Spektakuläre Begegnung: Seine Forschungsexpeditionen unter Wasser bescheren Uli Kunz eindrucksvolle Erlebnisse. Auf diesem Bild taucht der Meeresbiologe aus der Ortenau mit einem Walhai. | Foto: Uli Kunz

Meeresbiologe Uli Kunz

Ein Ortenauer im Rausch der Tiefe

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Von Christine Storck

Er wagt sich in finstere Höhlen und die eiskalte Arktis, schwimmt mit riesigen Meerestieren und hat dabei immer die Kamera dabei. Der aus der Ortenau stammende Meeresbiologe, Forschungstaucher und Naturfotograf Uli Kunz ist am liebsten unter Wasser – für Expeditionen, aber auch für den „Tatort“ oder „Terra X“. Aktuell tourt er mit der Fotoshow „Leidenschaft Ozeane“ durch Deutschland.

Anfänge in der Badewanne

Als Kind tauchte er begeistert in der Badewanne – heute sind die Weltmeere sein zweites Zuhause. Uli Kunz wollte schon immer wissen, wie es tief unter Wasser aussieht. „Tauchen ist wie fliegen“, sagt der in Offenburg geborene und in Kehl aufgewachsene 41-Jährige. Seine ersten Erfahrungen sammelte er als Teenager im Kehler Tauchclub.

Ungewöhnlicher Zeitgenosse: Uli Kunz mit einem Seedrachen.
Ungewöhnlicher Zeitgenosse: Uli Kunz mit einem Seedrachen. | Foto: privat

1997 zog es ihn nach Kiel, um Meereskunde und Zoologie an der Christian-Albrechts-Universität zu studieren. Nach seinem Diplom ließ er sich als Forschungstaucher ausbilden. Seither hat er an zahlreichen wissenschaftlichen Expeditionen teilgenommen, vom Eiswasser der Arktis bis in die Korallenriffe der Tropen.

Kampf gegen Vorurteile

Vor zwei Jahren sei die Idee entstanden, gemeinsam mit Greenpeace eine Live-Fotoshow auf die Beine zu stellen, berichtet er. Mit seinen spektakulären Bildern will Kunz so viele Menschen wie möglich für die Schönheit der Ozeane begeistern und sie dazu bringen, sie zu schützen. Dabei räumt er auch mit vielen Vorurteilen auf – zum Beispiel, dass viele Tiere gefährlich sind. „Sie haben uns ja nicht auf dem Speisezettel. Trotzdem sollte man ihnen mit Respekt begegnen“, sagt er. Selbst Haie seien im Grunde harmlos.

Multimediashow vor großem Publikum

Der Kehler ist oft vier bis sechs Monate im Jahr unterwegs, als Expeditionsleiter, wissenschaftlicher Reiseleiter oder Fotograf. Zwischen 2010 und 2014 verbrachte er jeden Sommer in der Arktis und jeden Winter in der Antarktis: An Bord kleiner Kreuzfahrtschiffe hielt er erste Fotovorträge. Dabei entdeckte ihn eines Tages der damalige Schirmherr des „Horizonte“-Fotofestivals in Zingst, lud ihn ein und Uli Kunz präsentierte erstmals eine Multimediashow vor einem großem Publikum. Auch namhafte Magazine wie „Geo“, „National Geographic“ oder „Bild der Wissenschaft“ veröffentlichen inzwischen seine Aufnahmen.

Im Jagdfieber mit den Orcas

2013 gründete Kunz mit vier Freunden eine eigene Firma, die Tauchprojekte für Wissenschaft und Medien anbietet. Mit seinem Team hat er bereits zahlreiche Filme oder Dokumentationen gedreht oder begleitet: Vor drei Jahren zum Beispiel engagierte ihn der Kieler Tatort „Borowski und das Meer“ als Kameramann für die Unterwasseraufnahmen.

Uli Kunz
Uli Kunz | Foto: privat

Bei seinen Tauchgängen kennt der 41-Jährige kaum Grenzen. Er filmte schon Buckelwale und Orcas bei ihrer Jagd auf Heringe oder portraitierte Blauhaie, die ihn neugierig mit der Nase anstupsten. Je kälter das Wasser, desto exotischer sei das, was man dort findet.

Verborgene Lebenswelten

Besonders angetan haben es ihm Höhlen. „Je tiefer sie sind, desto besser geht es mir“, sagt er. Für seine furchtlose Neugierde wird er belohnt: Mit Einblicke in verborgene Lebenswelten, zu denen der Mensch normalerweise kaum Zutritt hat.

Unterwasserhöhlen faszinieren Uli Kunz besonders.
Unterwasserhöhlen faszinieren Uli Kunz besonders. | Foto: privat

In Frankreich zum Beispiel erkundete er mit einem Team kilometerlange wassergefüllte Gänge. Mehr als 30 Stunden verbrachten die Forscher in licht- und leblosen Höhlen, abgeschnitten von der Außenwelt. Angst ist ihm fremd: „Unter Wasser fühle ich mich sicher“, sagt Kunz: „Ich vertraue einfach meiner Ausbildung, meiner Ausrüstung – und einem guten Team.“