Paketbote
Einen guten Draht pflegt Johannes Boschert zu vielen Kunden. Auch wenn er derzeit alle Hände voll zu tun hat, nimmt sich der Paketbote oft einen Moment für eine kurze Unterhaltung – hier bei Ursula Schnurr in Sasbach. | Foto: Dominic Körner

Sasbacher Paketbote im Vorweihnachtsstress

Die Besinnlichkeit bleibt auf der Strecke

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Die Schlagzahl ist hoch. Paket aus dem Auto, Paket an die Haustür. Klingeln, ein paar nette Worte, Übergabe. Zurück zum Auto, Motor an. 100 Meter beginnt das Spiel von vorne. „Derzeit ist die Hölle los“, sagt Johannes Boschert schnaufend, während er einen hastigen Blick auf die Ladefläche seines Transporters wirft. Dort stapeln sich die Päckchen. Heute sind es gut 100 Stück – Jahresrekord.

Adventszeit hat es in sich

Die Vorweihnachtszeit verlangt Boschert, dem Paketboten der Deutschen Post, alles ab. 850 Häuser liegen auf seiner Tour durch das Sasbacher Unterdorf, sieben Stunden dauert eine Fahrt. Mit dem Vorsortieren der Post beginnt Boschert um kurz vor sieben. Von ruhigen Tagen, in denen er täglich kaum mehr als 60 Pakete ausliefert, kann der 43-Jährige aktuell nur träumen.

Mit dem Scanner organisiert Johannes Boschert seine Tour und druckt Liefer-Benachrichtigungen aus.
Mit dem Scanner organisiert Johannes Boschert seine Tour und druckt Liefer-Benachrichtigungen aus. | Foto: Dominic Körner

Plätzchen gegen Päckchen

Seine Adventszeit ist wenig besinnlich, auch wenn es an der Haustür kurz vor dem Fest nicht nur bei warmen Worten bleibt. „Hin und wieder ist eine kleine Aufmerksamkeit drin“, erzählt Boschert. Und tatsächlich: Als die nächste Tür aufgeht, gibt es selbst gebackene Plätzchen für den Paketboten.

Beschäftigter Paketbote

Sein großes Arbeitspensum lässt sich Boschert im Umgang mit den Kunden nicht anmerken. Für einen Plausch nimmt er sich auch in der vorweihnachtlichen Hektik Zeit. Seit 1998 fährt er seine Route durch Sasbach, man kennt sich. Zu den meisten Kunden habe er ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, sagt Boschert. Ihm ist das wichtig, „weil ich den privaten Raum von Menschen betrete.“ Manchmal aber, wird der Ton rauer: „Wenn es Ärger über Verspätungen gibt, muss man auch schon mal als Blitzableiter herhalten.“

Die Hektik macht mir nichts aus.

 

Boschert, dessen Eltern beide bei der Post angestellt waren, ist lange genug im Job, um auch jetzt gelassen zu bleiben. „Die Hektik macht mir nichts aus“, sagt er. Im Gegenteil: „Ich liebe die Bewegung und den Kontakt zu den Kunden.“ Ist niemand Zuhause, wirft Boschert eine Benachrichtigung ein. „Aber geklingelt wird vorher immer“, versichert er.

Beschwerlicher Winter

Im Winter wird seine Arbeit für den Obersasbacher bisweilen ungemütlich. Noch gut erinnert sich Boschert an einen verschneiten Tag auf der Brandmatt, wo er mit Schneeketten und Spikes unter den Schuhen unterwegs war. „Ein heftiger Dienst“, räumt der Paketbote ein, „aber Kälte, Schnee und Eis gehören eben dazu“.

Neues Gefährt

Neuerdings ist Boschert meist mit einem Elektrofahrzeug unterwegs, das seine Arbeit deutlich erleichtert. Weil es nachts aufgeladen wird, „muss ich nicht ans Tanken denken“. Der „Streetscooter“ fährt geräuschlos, hat ein Automatikgetriebe und die Päckchen liegen bequem auf Hüfthöhe. „Schont den Rücken“, sagt Boschert und verweist auf die rasant steigenden Paketzahlen.

Kunden im Kaufrausch

Begünstigt durch den florierenden Internethandel, seien die Menschen „immer in Kauflaune“ – mit dem unweigerlichen Höhepunkt in der Vorweihnachtszeit. Dann heißt es: Paket aus dem Auto, Paket an die Haustür. Klingeln, ein paar nette Worte, Übergabe. Zurück zum Auto, Motor an. Und das alles noch ein bisschen schneller als sonst.