Wettermonitoring Nationalpark
Auch am Ruhestein steht eine der 20 Messstationen, zeigt Christoph Dreiser. Ein Solarpanel liefert den nötigen Strom. | Foto: Stefanie Prinz

Nationalpark Schwarzwald

Ein wohl einmaliges System zur Erhebung von Klimadaten

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Wie entwickeln sich die Tier- und Pflanzenarten im Schwarzwald, wie verändert sich das Klima und vor allem: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Diese Fragen versucht man im Fachbereich „Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz“ im Nationalpark Schwarzwald zu beantworten. Wie das funktioniert, erläuterte Christoph Dreiser beim ersten Pressetermin des Jahres im Nationalpark.

Der Deutsche Wetterdienst stellt Daten in einem sogenannten Klimamodell zu Verfügung; für die sehr unterschiedlichen landschaftlichen Gegebenheiten im Nationalparkgebiet ist das aber zu ungenau. Also arbeitet man dort an einem eigenen, kleinteiligeren, Modell und will damit langfristige Veränderungen und so auch den Klimawandel darstellen.

Dafür wurden im gesamten Schutzgebiet verteilt 20 Messstationen aufgestellt – eine ähnlich engmaschige Datenerhebung in einem Waldgebiet sei deutschlandweit nicht bekannt, so Christoph Dreiser und Nationalpark-Sprecherin Anne Kobarg.

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Nationalpark erstellt keine Wetterprognosen

Die Messgeräte ermitteln Windrichtung und -stärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie Luftdruck und Helligkeit. Wetterprognosen erstellt der Nationalpark daraus aber nicht, sagt Dreiser: „Dafür haben wir zu wenige Kapazitäten“. Stattdessen werden die gewonnenen Daten an Forschungseinrichtungen wie Universitäten weitergegeben. Diese untersuchen Fragen wie beispielsweise die Verbreitung des Borkenkäfers: Welche klimatischen Bedingungen herrschen dann, wenn der Käfer sich besonders stark vermehrt? Wie warm ist es, wie feucht ist der Boden?

Rückschlüsse auf Einfluss des Klimas

Um Antworten zu finden, werden die Daten zum Klima mit denen aus anderen Forschungsbereichen verbunden, damit Rückschlüsse auf den Einfluss des Klimas auf Natur und Tiere gezogen werden können. Ein Beispiel: Wenn die Temperaturen tendenziell steigen, verschwinden manche Arten, andere kommen neu dazu, so Dreiser. „Die Wetterdaten helfen uns also, besser zu verstehen, was mit den Arten passiert: Hängt eine bestimmte Entwicklung mit dem Klima zusammen, oder ist es doch ein anderer Faktor?“

Die Wetterdaten helfen uns, besser zu verstehen, was mit den Arten passiert.

Das Klimamodell zeigt Wetterdaten von 1881 bis heute – und die Tendenz zu steigenden Temperaturen, vor allem in den vergangenen zehn Jahren. Außerdem macht es deutlich, dass ein zuweilen vermuteter Zusammenhang zwischen Höhe und Niederschlag wohl gar nicht besteht: Auf den Gipfeln von Hornisgrinde und Schliffkopf regnet es genau so viel wie am Ruhestein, der jedoch etwa 100 Meter tiefer liegt.

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Seit Juni 2016 stehen die insgesamt 20 Messpunkte im Parkgebiet verteilt: Sieben Stationen gibt es an unterschiedlichen Stellen immer auf 900 Metern Höhe, acht ermitteln die Unterschiede in Höhenlagen zwischen 600 Metern (Allerheiligen) und 1.000 Metern Höhe, und fünf befinden sich in Talllagen.

Anlagen wurden auch schon zweckentfremdet

Die Geräte sind etwa 20 Zentimeter groß, oben auf 1,60 Meter hohen Stangen angebracht und funktionieren über Solarenergie – im Winter sind sie daher kaum nutzbar. Auch an die Sicherheit im Wald muss gedacht werden: Auerhühner können die Drähte, die die Stangen in der Senkrechten halten, nicht sehen: Damit sie sich nicht verletzen, müssen Ummantelungen angebracht werden. Die würden bisweilen auch anderweitig genutzt, meint Dreiser schmunzelnd: Der ein oder andere Wanderer soll darauf schon seine Kleidung zum Trocknen aufgehängt haben.