STREICHELEINHEITEN: „Therapiestunde“ für Samu und Pepe mit ein paar Leckereien. Die Tiere werden langsam an den Menschen gewöhnt. | Foto: Regina de Rossi

Esel bei Therapie im Einsatz

Erste „Bewohner“ der Anima Tierwelt sind da

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Sie heißen Pepe, Samu, Paco und Leo und sie könnten unterschiedlicher nicht sein, die vier Esel, die derzeit Am Altenrain in Sasbachwalden auf einem großen Wiesengrundstück leben. Hier, auf dem großen umzäunten Gelände mit einer kleinen Holzhütte, werden die vier Wallache zu Therapieeseln ausgebildet und später in der tiergestützten Therapie der AniMotion bei der Anima Tierwelt eingesetzt.

Esel Pepe wurde früher zum Schmuggeln eingesetzt

Paco ist ein Esel wie aus dem Bilderbuch. Dunkelgrau mit hellem Bauch, heller Nasenspitze und ebenso hell umrandeten Augen, dazu der typischen Maserung auf dem Rücken. Und er ist der größte. Pepe hingegen ist sehr dunkel. Deshalb gehört Pepe zu den „Schmuggler-Eseln“, sagt Bettina Mutschler, die hier als Trainerin und Esel- Betreuerin agiert. „Weil er keinen hellen Bauch hat, konnte man ihn nachts nicht erkennen. Deshalb wurde er zum Schmuggeln eingesetzt“. Leo ist weiß und hat große braune und schwarze Flecken auf dem Fell. Er ist spitzbübisch und neugierig. Und Samu, dieser Esel ist ganz weiß und von ihm geht Sanftheit und Ruhe aus, so dass man gerne in seiner Nähe bleiben möchte.

 

PUDELWOHL fühlen sich die Esel Leo und Paco offenkundig auf dem Gelände bei Sasbachwalden. Foto: Regina de Rossi | Foto: Regina de Rossi

Weiterer Schritt zur therapeutischen Arbeit getan

„So unterschiedlich, wie die Menschen sind, mit denen die Esel später arbeiten werden, so unterschiedlich sind unsere Tiere“, erklärt Bettina Mutschler und krault dem gescheckten Wallach kräftig die Ohren. Zwei Mal am Tag geht sie ins Gehege und hat jeweils drei Stunden mit den Tieren zu tun, die zu den ersten „Bewohnern“ der Anima Tierwelt gehören werden. Somit ist ein weiterer Schritt zur therapeutischen Arbeit oben im großen, jahrelang brachliegenden Gebäudekomplex Breitenbrunnen getan.

Anreize werden bewusst gesetzt

Rainer Wohlfahrt, Psychotherapeut und Leiter der AniMotion, der tiergestützten Therapie bei Anima, kommt von seiner Arbeit in der Max Grundig Klinik dazu. Paco begrüßt ihn stürmisch, verlässt dazu sogar seinen Trog, in dem das Stroh liegt. Die anderen Esel ziehen währenddessen das Heu aus großen blauen Netzen. Vier Stück hängen auf dem Areal an unterschiedlichen Plätzen und es macht ihnen sichtlich Mühe, das Heu mit den Lippen heraus zu ziehen. „Die brauchen diese Anreize“, so Bettina Mutschler, die diese Säcke zwei Mal am Tag komplett auffüllen muss. Zweihundert Ballen Heu und einhundert Ballen Stroh hat sie gerade fürsorglich in dem Unterstand unterhalb der Wiese eingelagert. „Wir bekommen von Sasbachwalden und seinen Einwohnern so viel Hilfe und Unterstützung“, freut sie sich, dennoch benötige man dringend eine Garage und Lagermöglichkeiten.

Wir sind derzeit in Ausbildung. Bitte füttert uns deshalb nicht

„Esel dürfen nicht länger als sieben Stunden ohne Fressen sein“. Dies hänge mit ihrem Verdauungstrakt zusammen und vor allem, sie dürfen weder Äpfel noch Mohrrüben essen, geschweige denn Brot oder Schokolade. Das große Schild am Gehege gibt den Hinweis: „Wir sind derzeit in Ausbildung zu Therapie-Eseln. Bitte füttert uns deshalb nicht“.

Die Langohren sind bereits recht zahm

Jetzt ist ausmisten angesagt, danach Therapiestunde. „Ich versuche, sie mit allerlei Gegenständen vertraut zu machen“ sagt Bettina Mutschler, die eine Ausbildung als Hundetrainerin besitzt. Diese Esel hier, die nach langem Suchen bei einem Züchter in der Nähe von Ulm gekauft wurden, sind bereits jetzt recht zahm. Nach und nach werden sie an Menschen gewöhnt, an Utensilien, die sie nicht kennen, an Reifen, an Eimer, an Aufgaben, die sie erlernen müssen, um als Therapietier Hilfe leisten zu können.

Eine langfristige und aufwändige Arbeit

Es ist eine langfristige, aufwändige Arbeit, die hier geleistet wird und dies mit großer Sorgfalt und viel Wissen rund um das Tier. Zur zeitintensive Betreuung gehört das Auskratzen der Hufe, um Entzündungen zu vermeiden, das Säubern, Bürsten, das Therapieren und das Ausgehen. Denn spätestens bei einer Brücke, einem Wasserlauf in einer Wiese oder einem Blumenteppich an Fronleichnam kommt der „sture“ Esel zum Vorschein. Hindernisse, die mag er gar nicht. Hier ist Feingefühl gefragt. Bettina Mutschler scheint viel davon zu besitzen, doch wenn man selbst inmitten dieser besonderen Tiere steht, ihre unterschiedliche Wesensart wahrnimmt und dann sieht wie sie plötzlich alle vier los galoppieren und sich übermütig im Staub wälzen, kann sich vorstellen, dass diese Tiere wieder Lebensmut und Lebensfreude zurück bringen können.

Von unserer Mitarbeiterin Regina de Rossi