Schwere Unfälle wie diesen auf der A 5 gab es im Zuständigkeitsbereich des Offenburger Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr weniger als noch 2015. Die Zahl der Unfalltoten hat beinahe einen historischen Tiefststand erreicht. | Foto: Lukas Habura

Polizeipräsidium Offenburg

Deutlich weniger Verkehrstote

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Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg ist im vergangenen Jahr angestiegen. Dagegen verunglückten deutlich weniger Menschen tödlich als im Vorjahr. Dies geht aus der Verkehrsstatistik hervor, die das Polizeipräsidium am Freitag der Presse vorgestellt hat. Hauptunfallursachen sind demnach überhöhte Geschwindigkeit und Vorfahrtsverletzungen. Ein ernstes Problem bleiben die Handynutzung am Steuer und das Fahren ohne Gurt.

Zahl der Verkehrstoten sinkt deutlich

Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr im Präsidiumsbereich 17 838 Verkehrsunfälle (2015: 17 362). Dies entspricht einem Plus von 2,7 Prozent. Im Ortenaukreis stiegen die Unfallzahlen um 132 (Gesamt: 9 588), im Kreis Rastatt um 149 (5 246) und im Stadtkreis Baden-Baden um 64 (1 808). Auffällig ist präsidiumsweit ein deutlicher Rückgang der tödlichen Verkehrsunfälle von 46 auf 29.

Wir sind auf dem richtigen Weg

„Damit haben wir beinahe ein historisches Tief erreicht“, betonte Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Baden-Baden. In den vergangenen zehn Jahren gab es nur 2013 weniger Todesopfer (26). Ursächlich seien die „fruchtenden Kontrollen der Polizei und die technische Weiterentwicklung der Autos“. Westermanns Fazit: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Unfälle mit Personenschaden machen laut Statistik nur 15 Prozent der Gesamtzahl aus. Der Rest verteilt sich auf Kleinstunfälle (52 Prozent) wie Parkrempler und Unfälle mit (nennenswertem) Sachschaden (33 Prozent).

Zu schnelles Fahren bleibt Hauptursache

Hauptursache für Unfälle ist unverändert überhöhte Geschwindigkeit (21 Prozent) – bei Unfällen mit Personenschäden liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent. Auch Vorfahrtsverletzungen (20 Prozent) und zu geringer Abstand (15 Prozent) sind häufige Ursachen.

Zahlen präsentiert: Peter Westermann (links) und Polizei-Vizepräsident Reinhard Renter. | Foto: Dominic Körner

Bei 473 Unfällen waren im Präsidiumsbereich Alkohol oder andere Drogen im Spiel, 2015 waren es noch 436. Die Anstieg sei vor allem auf verstärkte Kontrollen zurückzuführen, so Westermann. Sein Eindruck sei, dass sich immer weniger Menschen alkoholisiert hinters Steuer setzten.

Gefährlicher Griff zum Handy

Dagegen greifen offenbar mehr Fahrer zum Handy. Die Zahl der dokumentierten Fälle stieg gegenüber 2015 um mehr als 60 Prozent auf 3 600 an. Erschreckend auch die Entwicklung beim Umgang mit dem Sicherheitsgurt: 2016 wurden 72 Prozent mehr Autofahrer ohne Gurt erwischt (insgesamt: knapp 13 000). Dies kann fatale Folgen haben: Laut Westermann war jeder vierte Unfalltote nicht angeschnallt. Er plädiert deshalb für eine technische Lösung, die das Starten des Motors nur erlaubt, wenn der Gurt eingerastet ist.

Probleme mit Aquaplaning

Auf der Autobahn gab es 2016 (1 196) mehr Unfälle als noch im Vorjahr (1 196). Ein Sorgenkind ist laut Westermann der Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Baden-Baden und der Tank- und Rastanlage Baden-Baden auf der Südfahrbahn. „Dort häuften sich Unfälle durch Aquaplaning“. Eine spürbare Verbesserung könnten nur bauliche Maßnahmen bewirken, etwa eine Veränderung der Fahrbahnneigung.

Experte für generelles Tempolimit auf Autobahnen

Grundsätzlich befürwortet Westermann ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Denn Unfälle entstünden vor allem dann, „wenn Verkehrsteilnehmer mit großen Geschwindigkeitsunterschieden aufeinandertreffen“. Generell gelte aber: „Auf der Autobahn ist das Risiko, in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt zu sein, sechs Mal geringer als auf Landstraßen oder innerorts“, so Westermann.

Motorradfahrer bleiben Risikogruppe.

Die Zahl der Motorradunfälle reduzierte sich von 439 auf 372 zwar deutlich (minus 15,3 Prozent). Dies hänge aber auch mit dem nasskalten Frühjahr zusammen, als viele Biker ihre Zweiräder stehen gelassen hätten. „Motorradfahrer bleiben eine Risikogruppe“, betonte Westermann.