Autor und Herausgeber: Michael Karle (rechts) und Florian Hofmeister vom Förderkreis Forum Illenau.
Autor und Herausgeber: Michael Karle (rechts) und Florian Hofmeister vom Förderkreis Forum Illenau. | Foto: Michael Moos

Serie erscheint nun als Buch

Die Illenau als Spiegelbild deutscher Geschichte

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Von seinem Arbeitsplatz hat er den direkten Blick auf die Illenau. Die Sicht von Michael Karle auf die einstige Heil- und Pflegeanstalt in Achern umfasst freilich nicht allein die Wahrnehmung des schmucken Gebäudeensembles, sondern reicht viel tiefer: Der 60-Jährige hat im vergangenen Jahr zum 175-jährigen Bestehen der Illenau für den „Acher-und Bühler Boten“ die gesamte Geschichte aufgeschrieben. Die im zweiten Halbjahr 2017 in 25 Teilen veröffentlichte Artikelserie erscheint nun als mit zahlreichen historischen Fotos reichhaltig bebildertes Buch.

Gesamte Geschichte niedergeschrieben

Michael Karle ist nicht der erste Acherner Geschichtsforscher, der sich mit der Illenau beschäftigt. Er steht in der Tradition von Männern wie Hugo Schneider, Gerhard Lötsch oder Wolfgang Winter. Sein sorgfältig recherchiertes Buch gibt jedoch erstmals einen fundierten Überblick über die gesamte Geschichte der Illenau. Die Entwicklung von der 1842 entstandenen großherzoglich-badischen Heil- und Pflegeanstalt über deren tragisches Ende in der Zeit des Nationalsozialismus, die Nutzung als Kaserne für die französischen Streitkräfte bis hin zur Revitalisierung als Stätte für Wohnen und Arbeiten sowie als Behördenzentrum und Veranstaltungsort, spiegelt letztlich auch ein Stück deutscher Geschichte wider.

Akribische Recherche

In akribischer Recherche-Arbeit hat Karle in seiner Serie immer wieder wenig bekannte Details und Zitate aus der Geschichte zu Tage gefördert. So beschreibt er nicht nur spöttische Anmerkungen über den „ersten Narrenpalast auf deutschem Boden“, sondern macht auch die Beziehungen Rollers zu Heinrich Hoffmann, dem Autor des „Struwwelpeter“, oder den gemeinsamen Tod eines Illenauer Arztes mit dem Bayern-König Ludwig II. im Starnberger See zum Thema.

Besonderes Interesse an Psychiatriegeschichte

Als Leiter der vom Ortenaukreis getragenen Psychologischen Beratungsstelle in Achern und als Heilpädagoge und Psychotherapeut hegt Michael Karle ein ganz besonderes Interesse an der frühen Geschichte der einstigen „Irrenanstalt“. Das Konzept Christian Rollers mit seinen für die damalige Zeit geradezu revolutionären therapeutischen Konzept prägte die Entwicklung der gesamten Psychiatrie im 19. und 20. Jahrhundert. Als ideale Ergänzung zu den Texten von Michael Karle steht eine einführende Betrachtung von Gabriel Richter, Chefarzt am Zentrum für Psychiatrie in Reichenau, zur Illenau und der Entwicklung der Psychiatrie in Baden am Anfang des Buchs.

Grafische Gestaltung durch Florian Hofmeister

Seine im ABB erschienenen Artikel hat Michael Karle für das unter anderem von den Illenauer Stiftungen, der Stadt Achern und dem Historischen Verein geförderte Buch überarbeitet und ergänzt. Akzente setzt die professionelle grafische Gestaltung durch Florian Hofmeister, gleichzeitig Vorsitzender des Förderkreises Forum Illenau, der als Herausgeber einen entscheidenden Anteil an der Realisierung des Buchprojekts hat. Das gilt auch für das Acherner Stadtarchiv, das unter Leitung von Andrea Rumpf die Forschung nach geeignetem Bildmaterial übernahm. Wertvolle Unterstützung leisteten darüber hinaus Walther Stodtmeister, Winfried Hoggenmüller und Jürgen Frank, die sich seit vielen Jahren im heutigen Förderkreis Forum Illenau engagieren.

„Das Erbe bewahren“

In seinem Grußwort unterstreicht Oberbürgermeister Klaus Muttach die Bedeutung der heutigen Illenau: „So nehmen wir das 1842 gegründete Erbe auf, bewahren es und entwickeln es weiter.“ Damit dies verantwortlich geschehe, müsse man sich immer wieder die wechselvolle Geschichte bewusst machen. Es sei, so Muttach weiter, „ein herausragendes Verdienst“ von Michael Karle, diese Geschichte im Jubiläumsjahr darzustellen.

„Zauber noch heute spürbar“

An die Verdienste der Bürgerinitiative „Forum Illenau“ erinnert Muttachs Vorgänger Reinhart Köstlin: Die Arbeit dieses Netzwerks, so der ehemalige Oberbürgermeister, war der Grundstock für die Wiederbelebung der Illenau: „Auch heute noch spürt man den Zauber dieses Gesamtkunstwerks“. Die Illenau habe sich zu einem „Leuchtturm bürgerschaftlichen Engagements“ und zunehmend zum „Mittelpunkt des städtischen Lebens entwickelt“.

Service
Michael Karle: „175 Jahre Illenau – Erinnern. Gedenken. Gestalten.“ mit einem Vorwort von Gabriel Richter. Herausgeber: Förderkreis Forum Illenau. 188 Seiten. ISBN 978-3-00-06 1239-8, erhältlich ab dem 13. Dezember für 19,50 Euro im Buchhandel, im Illenau-Arkaden-Museum sowie in den Geschäftsstellen des „Acher- und Bühler Boten“ in Achern und Bühl.