Wichtige Erkenntnisse brachte die große Übung der Feuerwehr im Acherner Krankenhaus, wo ein „Brand“ in der 6. Etage mit sieben Verletzten angenommen wurde. | Foto: Spether

Realistische Bedingungen

Erinnerung an Großbrand 1980: Feuerwehr übt in Acherner Krankenhaus

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Wenn der Pförtner des Acherner Krankenhauses den Notruf 112 wählt oder ein Rauchmelder anspringt, dann ist bei der Feuerwehr und allen Hilfsdiensten höchste Alarmbereitschaft angesagt. Doch diesmal war es „nur“ eine groß angelegte Übung der Feuerwehr Achern und der Abteilung Fautenbach.

Von unserem Mitarbeiter Roland Spether

Theoretisch war in der Gesamtwehr und darüber hinaus aber alles alarmiert, was bei einem Schadensereignis wie dem hier simulierten Großbrand im sechsten Stock der Klinik helfen konnte. Genau dies war am 28. Mai 1980 der Fall, als in der Einsatzleitstelle um 19.39 Uhr das Telefon klingelte und Portier Adolf Zink dem diensthabenden Feuerwehrmann Manfred Geiser über „112“ mitteilte: „Wir haben Rauchentwicklung im Keller“. Was sich dann entwickelte, ging als „Tragödie für die Stadt und Alptraum für die Feuerwehr“ in die Geschichte ein – die Alterskameraden haben dieses Szenario mit elf Toten noch immer vor Augen.

Folgen für Brandschutz in ganz Deutschland

„Achern gilt bis heute als der größte Krankenhausbrand in Deutschland“, so Thomas Belstler, Sicherheitstechniker des Ortenau Klinikums und zuständig für Brandschutz und Arbeitssicherheit. Damals sorgten starker Rauch und fehlender Brandschutz für die größten Probleme, doch dies hatte bundesweit enorme Konsequenzen im vorbeugenden Brandschutz in Krankenhäusern und bei der technischen Ausstattung etwa beim Atemschutz und bei Drehleitern. Von den Drehleitern, die damals im Einsatz waren, besaß nur die aus Baden-Baden einen speziellen Aufsatz für eine Krankentrage, bei den anderen mussten die Personen in die Rettungskörbe einsteigen.

Die Menschenrettung und der Löschangriff erfolgte sowohl über die Drehleiter als auch das Treppenhaus und den Fluchtturm. | Foto: Spether

Heute sei die Feuerwehr regelmäßig zu sicherheitstechnischen Begehungen in der Klinik und probe dort auch, diesmal war es mit 35 Einsatzkräften und sieben „Verletzten“ eine große Übung unter realistischen Bedingungen, so Kommandant Michael Wegel. Möglich wurde dies auf Vorschlag des Technischen Leiters des Krankenhauses, Michael Wippl, der die bauliche Neugestaltung im sechsten Stock (Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe) zum Anlass nahm, die Übung unter der Einsatzleitung von Patrick Kopp im höchstgelegenen Bereich der Klinik vorzunehmen.

Achern gilt bis heute als der größte Krankenhausbrand in Deutschland.

Thomas Belstler, Sicherheitstechniker des Ortenau Klinikums

Dies bedeutete für die Einsatzkräfte auch eine konditionelle Herausforderung, denn sie mussten unter Atemschutz über das Treppenhaus und den Fluchtturm den Weg nach oben antreten und ihre Gerätschaften von Schläuchen bis zu Drucklüftern mitschleppen. Oben angekommen hatten sie dann das Problem, dass die Etage verraucht war. Der Brand 1980 war im Keller ausgebrochen, nach dem Löschen hatte sich das Feuer schon längst durch die Versorgungsschächte in den zweiten Stock gefressen, steckte diesen in Brand und sorgte für eine starke Ausbreitung des Rauchs.

Wir haben in den vergangenen 2,5 Jahren brandschutztechnische Maßnahmen im einstelligen Millionenbereich vorgenommen.

Michael Wippl, Technischer Leiter des Krankenhauses

„Wir haben in den vergangenen 2,5 Jahren brandschutztechnische Maßnahmen im einstelligen Millionenbereich vorgenommen“, berichtete Michael Wippl. So wurden Brandschutzklappen in den Schächten erneuert und neue Konzepte gerade auch für die Installationsschächte überlegt und umgesetzt, so dass das Krankenhaus in diesem Bereich und zu Themen wie Verrauchung, Brandschutzabschnitte und Brandmelder in jedem Zimmer „relativ safe“ sei. Sicherlich könne nicht alles bis ins letzte Detail abgesichert werden, aber es wurde sehr viel in die Sicherheit investiert, und es bestünden enge Kontakte zu der Feuerwehr, um den vorbeugenden Brandschutz stetig zu optimieren. Dies bekräftigten Wegel und Kopp, die bei der Manöverkritik von einer wichtigen und gut verlaufenen Übung berichteten.