Den Rahmenplan für die Bebauung der Illenau-Wiesen als Vorstufe für einen Bebauungsplan ließen sich die Acherner am Dienstagabend im Bürgersaal erläutern. Gekommen waren nur rund 30 Interessenten. | Foto: Michaela Gabriel

Überarbeitete Planung

Die Illenauwiesen als Heilmittel gegen Wohnungsnot in Achern?

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Zeitnah sollte mit der denkmalgeschützten Reithalle etwas geschehen, damit sie nicht weiter verfällt. Für diesen zentralen Punkt des künftigen Wohngebiets Illenauwiesen wünscht sich die Stadtverwaltung keine ausschließlich private Nutzung. Man sei mit verschiedenen Interessenten in Kontakt. Das kam beim Informationsabend am Dienstag im Bürgersaal zur Sprache. Nur rund 30 Zuhörer hatten sich eingefunden.
Weil die Vertreter des Wettbewerbssiegers Querfeld Eins aus Dresden verspätet ankamen, referierte Bürgermeister Dietmar Stiefel über den Planungstand.

Siegerentwurf überarbeitet

Gegenüber dem Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs (der ABB berichtete) sei als Vorstufe für den künftigen Bebauungsplan eine Rahmenplanung entstanden. Darin bleibe es bei einer Konzentration von Parkplätzen nördlich der Reithalle (in Richtung Innenstadt). An der heutigen Hauptzufahrt auf das Gelände seien ein Platz und ein Café bei der ehemaligen Tankstelle gewünscht. Ein Fuß- und Radweg soll von der Illenau über den Mühlbach in die Plaukelmatte führen, ein weiterer entlang des Mühlbachs von der Pappelallee bis zur Martinstraße.

Die Reithalle soll erhalten bleiben. | Foto: mg

Im Gegensatz zum Entwurf sei der Abstand der vier Wohnquartiere zum Mühlbach vergrößert worden. Sie sollen an der Illenauer Straße hinter dem alten Baumbestand vierstöckig beginnen und zum Mühlbach hin niedriger werden. Das alte Sandsteinbecken am Mühlbach soll als Bezug zur ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Illenau erhalten und sichtbar gemacht werden. Ein vom Nabu vorgeschlagenes Konzept zum Erhalt der ökologisch hochwertigen Strukturen wolle man einbinden. Alle Stellplätze der rund 150 Wohneinheiten, und zwar zwei pro Wohnung, sollen unter die Erde. Die vier Stichstraßen von der Illenauer Straße her werden öffentlicher Freiraum ohne Stellplätze, erklärten die Planer Frank Großkopf und Daniel Stöcker-Fischer.

Mehr Ökologie gewünscht

Der Acherner Architekt Joachim Kupfer regte an, bei der Vermarktung des Geländes, das bisher der Stadt Achern gehört, ökologischen und innovativen Ideen den Vorzug zu geben. „Meistbietend zu verkaufen ist nicht unser Ziel“, sagte dazu OB Klaus Muttach. Man werde Investoren für die Bebauung bundesweit suchen. Hier sollte ein ökologisches und soziales Modellprojekt entstehen, sagte Peter Huber. Für preisgünstiges Wohnen gebe es auf den Illenauwiesen mehr Möglichkeiten als auf dem Glashütten- oder Süwag-Gelände, weil das Areal der Stadt gehöre. Da müsse mehr drin sein als ein Anteil von 15 Prozent und auch mehr als eine Mietpreisbindung von 15 Jahren, wie es bisher vorgesehen sei.

Mieten in Achern wie in  Köln?

Ökologisch und preisgünstig zu bauen, das beiße sich, vermerkte Bürgermeister a.D. Arno Haiss. In Achern gebe es deutlich zu wenig kleine und mittelgroße Wohnungen. Die Mieten in Achern seien kaum anders als in Köln, sagte ein Neubürger, der von dort zugezogen ist. Er habe lange gesucht. Erst kürzlich hätten sich auf eine mittelpreisige Wohnung in Achern 100 Personen beworben. Daraus leite er eine enorme Wohnungsnot ab. OB Muttach wollte von Not nicht sprechen, wohl aber von großer Nachfrage. Er setze darauf, dass mit größerem Angebot die Preise sinken werden.

Keine gravierenden Altlasten

Laut Dietmar Stiefel gebe es nach Probebohrungen keinerlei Anhaltspunkte für gravierende Altlasten.

Michaela Gabriel

 

Im Frühjahr 2020 könnten auf dem Areal Illenauwiesen an der Illenauer Straße die ersten Häuser gebaut werden. Bürgermeister Dietmar Stiefel erläuterte den groben Zeitplan für die Entwicklung des Baugebiets.
Danach sollen noch im Oktober und November 2018 Rodungen stattfinden. Von Januar bis Mai 2019 werde der Abriss des alten Gebäudebestands dauern. Verschwinden werden in dieser Zeit unter anderem der lang gezogene Bau entlang der Illenauer Straße und die dortigen Hallen. Die Suche nach Investoren und ein Auswahlverfahren sowie die Beteiligung der Fachbehörden – all das soll in den kommenden Monaten stattfinden. Mit der Offenlage des Bebauungsplans sei im Herbst 2019 zu rechnen und mit der Inkraftsetzung dann im Januar 2020.