Hannelore Hammel
In jungen Jahren: Hannelore Hammel (rechts) 1933 in Achern. | Foto: Repro Gerhard Lötsch

Zum Holocaust-Gedenktag

Ein Freund versteckte Essen für die Lager-Gefangene aus Achern

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Sie war eine von mehr als sechs Millionen jüdischer Menschen, die im Nationalsozialismus systematisch ermordet worden sind: Die Achernerin Hannelore Hammel, verheiratete Fetterer, kam 1945 im Konzentrationslager Stutthof 30 Kilometer östlich von Danzig ums Leben.

Weitere zwölf Opfer waren jüdische Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Illenau. An sie wird am bundesweiten Gedenktag für die Opfer des Holocaust am 27. Januar in Achern in diesem Jahr schwerpunktmäßig erinnert, wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt.

Hannelore Hammel war gerade 17 Jahre alt, als sie 1940 von Stuttgart aus, wo sie zu dieser Zeit lebte, nach Riga deportiert wurde. An das in Achern geborene „Judenmädchen“ erinnert noch heute eine nach ihr benannte Straße zwischen Stadion und Friedhof.

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Der Acherner Gemeinderat, der diese Benennung 2007 beschlossen hatte, wollte damit nicht nur an die Hammels, sondern auch an die Bürger erinnern, die den jüdischen Mitmenschen beistanden. Helfen konnten sie ihnen am Ende nicht. Das schrieb auch der frühere Pfarrer Gerhard Lötsch: Er brachte die Geschichten von 71 Acherner Persönlichkeiten zu Papier, veröffentlichte sie in der Serie „Acherner Profile“ im Acher- und Bühler Bote und 2007 als gleichnamiges Buch.

Häftlingskarte Hannelore Hammel
Die Häftlingskarte des Konzentrationslagers Stutthof von Hannelore Hammel, verheiratete Fetterer. | Foto: Archive Muzeum Stutthof

Die 1923 geborene Hannelore Hammel ist eine dieser Personen. Ausgestoßen muss sich die Tochter des Viehhändlers Max Hammel früh gefühlt haben: Mit ihrer besten Freundin Betty Belikan, der Tochter der Wirtsleute des Tivoli, ging sie zur Schule.

Als 1933 Arbeitsdienstleute in die leer stehende Peter’sche Brauerei in der Fautenbacher Straße zogen, wurde alles anders: In ihrer Freizeit besuchten diese gern das Tivoli – das werde er seinen Leuten künftig untersagen, sollte die Tochter des Hauses weiterhin mit dem „Judenmädchen“ verkehren, drohte eines Tages der Kommandeur des Lagers der Wirtin. Da waren die Mädchen zehn Jahre alt.

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Schild: „Juden haben keinen Zutritt“

Als Hannelore nach der Schule trotz eines guten Zeugnisses keine Arbeit bekam, wollte eine andere Freundin, Mathilde Neuchel, die inzwischen Wirtin des Hanauer Hofs in Bühl war, sie einstellen. Statt einer neuen Mitarbeiterin bekam Mathilde von der Kreisleitung jedoch ein Schild, das sie am Wirtshaus anzubringen hatte. Die Aufschrift: „Juden haben keinen Zutritt“. Hannelore ging nach Stuttgart, überlegte noch, auszuwandern, blieb aber wegen ihrer Mutter in Deutschland.

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Hannelore Hammel wurde 1940 deportiert

Ein Fehler: Am 1. Dezember 1940 wurden von Stuttgart aus mehr als 800 Juden nach Lettland deportiert. Im Konzentrationslager bei Riga wurden Tausende lettische Juden erschossen; zuvor mussten sie ihre Kleidung noch selbst zusammenlegen, die KZ-Frauen mussten diese sortieren und reinigen, wie Gerhard Lötsch in seinem Bericht schrieb – auch Hannelore. Zufällig traf sie in der Nähe Mathildes Ehemann, den Soldaten Edwin Eckerle. Dieser versteckte Essen für die abgemagerte Frau – am ersten Tag war es verschwunden, danach nicht mehr. Ende 1944 wurde Hannelore Hammel in das KZ Stutthof bei Danzig gebracht, wo sie 1945 starb.

Ein Gedenkgottesdienst für die Holocaustopfer findet am Montag, 27. Januar, um 19 Uhr in der Acherner Jugendkirche auf dem Gelände der Illenau (Clara-Reimann-Straße 17) statt. Er wird von der Stadtverwaltung und dem gebürtigen Israeli und Wissenschaftler Abraham Steinberg gestaltet und von Katja Lorenz musikalisch umrahmt. Die Jugendkirche ist eine von fünf Stationen der „Orte des Gedenkens“ im Bereich der Illenau, mit der die Stadt Achern auf die Opfer der NS-Gewaltherrschaft aufmerksam machen will.