Breitband Sasbachwalden
Eine Reporterin der Washington Post war von Sasbachwalden und seinen alkoholischen Erzeugnissen offenbar angetan. | Foto: ug

Badisch oder bayerisch?

„Electrifying Kirschwasser“ – Washington Post singt Loblied auf Sasbachwalden

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Ritterschlag für Kirschwasser made in Sasbachwalden? Eine Reporterin der Washington Post hat die Region erkundet – und zahlreiche lobende Worte für die Ess- und Trinkkultur gefunden. Dass sie die dabei offenbar etwas mit Baden und Bayern durcheinander kam – geschenkt.

„Democracy Dies in Darkness – Demokratie stirbt in Dunkelheit“, lautet der Leitspruch der renommierten amerikanischen Tageszeitung Washington Post. Erhellendes über Schnapsbrennereien und Likörproduktionen im Schwarzwald erfährt Liza Weisstuch fernab des Politikzirkus der amerikanischen Hauptstadt.

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Für die Onlineausgabe der Washington Post begibt sich die Journalistin auf „Schnapsspur durch den berühmten deutschen Schwarzwald“, wie sich die Überschrift des Artikels frei übersetzen lässt. Und diese Tour führt Weisstuch entlang der westlichen Schwarzwaldhügel ausgehend von Oberkirch auch nach Sasbachwalden.

Angetan von der Esskultur

Den Ort beschreibt sie ihren amerikanischen Lesern zunächst als eine „dichte Ansammlung denkmalgeschützter Fachwerkhäuser mit Blumenkästen, die an den Fensterbänken hängen“.

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Angetan ist die amerikanische Journalistin vom „restaurant jumping“ im Blumen- und Weindorf: Es sei eine lokale Tradition, mit einer Reservierung ein Mehrgänge-Menü zu bestellen, und jeden einzelnen Gang in einem anderen Restaurant zu speisen. „Aus der Fantasie unentschlossener Personen“, schreibt Weisstuch süffisant.

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Dass bei Pressereisen an der Winzergenossenschaft Alde Gott kein Weg vorbeiführt, erfährt auch die amerikanische Journalistin während ihres Kurzbesuchs. Überrascht ist Weisstuch, dass die Winzer ebenfalls Schnaps sowie Zwetschgenwasser herstellen.

Motto: „Die machen auch Schnaps“

Das Kirschwasser bezeichnet sie aufgrund des sauren Geschmacks gar als „electrifying“ (elektrisierend). Nächster Halt für ihren Beitrag ist der Spinnerhof in Sasbachwalden. „Die machen auch Schnaps“ könnte ein lokales Motto für diese Örtlichkeit sein, meint Weisstuch. Sie scheint das Ambiente und die Lage des Restaurants zu genießen und den Alltagsstress für einen Moment auszublenden.

Außerhalb des Ortskerns auf einem Hügel könne einem das digitale Dauerrauschen aus Facebook sowie Schlagzeilen generierender Protest in diesem rustikalen Establishment nicht in den Sinn kommen.

Den Besitzer des Restaurants, Rudolf Spinner, bezeichnet die Journalistin als einem Mann mit rötlichen Wangen, einem milden Lächeln und Arbeitshänden. Diese seien ein „Beleg seiner zahlreichen Hobbys und Bauprojekte – wie die Kapelle hinter dem Restaurant, die er in Gedenken an seiner Großmutter errichtete“. Ein „dunkler Raum mit Steinmauern“ im Restaurant erinnert Weisstuch an eine „mittelalterliche Burg“.

Der Haselnuss-Schnaps überrascht

Der Spinnerhof, so die Journalistin, sei eines der wenigen Restaurants mit einer Brennerei. Rudolf Spinner präsentiert Weisstuch seine in Handarbeit gefertigte Bar aus „hellem Holz“, ein Steinbogen forme die Eingangstür, während sie „überraschend duftenden Erdbeerschnaps“ probiert. Eine weitere Überraschung für sie sei, dass Spinner sogar Haselnuss-Schnaps in seinem Repertoire hat. Ein

Bild eines Sasbachwaldener Schnapsbrunnens ergänzt den Online-Beitrag der Washington Post. In der Bildunterschrift erklärt Weisstuch kurz und bündig das System der Schnapsbrunnenwege. Mit dem Bus fährt die Journalistin für ihre Schnapsreportage von Sasbachwalden weiter an den Kaiserstuhl. Dass sie in ihrem Einstieg die Badische Küche mit der Bayerischen Küche verwechselt – geschenkt.