Abenteuer pur bietet eine Wildnisübernachtung im Nationalpark Schwarzwald. Die Gäste halten sich allerdings auf eigene Gefahr in der Natur auf. | Foto: Luis Scheuermann

Nicht nur im Nationalpark

„Erlebnis Natur“ auf eigene Gefahr

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Von Christine Storck

Sturmschäden, umgeknickte Bäume, Tote und Verletzte – die Nachrichten der vergangenen Wochen meldeten eine Katastrophe nach der anderen. Gerade wer im Sommer im Freien übernachten will, sollte auf Unwetterwarnungen reagieren und höchst aufmerksam sein, sagt Urs Reif, leitender Ranger im Nationalpark Schwarzwald, auf Anfrage. In der Natur könne es jedoch trotz penibler Vorkehrungen keine 100-prozentige Sicherheit geben.

 

Den Wald erleben, draußen sein und unter freiem Himmel übernachten – was für viele ein Traum ist, kann schnell zum Albtraum werden, wie kürzlich der tragische Tod eines Jugendlichen bei einem Zeltlager im südbadischen Rickenbach zeigte. Wetterkapriolen nehmen zu und gerade Hitzegewitter brauen sich bei schwülheißen Temperaturen oft schneller zusammen, als man ahnt. „Wir können den Nationalpark nur so sicher machen, wie es uns möglich ist“, stellt Urs Reif fest. Das heißt, dass vor allem die häufig genutzten Bereiche im Wald in geringen Abständen auf ihre Verkehrssicherheit hin geprüft werden. Dort werden beispielsweise tote Ästen entfernt oder Bäume gefällt, bei denen die Standsicherheit fraglich ist. „Trotzdem bleiben die waldtypischen Gefahren, die wir leider nicht gänzlich verhindern können“, betont der Ranger. Letztendlich halte sich jeder – vor allem bei Übernachtungen – auf eigene Gefahr in der Natur auf.

Gäste sind in der Pflicht

Gelegenheit zum Outdoor-Schlafen hat man im Nationalpark an vielen Stellen – ein Trend, der sich offensichtlich zunehmender Beliebtheit erfreut. „Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sprechen darauf an“, sagt Reif. Die meist gebuchte Variante im Nationalpark sei das „Naturcamp“, eine Stelle im Wald mit Lichtung, einer Material- und einer Schutzhütte. Dort können die Besucher mit Isomatte und Schlafsack direkt unter freiem Himmel ruhen. Vorab werden sie selbstverständlich über Unwetterwarnungen, Handyempfang, Schutzhütten im Umkreis und Fluchtwege informiert. Der Wissensstand der Menschen über etwaige Gefahren sei oft sehr unterschiedlich. „Aber die Gäste sind auch in der Pflicht“, erklärt Urs Reif. Jeder sollte sich über den Wetterverlauf informieren und gegebenenfalls abbrechen, wenn es kritisch wird.

Trekkingplätze sehr begehrt

Sehr begehrt seien auch die erst im Mai eröffneten sechs Trekkingplätze entlang des Westwegs, von denen drei auf dem Gebiet des Nationalparks liegen. Sie bestehen aus einer Feuerstelle, Toiletten sowie einer Holzplattform, die Platz für ein Zwei-Mann-Zelt bietet. Bei Buchung werde auf Wetterrisiken und Waldbrandgefahr hingewiesen. „Auch hier wird regelmäßig kontrolliert, trotzdem kann bei Starksturm immer etwas passieren“, warnt der Chef-Ranger. Der Zeltlagerplatz „Hahnbrunnenwiese“ befinde sich hingegen mit etwas Abstand zum Wald, halte aber eine Schutzhütte für starke Regenfälle vor. Doch hier gilt ebenfalls: Die Nutzer sind in der Verantwortung.

Übernachtungsangebot in Gebärdensprache

Im Jahresprogramm finden sich zudem immer wieder geführte Veranstaltungen mit Übernachtung – laut Pressemitteilung ganz aktuell in dieser Woche sogar in Gebärdensprache. In Begleitung einer Wildnispädagogin wandert eine Gruppe auf diese Weise zwei Tage durch den Park und kann besondere Tier- und Pflanzenarten entdecken. Es sei wichtig, Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen die Natur erlebbar zu machen, sagt Pressesprecher Thomas Dobrzewski.

Wetterveränderungen aufmerksam verfolgen

Besondere Vorsichtsmaßnahmen angesichts der jüngsten Wetterereignisse gibt es im Nationalpark derzeit nicht. Generell rät Ranger Reif, den Wald zu verlassen, sobald sich ein Gewitter oder ein Sturm zusammenbraut. Zudem sollten Besucher Wetterveränderungen stets aufmerksam verfolgen. Vom „Naturcamp“ aus sei man beispielsweise innerhalb von 15 Minuten an einer Landstraße. „Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sein Zelt immer mit zwei Baumlängen Abstand zum Bewuchs aufstellen. Aber dann hat man natürlich nicht mehr dasselbe Walderlebnis-Gefühl“, bestätigt er.