Das Wolkenkuckuckshaus in Seebach erhielt die Hugo-Häring Auszeichnung. | Foto: Ulrich Coenen

Architekturpreis des BDA

Elf Hugos für Mittelbaden

Die Verleihung der Hugo-Häring-Auszeichnung in Mittelbaden in Achern war gleich aus zweifacher Hinsicht besonders. Insgesamt 47 Gebäude wurden für diesen Wettbewerb von Architekten eingereicht. Das ist das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des seit 1969 ausgelobten Preises im Bereich der Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis des Bundes Deutscher Architekten (BDA) überhaupt. Dass mit elf Bauwerken so viele wie noch nie prämiert wurden, unterstreicht die Qualität der hiesigen Architektur. Nicht nur in den Großstädten, sondern auch im ländlichen Umfeld sind anspruchsvolle Bauten möglich.

Zwei Preise für Bühl

Erfreulich ist, dass erneut zwei „Hugos“ nach Bühl gehen. Seit dem ersten Preis für die Sanierung des denkmalgeschützten Friedrichsbaus durch Uwe Maier und Alfons Burkart im Jahr 1993 haben Architekten und Bauherren in der Großen Kreisstadt damit zum inzwischen achten Mal diesen wichtigsten Architekturpreis in Baden-Württemberg erhalten. Es sind zwei völlig verschiedene Projekte, die das Preisgericht, das in der Illenau getagt hat (wir berichteten), im aktuellen Wettbewerb 2017 beeindruckt haben. Neben dem Picosens-Laborgebäude im Gewerbegebiet Bußmatten von Peter W. Schmidt (Pforzheim) ist es die Villa eines Kunstsammlers, die der Bühler Architekt Thomas Bechtold entworfen hat. Für beide Architekten ist es nicht der erste Erfolg. Bechtold beispielsweise wurde bereits für das Wohn- und Atelierhaus eines Brillendesigner-Ehepaars in Sasbach im Jahr 2008 ausgezeichnet.

Beitrag zur Baukultur

Dass gute Architekten mehrfach prämiert werden, unterstreicht die Qualität von deren Arbeit. Gleichzeitig ist es aber auch bedauerlich, dass es jungen Büros in Mittelbaden zu selten gelingt, wichtige Beiträge zur Baukultur zu leisten.

Das „Wolkenkuckuckshaus“ in Seebach ist allerdings eine Premiere. Das Büro ÜberRaum Architects aus London hat dieses Einfamilienhaus für ein befreundetes Ehepaar entworfen. Die Büroinhaber Daniela und Markus Seifermann, der aus Ottenhöfen stammt, sind Deutsche. Sie haben für ihre Arbeit bereits Auszeichnungen erhalten, allerdings noch keinen Hugo.

Akzent im Hotelbau

Gleich doppelt werden khp architekten (Baden-Baden) für zwei Bauten in der Kurstadt gewürdigt. Das Preisgericht lobt einerseits das Hotel Roomers, das zu den spektakulärsten Neubauten der vergangenen Jahre in Baden-Baden zählt, andererseits zwei Doppelhäuser in der Cité, die abseits des öffentlichen Interesses entstanden sind. Angesichts einer großen Zahl an belanglosen Ein- und Mehrfamilienhäusern in diesem wichtigen Neubaugebiet setzt das Ensemble im Heinrich-Hübsch-Weg einen wichtigen Akzent.

Vier Auszeichnungen für Offenburg

Die meisten Preise, nämlich vier, gingen auch dieses Mal wieder nach Offenburg. Das unterstreicht die Bedeutung, die die Hauptstadt des Ortenaukreises für die Baukultur in der Region in den vergangenen beiden Jahrzehnten zunehmend erlangt hat. Das Seminargebäude der Hochschule Offenburg der Freiburger Architekten Ludwig Harter und Ingolf Kanzler, die seit rund 25 Jahren zahlreiche Architekturpreise erhalten haben, hat die Jury stark beeindruckt. Für das  katholische Gemeindezentrum in Haslach bekamen sie sogar eine zweite Auszeichnung. Mit Lehmann Architekten für das Montessori-Zentrum in Offenburg gesellt sich ein weiteres Büro in die Liste des Preisträger, das bei solchen Wettbewerben regelmäßig erfolgreich ist.

Erfreulich ist aber, dass es wie beim „Wolkenkuckuckshaus“ immer wieder Neulinge gibt und dass die Jury des BDA regelmäßig auch die Arbeit von Architekten anerkennt, die nicht Mitglied dieses Berufsverbandes sind.

Rekordergebnis

Der Rekord von elf Preisen für Mittelbaden sollte übrigens nicht zum Übermut verleiten. Zum Mekka der Baukultur wird die Region damit nicht. Die Auszeichnungen stellen lediglich eine Momentaufnahme dar und die Kommunen als öffentlicher Auftraggeber, aber auch als Genehmigungsbehörde dürfen in ihren Anstrengungen keinesfalls nachlassen.

 

Die Preisträger

  • Forschungsgebäude Picosens, Bühl (Bußmatten 21). Architekt:  Peter W. Schmidt (Pforzheim). Bauherr: Reime GmbH.

 

  • Wohnhaus „Scheune mit Fernblick“, Bühl. Architekt: Thomas Bechtold (Bühl). Bauherr: privat.

 

  • Wolkenkuckuckshaus, Seebach (Wildenberg 15). Architekten: ÜberRaum Architects (London), Daniela und Markus Seifermann. Bauherren: Frank und Nicole Haas.

 

  • Zwei Doppelhäuser, Baden-Baden (Heinrich-Hübsch-Weg 2/4/6/8). Architekten:  khp architekten Urban Knapp, Marcus Haedecke (Baden-Baden). Bauherrengemeinschaft Hubertusstraße.

 

  • Hotel Roomers, Baden-Baden (Lange Straße 100). Architekten: khp architekten, Urban Knapp und Marcus Haedecke (Baden-Baden). Bauherr: Lange Straße 100 GmbH & Co. KG.

 

  • Seminargebäude der Hochschule Offenburg (Badstraße 24). Architekten: Harter  und Kanzler,  Ludwig Harter und Ingolf Kanzler (Freiburg). Bauherr: Land Baden-Württemberg.

 

  • Montessori-Zentrum Offenburg (Burdastraße 9).  Architekten: Lehmann Architekten (Offenburg), Bauherr Montessori-Zentrum Ortenau.

 

  • Wohnanlage „Wohnen an der Wiede“ , Offenburg (An der Wiede 6-12). Architekten: K9 Architekten Borgards Lösch Piribauer (Freiburg). Bauherr: Stadtbau Offenburg.

 

  • Erweiterung des Kreisschulzentrums (Gebäude D), Offenburg (Zähringer Straße 37-41). Architekten: harris + kurrle architekten. Bauherr: Landkreis Ortenaukreis.

 

  • Katholisches Gemeindezentrum St. Sebastian, Haslach im Kinzigtal (Goethestraße 6, 7). Architekten: Harter  und Kanzler,  Ludwig Harter und Ingolf Kanzler (Freiburg). Bauherr: Katholische Kirchengemeinde Haslach.

 

  • Umbau von zwei Wohn- und Geschäftshäusern, Lahr (Kaiserstraße 3 und 5). Architekten: Conrad + Conrad (Lahr). Bauherr: Horst Schmiederer.