Giftköder
Mahnung zur Vorsicht: Immer wieder sind in der nördlichen Ortenau Giftköder aufgetaucht, die Hunde aufnehmen können. Oftmals ist Rattengift im Spiel. Foto: Gambarini | Foto: BNN

Giftköder um Achern

Die Häppchen sind oft gar nicht harmlos

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Eigentlich recht harmlos sehen die als Fleischhappen getarnten Giftköder für Hunde aus, die jedes Jahr um Achern gefunden werden. Doch die Fallen haben es in sich. In 70 Prozent der bei der Offenburger Polizei gemeldeten Fälle stellte sich der erste Verdacht als zutreffend heraus – sie waren mit Gift präpariert.

„Wir haben in diesem Jahr Köder gefunden, die pulverisiertes Rattengift, Angelhaken, Rasierklingen oder Nägel enthielten“, sagt Polizeihauptkommissar Alexander Ruf von der Hundestaffel beim Offenburger Präsidium. In mehr als zwei Dritteln der aufgeklärten Fälle handelte es sich um Rattengift. In Haferflockenform und rot gefärbt ist dieses im Internet frei erhältlich und eigentlich für das Töten von Ratten gedacht.

„Bei Hunden führt das Gift dazu, dass die Blutgerinnung gehemmt wird und sie verbluten. Das ist weniger schmerzhaft für die Tiere, sieht aber schlimm aus, weil nach etwa einer Woche aus allen Körperöffnungen Blut fließt“, erklärt Christian Brändle, Tierarzt aus Achern.

Köder sind oft aufwendig präpariert

Alexander Ruf vermutet Vorsatz hinter den Ködern. Ein so aufwendiges Präparieren sei für die Vergiftung von Ratten nicht notwendig. So stecken die tödlichen roten Haferflocken in Hackfleischbällchen oder als Pulver in Hühnerfleischstücken. Im ersten Halbjahr diesen Jahres wurden bereits sechs Fälle von Vergiftungen gemeldet. Die Zahl sei nicht signifikant höher als im Vorjahr, so Ruf. Im ersten Halbjahr 2017 wurden vier aufgenommen.

Eine Dunkelziffer kann Alexander Ruf nicht nennen. Hoch sei sie, weil Köderfunde oft nicht zur Anzeige gebracht werden. Menschen zu fassen, die Giftköder präparieren und verteilen, sei schwierig. „Die Aufklärungsquote für solche Fälle ist schlecht. Wir haben oft keine Anhaltspunkte für eine Täterschaft“, so Ruf.

Giftköder
Unscheinbar und gefährlich: Diese Giftköder hat die Polizei in Offenburg sichergestellt.

So ist noch keiner der aktuellen Köderverteiler dingfest gemacht. Im Vorjahr konnten immerhin zwei Täter aufgrund von Zeugenaussagen und dem Giftnachweis gefasst werden. Sie erhielten jeweils eine Geldstrafe.
Vor allem an Feldrändern, auf Waldwegen oder anderen beliebten Hundesauslaufstellen werden die Köder gefunden, sagt Ruf. Viele seien in der Nähe des Rheindamms gesichtet worden. Funde gab es in diesem und im vergangenen Jahr in Rheinau, Offenburg und Bühl, wie der ABB berichtete.

Achern blieb bisher verschont

Der Stadtkern von Achern blieb soweit verschont. „Wir haben Glück gehabt. Ich hoffe, das bleibt weiterhin so“, sagt Simone Frey, Betreuerin der Hundewiese, die der Tierschutzverein Achern gegenüber der Feuerwehr unterhält. Sie sorgt sich um die Vierbeiner, seit Funde von Giftködern aus der näheren Umgebung bekannt wurden. Betreuer anderer Hundewiesen hätten sie gewarnt.

Auch Alexander Ruf mahnt zur Vorsicht und rät, den Hund so zu trainieren, dass er unterwegs nichts frisst. Als Sachbearbeiter der Offenburger Polizeihundestaffel ist er selbst Tierhalter. „Ich persönlich finde es schlimm, dass es Menschen gibt, die Hunde gewaltsam schädigen“, sagt Ruf und weiß: „Sollte der Hund unterwegs etwas aufnehmen, dann gehen Sie unverzüglich zum Tierarzt.“