Winterfeste Palme in Erlach
Fast haushoch: Winterliche Temperaturen – immerhin ist das Hausdach hier noch weiß gezuckert – hat die Chinesische Hanfpalme keine Probleme. | Foto: Stefanie Prinz

Haushohe Palme in Erlach

Exotischer Gast bekommt keine kalten Füße

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Ein Hauch von Exotik am Fuße des Schwarzwaldes: Statt Apfel- oder Birnbaum steht in einem Garten in Erlach eine stattliche Palme – und anstelle von Meeresrauschen wie in südlichen Gefilden plätschert im Hintergrund eben die Rench. Fast so hoch wie das Haus ihrer Besitzer ist die Pflanze, ein zweites Exemplar fällt etwas kleiner aus, und kalte Füße scheinen die imposanten Gewächse bei den winterlichen Temperaturen überhaupt nicht zu bekommen.

Für Berthold Biehlman stellen die Chinesischen Hanfpalmen, so die richtige Bezeichnung, vor allem Reiseerinnerungen dar: „Wir haben sie aus dem Urlaub vom Comer See mitgebracht“, erzählt er, seine Frau Berta hat die Pflänzchen dort damals mit Erlaubnis des Besitzers ausgegraben und mit nach Erlach gebracht. Knappe 15 Zentimeter war das junge Grün groß. Das war vor etwa 20 Jahren, seitdem wachsen die Palmen im heimischen Garten und sind in dieser Zeit mächtig in die Höhe geschossen.

Auch minus 15 Grad machten ihr nichts aus

Und wie kommt der „Einwanderer“ aus dem sonnigen Italien unbeschadet über die Winter? „Einfach so“, meint Berthold Biehlman und schmunzelt: „Wir machen nichts Besonderes damit, auch nicht, wenn es kalt ist.“ Nur einmal, als der Schnee sich zentimeterhoch auf den Blättern türmte und das Thermometer auf bis zu minus 15 Grad sank, da habe er gedacht, dass es zu viel für die Palmen sei. Die belehrten ihre Besitzer eines Besseren und begannen im Frühjahr wieder zu blühen.

Winterfeste Palme in Erlach
Grünen Nachwuchs gibt es unter einer der beiden Palmen von Berthold und Berta Biehlman in Erlach. | Foto: Stefanie Prinz

Auch wenn die Palmen im kleinen Renchener Stadtteil auffallen – schon allein wegen ihrer Größe – und auch sonst in der Region nun nicht gerade in jedem zweiten Garten so eine exotisch anmutende Pflanze zu gedeihen scheint: So selten ist sie nicht, die Trachycarpus fortunei, wie sie fachgerecht bezeichnet wird. „Es gibt sie in jedem Baumarkt zu kaufen“, heißt es dazu vom Botanischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie. Ursprünglich stammt die Art aus dem Himalayagebiet in der südchinesischen Provinz Yunnan und ist daher sehr winterhart. In Europa ist sie als Tessinerpalme beliebt und gilt in der Schweiz sogar als sogenannter Neophyt, den man eindämmen müsse, weil er einheimische Arten verdrängt, sagen die Experten.

Zahlreiche junge Palmen wachsen nach

Im Biehlmanschen Garten verdrängen die Palmen zwar keine anderen Gewächse, aber sie vermehren sich eifrig: Beide Palmen blühen, und unter der kleineren treibt ein ganzes Beet voller Jungpflanzen – in etwa so klein wie die Ableger, die das Ehepaar einst aus Italien mitbrachte. Manchmal würden sie auch von Menschen gefragt, die gern eine der kleinen Nachwüchse hätten, sagt der Erlacher.

Pflanzen kommen immer öfter vor

In den vergangenen Jahren seien Hanfpalmen in der Region immer öfter im Freiland gepflanzt worden, weiß man bei der Acherner Firma Rösch, Baumschule und Pflanzenzentrum. Das sei in hiesigen Breiten an geschützten Orten kein Problem, hänge aber vom Winter ab – und der sei in den vergangenen Jahren eher weniger streng ausgefallen. Sind Pflanzen, die aus anderen Regionen der Welt stammen, nun ein besonderes Hobby für die Familie? Nein, meint Berthold Biehlman, lacht und gibt dann doch zu: Einen Feigenbaum haben sie noch in ihrem Garten, und eine Bananenstaude wächst dort auch. Ein klein bisschen exotisch ist Erlach also doch.