EIN NEUES PROJEKT: Jörg Ziegler (links) und Wolfgang Schlund beim Begrüßungsschild am neuen Spechtpfad. Bis das Angebot fertig ist, wird es aber noch geraume Zeit dauern. | Foto: Kuhnert

Nationalpark mit neuem Pfad

Ein Specht soll die Besucher locken

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Der Lotharpfad an der Schwarzwaldhochstraße, einer der Besuchermagnete im Nationalpark, bekommt einen attraktiven Nachbarn: Den Spechtpfad. Auch er soll, wie der Lotharpfad, den Versuch des Waldes dokumentieren, sich vom Menschen möglichst wenig beeinflusst zur werdenden Wildnis zu entwickeln. Darauf verweisen Informationstafeln. Eine Begrüßungstafel steht schon, und die ersten paar hundert Meter des Spechtpfades mit leichter Steigung sind auch schon mit Bohlen verlegt. Der Pfad nämlich soll zugänglich sein für Kinderwagen, Rollator und Rollstuhl, so behindertengerecht wie es die Landschaft auf knapp 1 000 Höhenmeter eben gestattet. „Befahrbar“ nennt es Hans-Peter Matt, Rollstuhlfahrer und Beauftragter des Nationalparks für Barrierefreiheit.

Fertigstellung in zwei bis drei Jahren

Der Pfad auf dem Plonkopf zwischen Zuflucht und Schliffkopf wird wie der Lotharpfad etwa 900 Meter lang und ist mit diesem verbunden. Doch man wird sich mit seiner Fertigstellung noch ein wenig gedulden müssen, denn der Nationalpark legt ihn weitgehend aus eigenen Kräften an. „Etwa zwei bis drei Jahre wird das wohl in Anspruch nehmen“, schätzt Jörg Ziegler, zuständig für Wald- und Naturschutz beim Nationalpark. Der neue Pfad sei ein Projekt auf das Touristiker schon lange warten, sagt Wolfgang Schlund, einer der beiden Direktoren des Parks.

Der Lotharpfad im Nationalpark erhält mit dem Spechtpfad einen neuen Nachbarn mit ähnlichem Konzept. | Foto: red

Fünf Spechtarten sind hier Zuhause

Der Spechtpfad trägt seinen Namen nicht umsonst. Einerseits werden seine Umrisse die Form eines Spechts mit Schwanz, Kopf und Schnabel annehmen, anderseits sind in dieser urwüchsigen Wald- und Grindenlandschaft fünf Spechtarten zu Hause: „Wendehals, Schwarz-, Grau-, Grün- und Buntspecht“, zählt Ziegler auf. Dazu kommen viele andere Arten. Der Spechtpfad beginnt wie der Lotharpfad bei einem neuen, kleinen Sitzplatz, ebenfalls barrierefrei erreichbar, wo sich Besucher ausruhen und vespern können.

Idee für Lotharpfad nach Orkan Lothar entstanden

Ziegler erinnert an den Orkan Lothar, der Weihnachten 1999 in einer halben Stunde 30 Millionen Festmeter Holz umwarf, vom Rheintal bis zu den Schwarzwaldgipfeln rund 40 000 Hektar Kahlfläche schuf und auch in die Wälder an der Schwarzwaldhochstraße tiefe Schneisen riss. Wolfgang Schlund, damals noch Leiter des auf dem Ruhestein beheimateten Naturschutzzentrums, kam auf die Idee, an der Schwarzwaldhochstraße im Chaos der umgestürzten Bäume eine Fläche von zehn Hektar nicht „aufzuräumen“, sondern unberührt liegen zu lassen und zu beobachten, was die Natur daraus macht. Die Idee des Lotharpfads war damit geboren und er erlebte völlig unerwartet einen Besucheransturm.

Pfad als Forschungslabor für Wissenschaftler

Im Lauf der Jahre wurde der Pfad immer wieder ausgebaut und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Oppenau eine Aussichtskanzel auf Stelzen gestellt, die einen Blick weit ins Rheintal und bis zu Alpen bietet. Eine Querverbindung zum Westweg wurde geschaffen, an der Schwarzwaldhochstraße ein Parkplatz angelegt. Und der Pfad wurde zum Forschungslabor. Wissenschaftler beobachten wie sich Kleintiere, Insekten, Vögel und Pilze unter den sich ändernden Bedingungen entwickeln, wie sich die vom Sturm gerissenen Löcher im geschundenen Wald langsam wieder schließen. Selbst die Fachleute staunen über das schnelle Verrotten von Baumstämmen bis an die 80 Zentimeter Durchmesser.

Inzwischen ist beim Lotharpfad nur noch an wenigen Stellen zu erahnen, dass dort noch vor knapp 20 Jahren umgestürzte Baumriesen im schier undurchdringlichen Verhau kreuz und quer übereinander lagen.
Nach den Wasserfällen in Allerheiligen ist der Lotharpfad der meistbesuchte Platz im Nationalpark Schwarzwald. Der Nationalpark bietet regelmäßig Führungen an. Laut Angaben von Franziska Schick aus dem Leitungsbüro des Nationalparks wurden seit 2015 jährlich zwischen
90 000 und 100 000 Besucher gezählt. Mit einer Zählschranke werden noch dieses Jahr die Besucher auf beiden Pfaden genauer gezählt werden.

 

Von unserem Mitarbeiter Hannes Kuhnert