Unterschiedliche Gründe haben nach Ansicht der Stadtverwaltung zu Schließung von Geschäften geführt. Stadt und Werbegemeinschaft wollen deshalb nicht von einem „Leerstand“ sprechen. | Foto: Michael Moos

Kein Leerstand in Achern?

„Der Markt verändert sich“

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Ein guter Branchenmix, krisenfest durch eine Vielzahl inhabergeführter Fachgeschäfte, dazu Parkplätze in großer Zahl: Der Einzelhandel im Mittelzentrum Achern ist von zentraler Bedeutung für die gesamte Region. Von Leerstand blieb die „Einkaufsstadt mit Herz“ bislang weitgehend verschont. Bahnt sich nach der angekündigten oder bereits vollzogenen Schließung mehrerer Geschäfte eine Wende an? Nein, meint Philipp Schäfer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Achern aktiv“: „Achern war, ist und bleibt ein attraktiver Standort ohne Leerstand.“

Nachfolgenutzungen absehbar

Tatsächlich gibt es derzeit Änderungen an der Struktur des Acherner Einzelhandels: Ein Sportgeschäft hat seine Pforten geschlossen, ebenso ein Anbieter hochwertiger Lederwaren. Betroffen sind ferner unter anderem eine Möbelfirma, ein Geschenkeladen, ein Schreibwaren-Spezialist und ein Modegeschäft. Philipp Schäfer verweist darauf, das immerhin in einigen Fällen bereits Nachfolgenutzungen absehbar sind. Dennoch sei es schmerzlich, dass es in Achern derzeit keinen Sportfachhändler und auch kein Lederwaren-Fachgeschäft mehr gibt: „Der Markt verändert sich“, weiß Schäfer. „Die Hersteller machen es dem Handel nicht immer leicht.“ Vorgegebene Abnahmemengen, die Hinwendung zur einer „Multikanalstrategie“ („Channelling“) und das jederzeit verfügbare Warenangebot im Internet fordern ihren Tribut. Außerdem gebe es auch im Einzelhandel Unternehmen, deren Inhaber schlicht keine Nachfolger finden.

Kunden fahren gern nach Achern

Gemäß einer Untersuchung ist Achern unter den Städten vergleichbarer Größe der erfolgreichste Einzelhandels-Standort im Südwesten. Darauf ist Schäfer stolz: „Die Kunden fahren gern zum Einkaufen nach Achern.“

Stadt kann helfen

Doch man will sich auf den Lorbeeren nicht ausruhen: „Die Unternehmen tun alles dafür, dass das so bleibt.“ Helfen kann dabei auch die Stadt, sagt Schäfer mit Blick auf den viel diskutierten Masterplan. So sei die Fortsetzung der Umgestaltung der Hauptstraße mindestens bis zum Klauskirchel „überfällig“, ebenso sei in Anbetracht der zu erwartenden Einwohner-Zuwächse ein Verkehrskonzept für den fließenden und den ruhenden Verkehr unabdingbar.

„Es darf gern grüner werden“

Doch es gehe nicht nur um die Erreichbarkeit der Innenstadt oder um ein funktionierendes Parkleitsystem – Schäfer wünscht sich auch gestalterische Akzente in der Innenstadt, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern: „Es darf gern grüner werden, aber es geht auch um die Möglichkeit, Veranstaltungen anzubieten.“ Dabei denkt der Vorsitzende von „Achern aktiv“ nicht zuletzt an die zentralen Plätze rund um das Rathaus Am Markt, sondern auch an den Adlerplatz. Die Acherner Geschäftsleute jedenfalls seien zur Mitarbeit bereit.

„Eher zufällig“

„Die derzeitigen Schließungen von Geschäften unterliegen unterschiedlichsten Gründen und sind eher zufällig auf einen gemeinsamen Termin gefallen.“ Wie die Werbegemeinschaft „Achern aktiv“ will auch die Stadtverwaltung nicht von einem drohenden Leerstand in der Innenstadt sprechen. „Nach wie vor sind mehr Anfragen nach Verkaufsflächen vorhanden als angeboten werden.“

Leerstandsmanagement nicht erforderlich

Auf Anfrage des „Acher- und Bühler Boten“ definiert die Stadt Leerstände als „Flächen, welche innerhalb von drei bis sechs Monaten bezugsfertig sein können.“ Eine reine Leerstandsanzahl sei wenig aussagekräftig, wenn man dies nicht gleichzeitig ins Verhältnis zur möglichen Verkaufsfläche setze. Ein „temporärer Leerstand“ sei als normaler Vorgang zu bezeichnen und nicht als problematisch anzusehen. Ein dauerhafter Leerstand von mehr als sechs Monaten sei als „struktureller Leerstand“ zu werten und könne nur durch ein Leerstandsmanagement bearbeitet werden. Nach Ansicht der Verwaltung sei gegenwärtig lediglich ein „konjunktureller Leerstand“ zu beobachten – ein Leerstandsmanagement brauche nicht erarbeitet zu werden.

Unterschiedliche Gründe

Zu den Schließungen von Acherner Fachgeschäften liegen nach Einschätzung von Wirtschaftsförderer Christian Zorn die verschiedensten Gründe vor. Zum einen kämen inhabergeführte Geschäfte zur Entscheidung, ob sie die Geschäfte schließen oder einem Nachfolger übergeben können. In anderen Fällen gehe es um gesundheitliche Belange, die eine Schließung nach sich ziehen. Weiter sei festzustellen, dass der Einzelhandel seine Angebotsstruktur deutlich verändert habe und andererseits auch das Kaufverhalten starken Veränderungen unterliege (zum Beispiel Internethandel). Die Anforderungen an ein vielschichtiges Angebot sowie eine optimierte Kostenstruktur könnte kleinere, individuell geführte Geschäfte oft nicht mehr erreichen. So komme es zur Anhäufung von gleichen Geschäften. Durch die Übernahme von Geschäftsräumen kommen ferner Ketten und Discounter zum Zuge, die sich die Mieten leisten können und eine günstigere Einkaufspolitik betreiben können als ein individuell geführtes Einzelhandelsgeschäft. Auch gebe es inzwischen Marken, welche nur noch in bestimmten Fachgeschäften vertrieben werden dürfen.

Aktive Wirtschaftsförderung

„Nach wie vor weist die Innenstadt von Achern einen überdurchschnittlich hohen Besatz an inhabergeführten Fachgeschäften auf. Diesen gilt es durch eine attraktive Innenstadt sowie eine aktive Wirtschaftsförderung zu unterstützen“, heißt es im Rathaus. Es gelte, die Menschen durch eine attraktive Innenstadt zu bewegen in Achern einzukaufen und sich hier aufzuhalten.

Onlineplattform für freie Flächen?

Bei Inhaberwechseln sei die Stadtverwaltung bemüht, Kontakte zu vermitteln. Desweiteren prüfe man, ob eine Onlineplattform für freie Verkaufsflächen installiert werden kann.