Der "Feine Kappler": Axel Baßler findet mit seinen Destillaten und Spezialitäten vom „Witch Hill“ große Beachtung. Im Zinken „Berhardshöf“ feuert er seine Brennküche an. | Foto: Roland Spether

Gin und Single Malt

Ein Feuerwerk der Aromen aus Kappelrodeck

Von Roland Spether

Hexe, Dasenstein, Kappelrodeck: Schnell ist von Magie und Zauberei die Rede, wenn plötzlich die Berge im Achertal zum „Witch Hill“ werden, Axel Baßeler als  „Feiner Kappler“ mit Basecap auf dem Kopf im alten Zinken „Bernhardshöf“ seine Brennküche anfeuert und mit seinen Destillaten nicht nur an Silvester ein wahres Feuerwerk der Aromen entfacht.

Fachwelt überrascht

Doch mit Magie hat es beileibe nichts zu tun, was Axel Baßler in seinem noch jungen, aber höchst kreativen und erfolgreichen Unternehmen „Feiner Kappler“ in die Flaschen zaubert und wie er in kurzer Zeit die Fachwelt mit seinen Produkten überraschte. So erhielt sein erster Single Malt Whisky „Witch Hill“ bei den Craft Spirits in Berlin eine Silberne Auszeichnung, und sein feiner Gin mit 13 verschiedenen „Botanicals“ sorgte bei den Freunden dieser topaktuellen Spezialität für Cocktails und vor allem bei den kritischen Testern wahrlich für magische Genussmomente. Bei den Baden Best Spirits 2016 gab es einmal Gold, achtmal Silber und zweimal Bronze.

Ein perfektes Team: Elf Monate tüftelten Miriam und Axel Baßler an ihrem Gin. Im Bild das Ehepaar mit dem fertigen Produkt und acht der fein aufeinander abgestimmte „Botanicals“.
Ein perfektes Team: Elf Monate tüftelten Miriam und Axel Baßler an ihrem Gin. Im Bild das Ehepaar mit dem fertigen Produkt und acht der fein aufeinander abgestimmte „Botanicals“. | Foto: Roland Spether

„Die Qualität meiner Destillate beginnt am Baum. Ich möchte das Maximale aus den Früchten herausholen“. Mit dieser Philosophie hat Axel Baßler vor zwei Jahren seine Unternehmung „Feiner Kappler“ auf den Weg gebracht. Den Hof und das Brennrecht übernahm er bereits 2009 von seinem Vater Konrad Baßler. Zu seinem Hof im Vollerwerb gehören 4,5 Hektar Reben aus den Lagen der „Hex vom Dasenstein“, etwa 2,5 Hektar Obstwiesen mit Kirschen, Mirabellen und Zwetschgen sowie 1,7 Hektar Wald.

Lange Tradition

Obst- und Weinbau auf einem Anwesen, das am Eingang des „Kapplertals“ zu den ältesten Siedlungsbereichen im Ort gehört und über eine lange Tradition verfügt, war Axel Baßler durch Vater und Großvater in die Wiege gelegt. Der Duft von Maische und Destillaten waren ihm von Kindesbeinen an vertraut, ebenso die Obsternte an heißen Sommertagen, wenn sich seine Freunde auf den Weg ins Schwimmbad machten. Er kannte auch die alten Geschichten voller Magie, als sein Vater auf dem Platz eines ehemaligen Hühnerstalls die Baugrube für ein neues Haus aushob und dabei zwar keine Schätze aus Gold und Edelsteinen fand, sondern stattdessen ein alter, kupferner Brennkessel ans Tageslicht kam. Das war für den Vater ein Zeichen. Die Baupläne wurden geändert und ein Brennkessel gekauft, der heute noch auf dem Hof steht.

Zunächst Offest-Drucker gelernt

Doch trotz vieler Zeichen am „Witch Hill“ und sicherlich vieler guter Worte im Elternhaus sollte sein beruflicher Weg zunächst in eine völlig andere Richtung gehen. Er erlernte den Beruf des Offset-Druckers, arbeitete acht Jahre in seinem erlernten Handwerk und wechselte dann für eine kurze Zeit in die Industrie.

Wollte die Schätze der Natur neu entdecken

Als Fachkraft in der Industrie hatte er zwar eine gute Bezahlung, Urlaub und einen geregelten Feierabend, doch die große Erfüllung war das nicht. „Mein Herz entschied sich dafür, den landwirtschaftlichen Obst- und Weinbauhof meines Vaters und Großvaters in der vierten Generation mit Freude und Leidenschaft weiter zu führen“. Er wollte die „Schätze der Natur“ neu entdecken und veredeln, eben als echter „Kappler“ die heimischen Produkte noch feiner machen. Er absolvierte die Landwirtschaftliche Fachschule in Offenburg, und von „super Dozenten“ wurden in ihm die letzte und entscheidende Begeisterung geweckt, die Aromen von Früchten möglichst maximal in Flaschen zur Entfaltung zu bringen. Für diesen Genuss ist neben feinen Früchten vor allem die fachlich versierte und kreative Arbeit des Brenners erforderlich, immer wieder etwas Neues und noch Besseres aus dem Brennkessel zu zaubern. Wenn dieser dann noch ein  überzeugter „Kappler“ mit der Liebe zur Heimat und zu regionalen Produkten ist und eine Ahnung von Grafik und Design hat, dann ist das mittlerweile amtlich geschützte Markenzeichen „Feiner Kappler“ perfekt.

Gute, alte Werte wie Tradition und Bodenständigkeit, verknüpft mit extravaganten Ideen und dem Drang zur Perfektion – das ist das Geheimnis des „Feinen Kapplers“. Im Jahr 2015 bereits hätte man erleben können, wie eine junge Apothekerin und ein kreativer Brenner in magischer Akribie und mit unendlich viel Liebe zum heimischen Produkt die Grundrezeptur für einen einzigartigen Gin suchten: Denn elf Monate lang forschen und experimentieren Miriam und Axel Baßler an der Rezeptur, tüftelten, probierten, verwarfen und begannen immer wieder von vorne, bis der „Feine Kappler Gin“ seine unverwechselbare Note im Stile eines Distilled Gins beziehungsweise London Dry Gins hatte. Basierend auf Wacholder wurden laut Axel Baßler 13 fein aufeinander abgestimmte Ingredienzien („Botanicals“) wie Koriander und Angelika, Hibiskus, Lavendel und Holunderblüten hinzugegeben. Als gewisses Extra sorgte „aus Liebe zu Asien“ die thailändische Kaffirlimette für das unvergleichliche Aroma des Gins, der mit weichem Wasser einer tiefgründigen Waldquelle den letzten Schliff erhält. Für den „Witch Hill“ – die „Hex vom Dasenstein“ ist in Kappelrodeck allgegenwärtig – hatte Baßler die Idee, seinen Rohwhisky in einem Limousin-Eichenfass der „Hex vom Dasenstein“ reifen zu lassen, in dem zuvor eine Spätburgunder Auslese ihr unverwechselbares Aroma entfaltete. Das Experiment glückte und noch ehe die 217 Flaschen der limitierten Erstauflage vollends abgefüllt waren, war das Fass „Witch Hill“ der Marke „Feiner Kappler“ auch schon verkauft.