Schwimmen DLRG
Die richtige Schwimmtechnik zu lernen, fällt Kindern oft leichter als Erwachsenen. Mit fünf bis sechs Jahren reichen die motorischen Fähigkeiten aus, um damit anzufangen, sagt die DLRG. | Foto: Jens Büttner

DLRG Achern im Interview

„Die richtigen Becken zur Ausbildung fehlen“

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Immer weniger Kinder können richtig schwimmen, beklagt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) – das ist auch in der Region so, sagt die Ortsgruppe Achern. Über die Hintergründe sprachen die stellvertretenden Vorsitzenden Alexandra Schmidt und Dennis Fleig im Interview. Beide trainieren in Achern Kindergruppen; Kinderschwimmkurse gibt es hier nicht mehr.

Warum sind immer mehr Kinder schlechte Schwimmer?

Dennis Fleig: Die richtigen Ausbildungsbecken fehlen vor allem. Das Acherner Schwimmbad ist zum Beispiel nicht wirklich geeignet: Man braucht ein Becken, in dem die Trainer stehen können, aber die Kinder nicht.

Alexandra Schmidt: Gerade im Hochsommer haben wir zudem Probleme, unsere Kindergruppe im Nichtschwimmerbecken unterzubringen, und trainieren dann im großen Becken. Auch in allen anderen Bädern in der Region ist es schwer, Platz zu bekommen. Dazu kommt die Zeitfrage: Wer von uns kann mehrmals im Jahr sechs bis acht Wochen Kurse geben? Die Nachfrage nach Kursen wäre durchaus da, aber die Umsetzung ist ein Problem.

Welche Rolle spielen die Eltern?

Fleig: Teilweise scheinen Eltern weniger Interesse daran zu haben, was ihr Kind sportlich macht. Ich glaube, dass viele es nicht mehr als Pflicht sehen, dass ein Kind schwimmen muss. Andere Sportarten sind wohl auch populärer. Man schickt das Kind an den Baggersee, da muss es ja gar nicht unbedingt schwimmen. Außerdem wird in den Schulen weniger Schwimmunterricht angeboten. Der Hauptgrund ist aber das fehlende Bad – und das ist deutschlandweit so.

Schmidt: Viele Eltern wollen ihr Kind auch nicht in einen Kurs schicken, sondern es ihm lieber selbst beibringen. Das funktioniert in vielen Fällen nicht. Zum Teil kommen die Kinder zu uns in die Kindergruppe und besitzen bereits das Frühschwimmerabzeichen Seepferdchen. Das bedeutet, dass die Kinder sich eigentlich selbstständig mindestens 25 Meter, also eine Bahn, über Wasser halten können. Leider sind wir in solchen Fällen oft gezwungen, den Kindern erneut das Schwimmen beizubringen, weil sie sich kaum über Wasser halten können.

Schwimmen DLRG
Kurse für Kinder, die schon schwimmen können sollten, geben die Kindertrainer Dennis Fleig und Alexandra Schmidt von der Acherner DLRG. | Foto: Stefanie Prinz

Fleig: Und das ist der Irrglaube: Ein Seepferdchen sagt nichts darüber aus, was nach den 25 Metern passiert und wie gut ein Kind tatsächlich schwimmen kann. Heutzutage schaffen die meisten Kinder diese Strecke nur gerade so, Kondition und Motorik lassen nach.

Schmidt: Viele Eltern glauben auch irrtümlicherweise, dass ihr Kind, das nicht schwimmen kann, ausschließlich im Nichtschwimmerbereich bleibt. Auch der Gedanke, am Achernsee sei es sicher aufgehoben, ist schlichtweg falsch. Man kann im Uferbereich zwar stehen, aber Abbruchkanten und undurchsichtiges Wasser sorgen dafür, dass die Kinder nicht wissen, wie tief es ist und ob sie sich dort noch sicher aufhalten können. Ab einem gewissen Alter will man dann vielleicht auch keinen Schwimmkurs mehr machen. So zieht sich das bis ins Erwachsenenalter.

Können auch Erwachsene noch genauso gut schwimmen lernen?

Schmidt: Ja, aber die Lernkurve ist weniger steil.

Fleig: Wir machen Erwachsenenschwimmkurse auf Anfrage. Ganz selten haben wir Erwachsene, die gar nicht schwimmen können, die meisten sind schlechte Schwimmer. Sie haben schon einen Plan, wie sie schwimmen sollen, aber dann ist es schwieriger als bei Kindern, die Technik beizubringen.

Seit wann bietet die DLRG in Achern keine Kinderschwimmkurse mehr an?

Fleig: Vor etwa fünf Jahren hat das Badehaus Jenne geschlossen, in dem wir immer waren. Wir haben vier Kurse im Jahr angeboten, immer jeweils zwölf Wochen lang mit 15 Kindern. Dass das weggebrochen ist, war ein großer Verlust für uns, was Mitgliederzahlen angeht: Viele Kinder sind nach dem Kurs in unserem Verein geblieben. Und die Möglichkeit zum Schwimmenlernen fehlt. In Achern gibt es noch die Schwimmschule Weiss, in Renchen werden noch Schwimmkurse angeboten, aber die Angebote in der Region nehmen ab.

Jetzt gibt es noch DLRG-Gruppen für Kinder, die schon schwimmen können.

Fleig: Sie müssen das Seepferdchen haben, dann können wir arbeiten.

Schmidt: Das Ziel dabei ist, die Kinder zu Rettungsschwimmern auszubilden. Wir haben aber immer mindestens ein oder zwei Kinder im Kurs, die sich nicht richtig über Wasser halten können und deshalb besondere Hilfe benötigen. Wir zwei Trainer sind dann gut mit ihnen beschäftigt.

Ab welchem Alter können Kinder anfangen, Schwimmen zu lernen?

Fleig: Mit fünf bis sechs Jahren sind die motorischen Fähigkeiten so ausgereift, dass Kinder die Schwimmbewegungen gut machen können. Es gibt einen weiteren Trend, der uns auffällt: Körperlich könnten sie es, aber geistig nicht – die Aufnahmefähigkeit lässt deutlich nach im Vergleich der letzten zehn, 15 Jahre, seit ich das Training mache.

Schmidt: Sie verlieren auch die Angst vor dem Wasser sehr langsam. Bei einem Mädchen hat es ein Dreivierteljahr gedauert, bis sie sich getraut hat, allein vom Startblock zu springen.

Wer ist grundsätzlich überhaupt ein sicherer Schwimmer?

Fleig: Die DLRG definiert das klar: Ein sicherer Schwimmer ist, wer das Jugendschwimmabzeichen in Bronze bestanden hat, das nennt sich Freischwimmer. Das bedeutet 200 Meter schwimmen, in Achern acht Bahnen, einmal auf den Beckengrund tauchen und einen Gegenstand heraufholen und ein Sprung vom Block.

Schwimmer-Statistik:
In einer 2017 von der DLRG veröffentlichten Umfrage zur Schwimmfähigkeit der Bevölkerung stuften 59 Prozent der befragten Eltern ihr Kind als sicheren Schwimmer ein, 31 Prozent als unsicher und zehn Prozent als Nichtschwimmer. Von den Kindern selbst sahen sich 14 Prozent als sehr gute und 33 Prozent als gute Schwimmer, 40 Prozent als durchschnittlich, neun Prozent als schlecht und drei Prozent als Nichtschwimmer. Ein Viertel der Kinder besaß 2017 das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze, das als sicheren Schwimmer auszeichnet.