Winter
Ein beliebtes Reiseziel für Camper ist Sasbachwalden auch in der kalten Jahreszeit. | Foto: Dominic Körner

Wohnmobil-Fans in Sasbachwalden

Der Winter lässt erfahrene Camper kalt

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Überraschung beim Frühstück: Peter und Ilse Horn sitzen gerade bei Kaffee und Brötchen, als der BNN-Redakteur am Fenster klopft. Draußen ist es kalt, verschneit, ungemütlich. Das Kölner Ehepaar, das mit seinem Wohnmobil auf dem Stellplatz in Sasbachwalden steht, bittet hinein. Der Winter lässt sie kalt. „Wir sind das ganze Jahr über unterwegs, warum jetzt also nicht?“, sagt Peter Horn.

Warme Stube auf vier Rädern

Frieren müssen die Rheinländer in ihrem Wohnmobil nicht – im Gegenteil: „Vor fünf Minuten habe ich die Heizung runtergedreht, weil uns zu warm wurde“, erzählt Horn und blickt durch das schmale Fenster auf das verschneite Blumendorf. Fast 100 Liter Gas hat das Ehepaar an Bord, geheizt wird mit Warmwasser. Weil das Wohnmobil einen doppelten Boden hat, bleibt die Kälte draußen.

Alles an Bord – außer Fernseher

Die Wohnung auf vier Rädern ist gemütlich eingerichtet. Couch-Ecke mit Esstisch, Küche, Bad, Toilette und ein Doppelbett unter dem Dach – auf wenigen Quadratmetern fehlt es an fast nichts. „Nur beim Duschen müssen wir ein bisschen haushalten“, erzählt Ilse Horn. 250 Liter Wasser haben die Beiden dabei, auf einen Fernseher verzichten sie bewusst: „Der hält einen bei schlechtem Wetter nur davon ab, nach draußen zu gehen“, sagt Ilse Horn. Im Eisschrank lagert Vorgekochtes, meist geht das Paar aber essen.

Fahrt durch die Region

Seit Samstag sind die Horns in Sasbachwalden, auf Empfehlung ihres Sohnes. „Ein schönes Dorf“, findet Peter. Bislang waren sie im Kernort unterwegs, ins Höhengebiet zieht es die Kölner mit ihrem fünf Tonnen schweren Fahrzeug angesichts winterlicher Verhältnisse nicht. In Sasbachwalden wollen sich die Kölner erholen. „Wir sind schon seit Wochen in der Region unterwegs“, erzählt Ilse Horn. Das Paar war in Baden-Baden, Rheinmünster und im Elsass.“

Erinnerungen an Syrien

Vor 20 Jahren entdeckten die Horns das Wohnmobil für sich. Mehrere Monate im Jahr fahren die Rentner durch Deutschland, Europa und Nordafrika. Ihre Reisen führten sie nach Russland, Skandinavien und Jordanien. Oft verlassen die Horns ihre Heimat in Köln für viele Wochen am Stück. Auf der Krim waren sie vor der Krise, in Syrien vor dem Krieg – auch in Aleppo: „Alle Menschen waren sehr freundlich“, erinnert sich Ilse Horn. „Nie hätten wir gedacht, dass dort so etwas Schlimmes passiert.“

Strenge Kontrolle in Libyen

Weitere Ziele waren Ägypten, Marokko, Frankreich und Albanien. „In Europa waren wir schon überall“, berichtet Peter Horn. Bei weiten Fahrten schließt sich das Paar einer Reisegruppe an. Aufregend war ein Trip nach Libyen, wo die Wohnmobile aus Europa mit strengem Blick nach Flüchtlingen und Alkohol durchsucht wurden.

Die Wohnung steht leer

In Sasbachwalden geht es beschaulicher zu. Nach dem großen Andrang am verlängerten Wochenende standen gestern noch drei Wohnmobile auf dem Stellplatz hinter der Alde Gott Winzer eG. Eine Übernachtung mit Strom kostet neun Euro, „das ist günstig“, sagt Peter Horn.

Wir sind frei, ungebunden, spontan – einfach herrlich.

Dem Reisen mit dem Wohnmobil will das Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen auch im Alter treu bleiben: „Wir sind frei, ungebunden, spontan – einfach herrlich.“ Das Frühstück ist mittlerweile beendet. Eilig haben es die Horns nicht: „Wir lassen es ruhig angehen“, sagt Peter. Aufs Foto für die Zeitung will das Paar nicht. Aus Sicherheitsgründen, schließlich steht zu Hause – wie so oft – die Wohnung leer.