Linde Waldulm
Anblick aus vergangenen Tagen: Von den ehemals zwei Linden vor der Waldulmer Pfarrkirche steht nur noch eine (auf diesem Bild aus dem Jahr 2016 die hintere), und auch dieser Baum muss aus Gründern der Sicherheit weichen. | Foto: Archiv Berthold Gallinat

Gemeinde weist Kritik zurück

Eine Linde polarisiert: Baum-Fäll-Pläne in Waldulm

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Ein ortsbildprägender Baum verursacht viel Wirbel – und der beruht offenbar auf mehreren Missverständnissen: Die Linde auf dem  Kirchplatz Kappelrodeck-Waldulm soll gefällt werden – einzig und allein aus Sicherheitsgründen, wie Kappelrodecks Bürgermeister Stefan Hattenbach auf Anfrage ebenso betonte wie Ortsvorsteher Johannes Börsig in der jüngsten Ortschaftsratssitzung.

Von Stefanie Prinz und Berthold Gallinat

Um den schon lange kranken Baum – dem man das von außen auf den ersten Blick nicht wirklich ansieht – zu erhalten, sei in den vergangenen Jahren schon einiges getan worden, jetzt gehe aber einfach nichts mehr, so Hattenbach. Mehrere Leser hatten in Zuschriften an diese Zeitung ihren Unmut darüber geäußert, dass der große Baum vor der Pfarrkirche St. Albin der Kettensäge zum Opfer fallen soll: Der Baum habe dichtes, grünes Blattwerk, eine alte Wunde sei gut verheilt; der Baum störe an dieser Stelle niemanden und werde im Gegenteil von vielen Menschen bewundert.

Platz-Neugestaltung nicht ausschlaggebend

Dennoch muss der Baum weichen – nicht, wie es von den Kritikern heißt, aus gestalterischen Gründen und nicht, um den Platz – so die Pläne – barrierefrei zu gestalten, auch die Vermoosung der Kirchenfassade durch den Baum sei nicht ausschlaggebend gewesen, sondern Sicherheitsgründe: Bereits 2013 hatte man festgestellt, dass die rechte der beiden ursprünglich parallel gepflanzten Linden aufgrund eines Pilzbefalls einsturzgefährdet war.

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Mehrfach sei der „Baum-Doktor“ vor Ort gewesen, um sie zu versorgen – vor zwei Jahren musste sie dann doch gefällt werden. Der jetzt noch bestehende Baum wurde mit Metall-Teilen gestützt, Seile verhindern, dass der Baum auseinanderbricht; Jahre zuvor war zur Stabilisierung bereits der hohle Stamm mit Beton ausgegossen worden, vergleichbar mit einer „Plombe“ im Zahn. Weil aber nun auch ein radikaler Rückschnitt nicht mehr davor schützen könne, dass der Baum immer morscher wird und Teile der Krone herabfallen, bleibe nur die Fällung.

Linde Waldulm
Wer genau hinschaut, erkennt die Seile, die verhindern, dass die Linde auseinanderbricht. | Foto: Gemeinde Kappelrodeck

„All das zusammen hat letztlich zum Entschluss geführt, auch die zweite Linde zu beseitigen und stattdessen vor Ort zwei neue Linden zu pflanzen. Bei zwei gesunden Bäumen hätte eine Fällung nie zur Diskussion gestanden“, sagte Johannes Börsig. „Gerne entscheidet so etwas niemand“, so Stefan Hattenbach, „und wir verstehen auch, dass das wehtut. Aber wir kommen in Teufels Küche, wenn wir nichts machen und dann etwas passiert“.

Insgesamt knapp 50 Personen aus Pfarrgemeinde-, Ortschafts- und Gemeinderat hätten schließlich einhellig dafür gestimmt. Aus Sicht des Kappelrodecker Bauamtes sei die Beseitigung unvermeidbar, um Verkehrsteilnehmer und Besucher der Kirche zu schützen. Alternativ hätten die Straße zu Friedhof, Einsegnungshalle und Kirche sowie Teile des Kirchplatzes gesperrt werden müssen – ein viel zu großer Bereich.

Verwaltung übt Kritik an der Kritik

Bei allem Verständnis für das öffentliche Engagement zugunsten des Baums, so heißt es, kommt aus der Verwaltung Kritik an der Kritik: Die Hintergründe seien in der Sitzung des Gemeinderats (und so auch im Bericht darüber in der Print-Version dieser Zeitung) genannt worden. „Vielleicht hätten wir da deutlicher sein müssen“, merkte der Bürgermeister an. Er kritisierte dennoch ebenso wie der Ortsvorsteher, dass es an der entsprechenden Sitzung kaum Bürgerinteresse gegeben habe. Auch in den Rathäusern sei nicht nachgefragt worden.

„Auch die Situation vor Ort in Augenschein zu nehmen, hat sich der eine oder andere wohl erspart“, so Hattenbach. Man sei jederzeit zu Auskünften bereit gewesen. Demgegenüber habe es beim ersten Baum gar keine Reaktionen gegeben.

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Gemeinde: „Wir sind keine Baum-Killer“

Damit die Pfarrkirche wieder ihr ortsbildprägendes „grünes Portal“ erhält, sollen an derselben Stelle zwei neue Bäume gepflanzt werden. Aus mehreren Linden-Arten haben die Gremien eine ausgewählt, die aus Expertensicht besser als die bisherige mit dem nicht ganz einfachen Standort und auch mit den klimatischen Veränderungen zurechtkommt.

„Dass diese Bäume natürlich eine gewisse Zeit brauchen, um die gleiche Größe wie die beiden alten Linden zu erhalten, liegt in der Natur der Sache“, so der Bürgermeister, der betont, dass die Gemeinde keinesfalls ein „Baum-Killer“ sei: In der unmittelbaren Nähe zur Kirche gebe es mehrere große Bäume, auch Linden, von denen zwei vor rund 20 Jahren als „Ersatz“ gepflanzt wurden, weil schon damals absehbar gewesen sei, dass die „Kirchen-Linden“ in Zukunft entfernt werden müssen. Zudem habe man bei der Umgestaltung des Waldulmer Dorfplatzes mehrere alte Bäume erhalten.

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