Illenau Wiesen
Raum für Entwicklung: Auf den Illenauwiesen plante die Stadt bisher 150 Wohnungen und öffentliche Grünflächen. Nun soll hier auch ein Hotel entstehen. Die Zahl der Wohnungen sinkt damit auf 126. | Foto: Spether/bfc

Kultur- und Tagungszentrum

„Erfolgsgeschichte“ Illenau: Fortsetzung folgt

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Gut vorbereitet ging die Stadtverwaltung am Montagabend in die jüngste Sitzung des Gemeinderats: Vorträge mit dem geballten Expertenwissen der einzelnen Fachbereiche sowie die Präsentation einer Potenzialanalyse unterstrichen den Stellenwert, den Oberbürgermeister Klaus Muttach der Fortschreibung des „Illenau-Rahmenplans“ beimisst. Am Ende gab es einen Erfolg auf der ganzen Linie.

Der Gemeinderat bekundete einhellig seine Zustimmung zur Entwicklung des „Kultur- und Tagungszentrums Illenau“ (Arbeitstitel: „KTI“). Mit sechs Gegenstimmen und zwei Enthaltungen votierte die Mehrheit des Gemeinderats gleichzeitig für das parallel geplante Hotelprojekt auf den Illenauwiesen. In beiden Fällen ging es jedoch nicht um endgültige Weichenstellungen: Die Entscheidung fällt im Zuge der Beratungen über den Doppelhaushalt 2010/21.

Zentralgebäude für kulturelle Zwecke

„Wir erleben gerade ein weiteres Kapitel der Geschichte der Illenau“, fasste Thomas Kohler (Freie Wähler) die Diskussion zusammen. Wie in der vergangenen Woche exklusiv im Acher- und Bühler Bote berichtet, steht bei der Fortschreibung des Illenau-Rahmenplans (OB Muttach: „Eine Erfolgsgeschichte“) die künftige Nutzung des Zentralgebäudes der einstigen Heil- und Pflegeanstalt für kulturelle Zwecke sowie für Tagungen und Seminare im Vordergrund. Dabei geht es nach den Worten von Carmen Weber, Leiterin der Fachgruppe Hochbau, um eine Fläche von rund 2 300 Quadratmetern.

Kirchenraum soll 300 Personen fassen

Im Blickpunkt steht dabei der über dem bereits provisorisch hergerichteten Festsaal liegende ehemalige Kirchenraum der Illenau einschließlich der benachbarten Räumlichkeiten. Der ehemalige Kirchenraum soll mit einer Bühnenanlage und einer in der Höhe verstellbaren Ebene für rund 300 Personen ausgestattet werden, der bisherige Festsaal der Illenau könnte unter anderem als Ausstellungsfläche dienen. Die Kosten wurden mit rund acht Millionen Euro errechnet, dafür kann die Stadt einen Zuschuss von rund vier Millionen Euro einplanen.

Ehemaliger Kirchenraum Illenau
Der ehemalige Kirchenraum: Hier soll ein Ort für Veranstaltungen mit bis zu 300 Menschen entstehen. | Foto: Stadtarchiv Achern

Die Stadthalle scheint damit vom Tisch. Stadtplaner Rolf Bertram verwies auf die bisherigen Überlegungen zur Nutzung der ehemaligen Heckelfabrik als öffentlich-privates Gemeinschaftsprojekt („PPP-Modell“). Die Kosten von rund zehn Millionen Euro müssten in jedem Fall von der Stadt aufgebracht werden – „egal ob die Stadt selbst baut oder nicht“. Als Leiter des Fachbereichs Soziales, Kultur und Sport hatte Hans-Peter Vollet zuvor dargelegt, dass Veranstaltungsräume für rund 300 Personen in Achern fehlen, größere Hallen mit einer Kapazität von 600 und mehr Plätzen jedoch nur „sechs- bis siebenmal“ pro Jahr gefragt seien. Dafür stehen die Schlossfeldhalle in Großweier und die Hornisgrindehalle zur Verfügung.

Tagungsstandort bräuchte ein Hotel

Breiten Raum nahm die Debatte über das Hotelprojekt auf den Illenauwiesen in Anspruch. Eine im Auftrag der Stadt Achern von der dwif-Consulting GmbH in München (Deutsches wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr) erarbeiteten Potenzialanalyse kommt nach den Worten von Senior-Consultant Heiko Rainer zu dem Schluss, dass die Illenau in Achern als Standort für Tagungen und Seminare durchaus Erfolgschancen habe, dafür allerdings ein Hotel in „fußläufiger Entfernung“ gebaut werden sollte. Dafür will man nun die bereits vorliegenden Planungen im Bereich der Illenauwiesen ändern.

92 Hotelzimmer statt 24 Wohnungen

Wie Carlo Fronapfel als Leiter des Fachgebietes Stadt- und Umweltplanung erläuterte, könnte ein Teil des vorgesehenen Wohnkomplexes umgewidmet werden, um ein Hotel mit 92 Zimmern plus den erforderlichen Nebenräumen einzurichten. Dafür würden 24 Wohnungen entfallen. Laut Fronapfel könnten die für das Projekt erforderlichen Parkplätze in der ohnehin geplanten Tiefgarage sowie auf dem geplanten oberirdischen Parkplatz problemlos nachgewiesen werden.

Eine Stadthalle würden den Rahmen sprengen

Mit der Fortschreibung des Illenau-Rahmenplans will Oberbürgermeister Klaus Muttach bekanntlich öffentliche und private Investitionen im Gesamtwert von rund 60 Millionen Euro anstoßen. Wie Stadtkämmerer Rolf Schmiederer dazu ausführte, gehe es auf dem in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg zur Konsolidierung der städtischen Finanzen darum, die Leistungsfähigkeit der Stadt zu erhalten. „Deshalb würde eine Stadthalle für zehn Millionen Euro den Rahmen derzeit sprengen.“

Vier Millionen Euro als „erheblicher Kraftakt“

Der nach Abzug der zu erwartenden Zuschüsse für die Realisierung der Bauvorhaben im Zentralgebäude er Illenau erforderlichen vier Millionen Euro stellten zwar einen „erheblichen Kraftakt“ dar, seien aber „realistischer“. Schmiederer plädierte dafür, die Finanzierung dieser Investition bei den Ende des Jahres anstehenden Haushaltsberatungen zum Thema zu machen.