Der Rheinübergang bei Gambsheim wird auf französischer Seite nächstes Jahr saniert. Die französischen Behörden sehen zu einer dreimonatigen Vollsperrung keine Alternative. | Foto: Achim Keiper

Rheinübergang bei Gambsheim

„Vollsperrung ist existenzbedrohend“

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Die Forderung ist eindeutig: Einzelhändler und Unternehmer in der nördlichen Ortenau wollen eine drohende dreimonatige Vollsperrung des Rheinübergangs Gambsheim Anfang Juni 2018 abwenden. Das unterstrichen sie bei einer Informationsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) in der Zimmer Group Freistett. Spediteur Helmut Hauser stellte seine Idee einer mietbaren Ersatzbrücke für den Autoverkehr über die Schleusenkammern südlich der Schleusengebäude vor.

Einzelhändler: Räumlicher Puffer für Ersatzbrücke vorhanden

Auch Manfred Hetz, Inhaber des gleichnamigen Getränkemarktes im Gewerbegebiet Freistett, setzt sich für die Ersatzbrücke ein: „Eine Schleusenkammer ist 270 Meter lang, das längste Rheinschiff hat im Schubverband eine Gesamtlänge von 193 Metern“, rechnet er vor. So sei hinter dem Schleusentor ein Puffer von 80 Meter für eine zweispurige Ersatzbrücke vorhanden, ist der Getränkehändler überzeugt.

Scheitert Ersatzbrücke an Haftungsfrage?

Die französischen Behörden sehen indes die Gefahr, dass Schiffe mit dem Behelfsbauwerk kollidieren könnten. Aus versicherungstechnischen Gründen sei eine Ersatzbrücke für den Autoverkehr daher nicht machbar. Deshalb werde die geplante Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer bis zu neun Meter hoch sein, um sämtliche Kollission-Szenarien auszuschließen. Das will Hetz so nicht stehen lassen: „Die Schleusentore haben aus diesem Grund eine Knautschzone aus Stahl. Eine solche Sicherungskonstruktion könnte man auch an einer Behelfsbrücke anbringen.“

IHK will Ersatzbrücke mit Nachdruck fordern

Diesen Vorschlägen zeigte sich Andreas Truttenbach, Vizepräsident der IHK, offen: Die Kammer werde am 20. Juni bei weiteren Besprechungen mit den französischen Behörden „mit Nachdruck die Option einer Ersatzbrücke für Autofahrer fordern“. Der wirtschaftliche Gesamtschaden auf der deutschen Rheinseite, der aufgrund einer Vollsperrung entstünde, lässt sich nach IHK-Angaben noch nicht beziffern. Insbesondere für Manfred Hetz sei sie existenzbedrohend: „80 bis 90 Prozent der Kunden kommen aus dem Elsass. Eine Vollsperrung wäre für mich persönlich eine Katastrophe.“ Bei der Finanzierung einer Ersatzbrücke, falls sie von französischer Seite an den Kosten scheitern sollte, will er sich einer Diskussion über einen von allen betroffenen deutschen Händlern und Unternehmen gemeinsam getragenen Finanzierungstopfes nicht verwehren.

Während Brückensperrung: Agentur für Arbeit schlägt Kurzarbeit vor

Maria-Luisa Schill, Geschäftsführerin Operativer Service der Agentur für Arbeit Freiburg schlug den anwesenden Unternehmern vor, über die Zeitdauer der Sperrung gegebenenfalls Kurzarbeitergeld zu beantragen oder Angestellte während der Brückensperrung weiterbilden zu lassen. In diesem Fall würde die Agentur für Arbeit Beiträge übernehmen.

Kurzarbeit ist keine Option

Keine Option für Jonas Zimmer von der Zimmer Group: Wegen der Auftragslage komme Kurzarbeit für sein Unternehmen nicht in Frage. Von der Sperrung wären am Standort Freistett 60 Mitarbeiter betroffen. „Der längere Anfahrtsweg wäre dann von dem Mitarbeitern selbst in Kauf zu nehmen“, betont Zimmer. Die Unternehmensbilanzen wären von einer Vollsperrung nicht tangiert. „Dennoch ist es für uns wichtig, den Einzelhandel vor Ort zu unterstützen. Und vielleicht können auch unsere französischen Mitarbeiter von guten Ideen profitieren“, so Zimmer.

Hintergrund: Unternehmerbefragung der IHK

Von 150 Betrieben in Achern und Rheinau antworteten 40 Prozent der IHK bei einer Unternehmerbefragung. Darunter gaben 51 Betriebe an, von der Vollsperrung direkt betroffen zu sein. Unter den Einzelhändlern und Gastronomen, die sich in der Grenzregion auf französische Kunden spezialisiert haben, befürchten bis zu 95 Prozent negative Auswirkungen auf ihren Umsatz. Auch in Achern geht insbesondere der Einzelhandel zum Teil von großen Umsatzverlusten aus. Philipp Schäfer, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands „Achern aktiv“ kritisiert, dass die IHK Unternehmer und Händler mit weniger als 30 Mitarbeitern nicht befragte. IHK-Vize Andreas Truttenbach versprach, alle fortan mit ins Boot zu nehmen.