Tatort Weinberg: Mit dieser Kamera begleitete Erich Fischer ab 1970 ein Jahr lang die Arbeit der Winzer in Sasbachwalden. Aus dem Material wurde eine 45-minütige Dokumentation, die er damals Kurgästen vorführte. | Foto: Stefanie Prinz

BNN-Aktion Zurückgespult

Erich Fischer filmte Arbeit Sasbachwaldener Winzer

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„Ein Viertele bringt Jung und Alt zusammen“, spricht die Stimme, während auf dem Bildschirm die Herren am Stammtisch mit ihren Weingläsern anstoßen. „Bald sind die Mühen des Alltags vergessen – aber welche Mühen hinter dem edlen Tropfen stecken, das weiß man kaum“, so geht der Text des Sprechers weiter. Schnitt auf die Hornisgrinde, Blick über Sasbachwalden, das Bild flimmert, und im Hintergrund rattert der Film. Der Sprecher ist Erich Fischer. Er hat diese Mühen, die Arbeiten am Weinberg, ab 1970 ein Jahr lang mit seiner Kamera begleitet und mit viel Aufwand und Leidenschaft zu einem 45-minütigen Dokumentarfilm verarbeitet. Lange schlummerte das Band auf dem Speicher seines Hauses in Sasbachwalden, jetzt holte Fischer es wieder hervor und beteiligt sich damit am BNN-Projekt „Zurückgespult“. Der Titel: „Eine Wein-Story“.

Kamera mit Super-8-Filmkassetten in Farbe

„Weil ich mich schon in meiner Jugendzeit für das Fotografieren interessierte, wagte ich mich Anfang der 70er-Jahre an die Filmerei“, erzählt der heute 77-Jährige. Für 1 000 Euro kaufte er sich eine Filmkamera, die mit Super-8-Filmkassetten in Farbe benutzt werden konnte – „ganz neu für die damalige Zeit“, sagt er. „Ich war 30 Jahre alt und voller Tatendrang.“

Erich Fischer dokumentierte Arbeit in den Reben

Bei Wind und Wetter ging er dann also mit der schweren Kamera in die Reben der Familie und dokumentierte die Arbeit, die sich bis heute – wie auch die Gemeinde selbst – sehr verändert haben: Während oben in den Höhen noch Schnee lag, wurden weiter unten schon die Reben geschnitten. Der Boden wurde mit einem Pflug bearbeitet, bevor ein Winzer zu Fuß durch die Reihen ging und die Pflanzen düngte. Im Keller der Winzergenossenschaft lief die Arbeit noch weit weniger automatisiert ab als heute, und am Ende gab es zur Belohnung ein Winzerfest.

Mutter und Ehefrau waren Darstellerinnen

„Meine Darsteller waren meine Mutter, meine Frau und viele andere Personen des Dorfes, die meisten von ihnen sind inzwischen längst verstorben“, sagt Erich Fischer. Nachdem das Material gesichtet, geschnitten und mit Flüssigkleber oder Klebeetiketten zusammengestellt war, vertonte er den Film mithilfe eines Tonprojektors mit einem selbst verfassten Text und Musik. Eine monatelange Arbeit, erinnert er sich, schließlich konnten mit den damaligen Filmen nur jeweils drei Minuten aufgenommen werden – die gesamte „Wein-Story“ ist 45 Minuten lang.

Dokumentarfilm für Kurgäste

Der fertige Film war aber nicht nur für das heimische Wohnzimmer bestimmt: „Ich habe dann mit der Kurverwaltung Kontakt aufgenommen. Damals strömten die Kurgäste nur so nach Sasbachwalden, denen zeigte ich den Film fünf- bis sechsmal im Jahr im Hotel ,Talmühle’, im ,Engel’ und später im Kurhaus.“ Fast zehn Jahre lang führte er die Aufnahmen regelmäßig vor, bis mit der Zeit immer weniger Kurgäste kamen. Die Arbeit in den Reben hat er inzwischen größtenteils an seinen Sohn weitergegeben, die Filmkamera ist aber noch immer Einsatz, wenn auch inzwischen ein neueres Modell.