Ratlose Kaufleute: Wenn ab August der Rheinübergang wegen Brückenerneuerungsarbeiten geschlossen ist, werden wohl die Kunden aus dem Elsass fernbleiben. | Foto: Roland Spether/Archiv

Acherner Einzelhandel in Sorge

Bange Blicke auf den Rheinübergang Gambsheim

Der Einzelhandel in der Hornisgrindestadt blickt bange auf die Staustufe Gambsheim: Wegen der voraussichtlich dreimonatigen Vollsperrung des Rheinübergangs ab August werden französische Kunden fernbleiben. Je nach Branche sind es bis zu 40 Prozent, vor allem in der Gastronomie, teilt die Werbegemeinschaft „Achern aktiv“ mit. Zudem werden Berufspendler einen bis zu 50 Kilometer längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen müssen.

Umsatzrückgänge wären jedenfalls spürbar sein

„Die Umsatzrückgänge werden jedenfalls spürbar sein“, ist sich Bernd Peters sicher. Dennoch befürchtet der Geschäftsführer des Kaufhauses Peters nicht, dass die Kunden aus dem Elsass in das Outlet-Center nach Roppenheim ausweichen. „Achern hat einen besonderen und günstigen Angebotsmix“, meint der Händler. Als „grenzwertig“ kritisiert Rudolf Seifert, Geschäftsführer des Möbelhauses Seifert, die Informationspolitik der französischen Nachbarn.

Einzelhandel fordert, Konsequenzen der Vollsperrung auszuloten

Neben der Industrie- und Handelskammer hat Seifert auch die Acherner Stadtverwaltung und den Handelsverband angeschrieben, um mit den französischen Behörden Konsequenzen einer Vollsperrung des Rheinübergangs auszuloten. „Wir brauchen Lösungsansätze, wie die Auswirkungen begrenzt werden können“, sagt Seifert gegenüber den BNN.

30 Prozent der Kundschaft kommt aus Frankreich

„Alle Betroffenen haben sich gegen eine Vollsperrung ausgesprochen. Die Pläne aus Frankreich sind nun eine andere Dimension“, betont Seifert. Er habe in seinem Möbelhaus einen französischen Kundenstrom im zweistelligen Prozentbereich. „Für den Bauernmarkt sind 30 Prozent der Besucher aus Frankreich angereist“, verdeutlicht Seifert. Seinen französischen Kunden will er längere Anfahrtswege vergüten. Erschwerend kämen für die Autofahrer die Grenzkontrollen und Baustellen im Raum Straßburg hinzu. Für die Einkaufsmärkte im Freistetter Industriegebiet prognostiziert Seifert schwere Zeiten: „Dank französischer Kunden machen die dortigen Geschäfte ihren Umsatz“, so Seifert.

Große Umwege sind ökologisch nicht sinnvoll

Auch Markus Götz, Inhaber von Leder Götz, ist pessimistisch: „Eine einspurige Verkehrsführung muss doch möglich sein. Große Umwege sind auch ökologisch nicht sinnvoll.“ Im Fall einer Vollsperrung des Rheinübergangs habe Götz für sein Geschäft keinen Plan B.

Einzelhandel: Verschäfte Grenzkontrollen wären ein weiteres Problem

Ebenfalls ratlos ist Manfred Braun, Verkaufsleiter bei Möbel & Objekt. Das Geschäft lebe von französischen Kunden, „bis zu 30 Prozent reisen aus dem Nachbarland an. Die würden es sich zweimal überlegen, wenn sie einen Umweg fahren müssten, da es im Raum Kehl Mitbewerber gibt“. Umsatzverluste könne er nicht genau messen. Doch sie werden eintreten, ist sich Braun sicher. Wie nach den Terroranschlägen in Paris am 13. November 2015. „Wegen den verschärften Grenzkontrollen ist der ein oder andere französische Kunde ein halbes Jahr lang weggeblieben“, so Braun. Zehn seiner Mitarbeiter wohnen auf der anderen Rheinseite, auch in Gambsheim. „Sie werden wohl einen enormen Umweg fahren müssen.“

Werbegemeinschaft „Achern aktiv“ gegen Vollsperrung

Philipp Schäfer, Inhaber des gleichnamigen Schuhgeschäfts und Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Achern aktiv“, bezeichnet die Staustufe als einen wichtigen Übergang. „Es wäre schön, dass französische Seite versteht, Brücken nicht einfach zu schließen“, meint Schäfer.

Vollsperrung ist unumgänglich

Die Vollsperrung ist nach BNN-Informationen aus technischer Sicht unumgänglich. Die Brücke auf der französischen Seite der Staustufe besteht unter der asphaltierten Straße aus großen maroden Betonplatten. Diese können nur am Stück ausgetauscht werden. Eine einspurige Verkehrsführung ist deshalb nicht möglich.

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