottenhöfen eine wichtige Rolle. Sie sagten, dass Sie das „Mühlendorf“ als touristische Marke stärken wollen. Wie könnte das konkret aussehen?

Decker: Der erste Schritt ist schon sehr gut durch das Mühlen- und Brückenbauer-Team des Schwarzwaldvereins und des Trachten- und Volkstanzgruppe gelungen. Vor acht Jahren war das große Thema, dass viele Mühlräder sich nicht mehr gedreht haben, weil sie kaputt waren. Jetzt haben wir wieder junge Menschen, die sich diese alten Techniken angeeignet haben – dank ihnen funktionieren die Mahlmühlen wieder. Außerdem haben wir den Mühlenrundweg, der auch überregional bekannt ist und den die Menschen gern in Anspruch nehmen. Das sehen wir ganz besonders am Deutschen Mühlentag. Im Zusammenhang mit dem Radweg haben wir es außerdem geschafft, dass die Kopp-Mühle über die neue Bedarfsampel und die Brücke erreichbar ist, die das Brückenbau-Team in Zusammenarbeit mit der Gemeinde errichtet hat. Auf diese Dinge kann man aufbauen, sodass wir uns zum Beispiel auch im Verbund der Nationalparkregion positionieren können werden, deren Gründung bevorsteht.

Hans-Jürgen Decker Bürgermeisterwahl
Die Brücke zur Kopp-Mühle war eines der Projekte von Freiwilligen – hier beim Bau im Oktober 2018. | Foto: Hilmar Walter

Im Wahlkampf vor acht Jahren sagten Sie, dass sich das Ortsbild ändern solle, vor allem für die Ottenhöfener, denen es hier gefallen müsse. Ist Ihnen das seitdem gelungen?

Decker: Teilweise. Wir konnten das Ortsbild, wie schon gesagt, durch die Umgestaltung des Kurgartens öffnen. So sieht man, dass da noch mehr ist als „nur“ die Ruhesteinstraße. Außerdem hat sich die Gemeinde beteiligt, als die katholische Kirchengemeinde den Kirchplatz umgestaltet hat. Es wurden Parkplätze, Sitzmöglichkeiten und Stufen angelegt, außerdem gibt es eine neue Bepflanzung. Jetzt sind wir im Bereich der evangelischen Kirche dabei, eine neue Zufahrt zum Friedhof zu gestalten, und wollen in diesem Zuge auch die Grünflächen neu anlegen. Auch der Einmündungsbereich Edelfrauengrabstraße/L87 wurde umgestaltet. So arbeiten wir uns schrittweise vor. Dass es noch viel zu tun gibt, ist gar keine Frage. Aber es trägt auch zum Ortsbild bei, wenn die Anwohner ihre Häuser in Schuss halten – so kann jeder mitwirken.

Und was kann getan werden, damit es gerade jüngeren Menschen in Ottenhöfen auch gefällt?

Decker: Wir haben 34 Vereine, viele davon machen eine sehr gute Jugendarbeit. Die Schnittmengen in einer kleineren Gemeinde sind größer – vielleicht ist jemand zum Beispiel nicht nur im Fußball- oder Handballverein, sondern auch noch im Skiclub, im Schachclub oder einem musizierenden Verein. Wichtig ist, dass man sich im Vereinsleben einbringen und dort auch Erfolge feiern kann. Außerdem finden viele Feste statt, bei denen es auch immer Attraktionen für Jugendliche gibt.

Mit nur einem Kandidaten wird der Ausgang der Wahl keine allzu große Überraschung werden. Welches Thema wird danach als erstes auf Ihrer „To-Do-Liste“ stehen?

Decker: Für mich als Privatperson ist die Familie dann maßgeblich, denn die musste in der letzten Zeit doch des Öfteren auf mich verzichten. Für die Gemeinde ist es jetzt nach der Kommunalwahl, durch die wir nun vier neue Gemeinderatsmitglieder haben, wichtig, alle mitzunehmen und die anstehenden Dinge auf die Schiene zu bringen. Ein Projekt, das schon einmal im Jahr 2006 Thema war und dann etwas in Vergessenheit geraten ist, sind die Sicherungsmaßnahmen am Bahnübergang Ottenhöfen West. Die Höfnerbrücke wurde neu gemacht und wesentlich breiter ausgebaut, was Voraussetzung war, dass man Halbschranken zur Sicherung des Bahnübergangs anbringen kann. Wenn es nach uns geht, soll das noch dieses Jahr angegangen werden. Von dieser Maßnahme, die etwa 680 000 Euro kosten wird, haben wir nach Abzug der Förderung durch das Land Baden-Württemberg dann circa 60 000 Euro zu tragen. Auch die Fortsetzung des Geh- und Radwegs ist wichtig, ebenso das Thema Infrastruktur generell. Die Aufgaben gehen uns nicht aus.

Zur Person: 
Der amtierende Bürgermeister ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne und zwei Töchter. Der gebürtige Offenburger wuchs in Ottenhöfen auf und ist heute neben dem Beruf vor allem musikalisch aktiv: als Dirigent und Organist. Nach dem Abitur 1991 am Gymnasium Achern begann Decker die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Ottenhöfen und arbeitete dort in verschiedenen Bereichen des Hauptamtes. 2008 wurde er Verwaltungsfachwirt mit der Fachrichtung Kommunal- und Landesverwaltung. Decker sitzt zudem seit 2014 für die CDU-Fraktion im Kreistag des Ortenaukreises. Darüber hinaus ist er Beisitzer im Förderverein Ortenau Klinikum Achern. Die Bürgermeisterwahl am 7. August 2011 hatte der Grundbuchratsschreiber und Standesbeamte im zweiten Wahlgang mit 56,3 Prozent der gültigen Stimmen für sich entschieden. Er wurde damit am 1. Oktober Nachfolger von Dieter Klotz, der nicht mehr angetreten war.