Buslinie Nationalpark Schwarzwald Verkehrskonzept
Zusätzliche Buslinien stehen beim Fahrgastverband "Pro Bahn" ebenso weit oben auf der Wunschliste wie in der Studie zum Verkehrskonzept. | Foto: Bernhard Margull

Nationalpark Schwarzwald

Fahrgastverband drängt auf Umsetzung des Verkehrskonzepts

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Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ setzt sich für die Umsetzung des Verkehrskonzepts für den Nationalpark Schwarzwald ein: Nach einem Bericht des Acher- und Bühler Boten über die Studie zum Konzept und den Beschluss der letzten noch offenen Module des Nationalparkplans meldet sich der Regionalverband Mittlerer Oberrhein und Südpfalz mit Sitz in Karlsruhe zu Wort. Die Studie ist inzwischen auch im Internet einsehbar.

„Da wir schon seit Jahren die Diskussion um den öffentlichen Verkehr im Nationalpark begleiten und zudem Vorschläge unterbreitet haben, sind wir natürlich an einer Umsetzung des Verkehrskonzepts interessiert“, heißt es in einer Mitteilung, die der Regionalverband an die Landkreise Rastatt und Freudenstadt sowie Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg richtet. „Leider hat sich in den vergangenen Jahren wenig getan, umso mehr hoffen wir auf eine baldige Umsetzung, die auch dem Umweltschutzgedanken Rechnung trägt“, heißt es in dem Schreiben. Zudem fordert der Verband die Empfänger zu einer Stellungnahme auf, wann die Umsetzung „endlich in Angriff genommen“ werde und was Gründe für eine mögliche Verzögerung seien.

Begeisterung scheint zu fehlen

Als dringlichsten Punkt sieht Gerhard Stolz, Vorsitzender des Regionalverbands, eine durchgängige Buslinie zwischen Baden-Baden und Freudenstadt an. Mit den zuständigen Institutionen sei man in Diskussionen, sagt Stolz, der gleichzeitig kritisiert: „Die Begeisterung für das Thema scheint zu fehlen, und das ist im Verkehrswesen wichtig, sonst dauert es.“

„Pro Bahn“ schlägt Konzept mit fünf Buslinien vor

In einem Konzept, das der Verband bereits 2015 ausgearbeitet hat, schlägt „Pro Bahn“ unter anderem vor, die genannte durchgehende Buslinie entlang der Schwarzwaldhochstraße einzuführen. Dazu wurde ein Konzept mit fünf verschiedenen Linien im Stundentakt zwischen 8 und 20 Uhr ausgearbeitet (Baden-Baden – Freudenstadt, Bühl – Sand – Forbach, Achern-Mummelsee – Hornisgrinde, Baiersbronn – Ruhestein – Ottenhöfen, Bad Griesbach – Alexanderschanze). Entsprechend der alten Landesgrenze zwischen Baden und Württemberg bestünden aber auch im Tarifbereich Grenzen.

Ökologische Ziele gegen große Zahl an Fahrzeugen

Darüber hinaus sieht der Fahrgastverband einen starken Kontrast zwischen den ökologischen Zielsetzungen des Nationalparks einerseits und der großen Zahl an Autos und Motorrädern in und um dieses Gebiet andererseits. Zudem solle „nicht gerade dem Personenkreis der Besuch erschwert werden, der die umweltfreundliche Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Nationalpark wählt“. Der nun ausgearbeitete Bericht zum Verkehrskonzept dient als Grundlage für die Umsetzung. Diese liegt bei den Landkreisen, Gemeinden und dem Land, teilt der Nationalpark Schwarzwald mit. Die Ausgestaltung und Finanzierung der konkreten Umsetzungsschritte wird zwischen dem Verkehrsministerium und den Kreisen und Gemeinden je nach Zuständigkeit vereinbart.

Gespräche zur Finanzierung laufen

Zum Thema Finanzierung werden derzeit Gespräche zwischen den Land- und Stadtkreisen und dem Ministerium für Verkehr geführt. Insbesondere beim Thema Nahverkehr-Ausbau sei die Frage der Finanzierung entscheidend, heißt es weiter. Zur Begleitung der Umsetzung des Verkehrskonzeptes wurde außerdem ein Steuerkreis unter der Leitung von Freudenstadts Landrat Klaus Michael Rückert initiiert.

Derzeit zentrale Maßnahmen sind:

  • zusätzliche Regionalbuslinien
  • Parkraumplanung am Ruhestein für das neue Besucherzentrum und für das Nationalparkhaus in Herrenwies
  • Entwicklung einer digitalen Informationsplattform
  • Lärmdisplays zur Sensibilisierung von Motorradfahrern
  • gemeinsame Kommunikation mit Akteuren der Region, um das Thema nachhaltige Mobilität mehr zu verankern
  • gemeinsame Planung zur Umgestaltung von zentralen Bushaltestellen

Hintergrund: Das Verkehrskonzept
Der Nationalparkrat hat, wie berichtet, Mitte Oktober eine Studie zum Verkehrskonzept zur Kenntnis genommen, die ein Gutachterbüro erarbeitet hat. Rund 60 Einzelmaßnahmen wurden unter dem Motto „Natur.Bewusst.Mobil“ vorgeschlagen. Grundlage für die Studie waren unter anderem mehr als 600 Anmerkungen, die im vorangegangenen Beteiligungsprozess mit der Region zusammengetragen wurden. Das Ziel sei es, die Schwarzwaldhochstraße zu entlasten und den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, schreibt der Nationalpark in einer Mitteilung. Dabei müssen die unterschiedlichen Nutzergruppen vom Pendler- über den Wirtschaftsverkehr bis hin zum Freizeitverkehr bedacht werden. Eine weitere große Herausforderung sei es, in der Region eine Verhaltensänderung und ein Bewusstsein für nachhaltige Mobilität zu schaffen.
Der entstandene Maßnahmenkatalog wurde in den vergangenen Monaten von Nationalparkrat und -beirat, dem Fachgremium „AG Verkehrskonzept“ sowie dem Verkehrsministerium und der Nationalparkverwaltung geprüft und bearbeitet, heißt es weiter. Gefördert wurde das Konzept vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.