Wiedehopf
Auffälliger Geselle: Der Wiedehopf ist wieder in die nördliche Ortenau zurückgekehrt. Beim Pressetermin wurde auch dieser 2,5 Wochen alte Nestling beringt. | Foto: Alessandra Hamsch

NABU-Projekt in der Ortenau

Einst seltener Wiedehopf entkommt der Roten Liste

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Er hat ein auffälliges Federkleid und klingt wie eine Autohupe. Der Wiedehopf, einst ein sehr selten gesehener Vogel, ist wieder in den nördlichen Ortenaukreis zurückgekehrt. Seinen Wiedereinzug verdankt er dem Hobby-Ornithologen Manfred Weber von der NABU-Ortsgruppe Offenburg. Im Renchener Stadtteil Ulm wurde die Arbeit jetzt vorgestellt.

Von Alessandra Hamsch

Seit 2007 setzt Manfred Weber sich für die Vogelart ein. Für diese Verdienste wurde die Ortsgruppe jüngst von Umweltminister Franz Untersteller mit dem Landesnaturschutzpreis ausgezeichnet. Am Freitag präsentierte Manfred Weber zusammen mit Martin Klatt, Artenschutzreferent des NABU Baden-Württemberg, Helferin Renate Ernst-Rummel und Gerhard Siebert das Projekt in Ulm. „Er steht nicht mehr auf der Roten Liste“, stellte Hobby-Ornithologe Manfred Weber fest. Lange Zeit galt der Wiedehopf in Baden-Württemberg als stark gefährdet. Allerdings sei er immer noch selten anzutreffen, erklärte der Vogelschützer.

Projekt startete mit 100 selbtgebauten Nistkästen

Im Jahr 2007 rief er das Projekt zusammen mit der Ortsgruppe Offenburg ins Leben. Seit dem wurde viel getan: Mehr als 100 selbstgezimmerte Nistkästen, ähnlich den Starenkästen und Steinkauzröhren, wurden in der Vorderbergzone des nördlichen Ortenaukreises in Feldhütten und an Bäumen angebracht. „Ihr Engagement macht deutlich, dass Artenschutz keine Grenzen kennt“, lobte Oberkirchs Bürgermeister Christoph Lipps, und auch Renchens Bürgermeister Bernd Siefermann sowie der Ulmer Ortsvorsteher Roland Boldt zeigten sich von dem Projekt begeistert.

Wiedehopf setzt sich gegen Feinde zu Wehr

Bei dem Rundgang in Ulm konnte auch ein rund 2,5 Wochen alter Nestling beringt werden. Seine drei Geschwister seien bereits beringt worden, informierte Manfred Weber. Eine schwierige Angelegenheit, da der Vogel mit seiner Bürzeldrüse ein stinkendes Sekret abschießt, um vor Fressfeinden wie Marder gefeit zu sein: „Die Jungen richten das Hinterteil gegen einen Feind und entleeren dann den Darm.“ Die Ladung kann 30 bis 40 Zentimeter weit reichen. Deshalb können bei dieser Vogelart die Nistkästen auch tiefer hängen, erklärte der Vogelfreund.

Gemeinsames Bewusstsein ist nötig

Ohne die Hilfe der Landwirte wie beispielsweise Gerd Schindler, der seit Projektbeginn seine Streuobstwiese zur Verfügung stellt, gehe es allerdings nicht. „Wir müssen ein gemeinsames Bewusstsein schaffen“, findet Artenschutzreferent Martin Klatt. „Mit Nistkästen allein wird man den Wiedehopf nicht retten können“, mahnte er. Die Bauern sollten auf eine behutsame Landschaftsgestaltung achten. Aber auch jeder einzelne Bürger könne helfen, indem er den Tieren unbelastete Grünfläche im Garten lässt. Leider sehen dies nicht alle Bauern so, berichtete Vogelschützer Gerhard Siebert.

Unzufrieden mit der Agrarpolitik

„Es gibt auch immer wieder Bauern, die die Nistkästen zerstören.“ „Das ganze System ist so instabil, dass man noch mehr Fungizide und Pestizide spritzen muss, weil die Gegenspieler fehlen“, so Martin Klatt. „Wir sind mit der Agrarpolitik in Europa überhaupt nicht zufrieden“, lautete sein Urteil. „Diese Art von Agrarförderung muss dringend reformiert werden.“